Volltext : Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 66, 1910)

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niederschlagsreicher und mit der Höhe des Niederschlags wächst
nicht nur der Abfluß absolut, sondern auch der Prozentsatz des
Abflusses. Berechnungen für einige amerikanische Flüsse der gemäßigten
 Zone hatten ähnliche Ergebnisse. Murray! hat das Abfiußverhältnis
 zonenweise zwischen bestimmten Parallelen berechnet,
doch sind die ziffernmäßigen Resultate ziemlich unsicher. Dagegen
dürfte das allgemeine Resultat der Wahrheit ziemlich. entprechen,
daß das Abflußverhältnis in höheren Breiten relativ hoch ist, daß
es in etwa 30° Breite sein Minimum erreicht, um in den Tropen
wieder zu wachsen. — Für den Oberrhein bis zur Tardisbrücke in
Graubünden wird ein Abflußverhältnis von 94°%/, berechnet, für denselben
 bis zur Aaremündung ein solches von 66°. Doch dürften
diese Werte zu hoch sein, da die Regenhöhe im Hochgebirge zu
wenig bekannt ist und die mittlere Niederschlagsmenge die (meist
aus Talstationen berechneten) Werte von 1200 mm bezw. 1148 mm
erheblich übertreffen dürfte. — Einer landläufigen Regel zufolge soll
vom Niederschlag */s sofort abfließen, '/s verdunsten und !/s versickern.
 Was aus dem versickerten Teile wird, darüber gibt die
Regel keine Auskunft. Wenn wir das Abflußdrittel für den Gesamtabfluß
 nehmen, so kommt dies nach obiger Zusammenstellung
für mitteleuropäische Flüsse der Wahrheit im Mittel ziemlich nahe,
worauf auch PencK hingewiesen hat. Dagegen würde man im
speziellen Fall mit dieser Annahme die größten Fehler begehen,
besonders wenn man die unten zu besprechenden jahreszeitlichen
Unterschiede in Betracht zieht.
Den Angaben über das Abflußverhältnis im ganzen mögen sich
einige Resultate Pzxcx’s” über die böhmische Elbe (bei Tetschen)
anreihen. Er untersucht den gleichzeitigen Verlauf von Niederschlag,
 Abfluß und Temperatur in den einzelnen Jahren. Der mittlere
 Niederschlag unterliegt großen Schwankungen und beträgt
beispielsweise im Jahre 1887 nur etwa 547 mm, im Jahre 1890
dagegen 858 mm. Der Temperaturverlauf geht dem des Niederschlags
 ziemlich parallel, und in der Tat besteht eine enge Beziehung
zwischen beiden. Erhöhte Temperatur bedingt erhöhte Verdunstung.
diese wiederum erhöhte Wolkenbildung und vermehrten Niederschlag.
Auch der Abfluß hat einen ähnlichen Verlauf wie Niederschlag und
Temperatur, doch ist die Abhängigkeit nicht so deutlich ausgeprägt.
' Vergl. das Referat Brückner’s. Meteorol. Zeitschr, 1887,
* Ruvarac-Penck, Die Abfluß- und Niederschlagsverhältnisse von
Böhmen ete. Penck’s Geograph. Abhandl. Bd. V. Heft 5. 1896.
            
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