Full text: Ein Jahrhundert Württembergischer Verfassung

  
  
  
T 4 r. 
Man behandelte ihn als ein Uberbein im Staatsorganismus. Oberster 
Berater des Usnigs ſollten nicht der unverantwortliche Geh. Rat sein, 
sondern das verantwortliche Gesamtministerium, dem man zu Begut- 
achtungen weitere Räte beigeben könne. Die Minister kamen wohl 
Hin und wieder unter sich zusammen, aber im allgemeinen stand jeder 
für sich allein, und das Fehlen eines kompakten Gesamtministeriums 
wurde in den unruhigen Jahren nach der Julirevolution von den 
Ministern ſselbſt als Fehler empfunden.!) Uhland und Alb. Schott 
bezeichneten daher jetzt den Geheimen Rat als einen der ersten Gegen- 
stände, die bei einer Verfaſſungsänderung einer geläuterten Anficht 
verfallen seien. 
f n! meisten Unmut erregte das Verhältnis zum Deutschen Bunde. 
Die Bundesakte, das Grundgesetz des Deulschen Bundes, „lächelte den 
Feudalvorrechten überall holdſelig zu, während sie gegen die Volks- 
Ut us: ct! Pz!!! ut sq! etw sût 
Tätigkeit so ziemlich beschränkt habe auf den Schutz der dem Adel 
durch die Bundesakte gewährleiſteten Rechte und auf die Unebelung 
von allem, was auch nur von Ferne nach Freiheit roch, gar nichts 
aber getan habe zur Entwicklung der dem deutſchen Volke zugesicherten 
gemeinſamen Einrichtungen. ; 
Keine Frage, daß die Staatsbürger, die neuerdings solche Dinge 
als Lebensfragen erwogen und in solchen Bedürfnissen wie nach gei- 
ſtigem Lebensbrot ſchmachteten, zu den edelſten gehörten. Aber den 
Edeln hängten sich auch Unedle an. Das Volk wurde gefaßt an 
der empfindlichsten Stelle, bei den Abgaben. Der kleinſte Mißbrauch 
im Dienst wurde hervorgezogen und grell ausgemalt, die Beamten 
verdächtigt, das Vertrauen auf den guten Willen der Regierung überall 
wankend gemacht. Daß hierin das Maß überſchritten, Mißgriffe be- 
gangen worden, wurde nachher auch von Oppoſitionsfreunden aner- 
kannt.?) Nun wurden alle Ubelstände der Regierung zur Laſt gelegt; 
jeden drückte der Schuh irgendwo, und jeden dieſer Schuhe hatte die 
Regierung zu eng gemacht. 
Usnig Wilhelm hatte schon am 14. März 1830, aljo noch oor 
Entlaſſung des alten Candtages angeordnet, daß ein außerordentlicher 
Landtag zu berufen sei zur Beratung der Strafprozeßordnung, des Straf- 
Clisurfe " Zu lehiemn Uhtken die Rüiciſic bac Wehlecſth ff Lugner 
eine rt. M: ſrre sie in der 1. Kammer bereits e Ürtcent: 
hebung der Staatsbeamten nach s 47 der Verfasſungsurkunde, ein 
z 1) Geh. Rats Protokolle von 1830/35 ; Äußerungen von Schlayer und Herdegen 
t \sÖcsstlin S. 462. 505. 
?) H. Elsner: Abriß der Geſch. des aufgelöſten württ. Landtags 1834, [153. 
H;: der spätere Verteidiger der Regierung, stand damals auf Seiten der 
 
	        

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