Full text: Ein Jahrhundert Württembergischer Verfassung

  
  
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Parteien geben." So sehr wurde damals noch verkannt, daß eine 
ſolche Verſammlung ohne Parteien, ohne Opposition ein Ulumpen 
     
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ohne Ceben iſt, obwohl Hegel in seiner bekannten Kritik dies alles 1 
ſchon i. J. 1816 entwickelt Hatte. Nun hat es zwar an Widerſpruch 
in der 2. Kammer auch bisher nicht gefehlt; sie hat auch ſo manche 
Regierungsvorlage stark abgeändert und nicht immer zum Besſern | 
man konnte auch neben der großen liberalen, der liberalen Regierung 
regelmäßig beitretenden Nrehrheit eine noch fortſchrittlichere Richtug 
( 
unterscheiden, die Partei der Bürgerfreunde (S. 15). Aber es ware 
mehr bloße Richtungen, keine organisierte Parteien. Dieser Zuſtand 
änderte ſich nach der Julirevolution. Es bildete sich im Land eine 
geſchlossene organisierte Bewegungspartei gegen die Regierung, die auf ' 
D 
die öffentliche Meinung Einfluß zu gewinnen suchte und für die Land. | 
tagswahlen im Herbst 1831 von langer Hand tätig war. Wahlklubs 
§ 
wurden gebildet, die nach dem Vorbild Frankreichs im stillen die 
heilige Glut der Freiheit nähren ſollten, wie der Hochwächter ſo 
ſchön sggte. Die nur zu berechtigte Abneigung gegen die Präſidial- 
macht Öfſterreich — hatte doch diese den Bundestag ermächtigen ! 
wollen, alle den Einzelregierungen durch die Revolution abgerungenn 
Zugeſtändnisse für null und nichtig zu erklären ?) ~ machte die Ohren 
wohl allzuempfänglich für das franzsſiſche Phraſengeklingel, und die 
deutſche Gerechtigkeit gegen fremdes Verdienst artete wieder einmal. 
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aus in blinde Bewunderung des Fremden und E I 
Eigenen. 
waltung des Innern seit Januar 1831 an Stelle des + Schmidlin führte, 
den Beamten durch Rundſchreiben jede unmittelbare Einwirkung af 
Dem gegenüber untersagte der freiſinnige Kapff, der die Ver. 
! 
die Wahlen, ihre Tätigkeit beſchränkend auf Raterteilung, und sah dem 
Treiben der Opposition untätig zu. Im Hinblick auf die kandidieren. 
den . oppositionellen Dichter Uhland, Pfitzer, Maxer, Guſtav Schwab 
(der aber durchfiel)), scherzte er, er werde sich ein Dichtergärtlein an- 
legen.?) Mit der Preſſe die Preſſe zu bekämpfen, das einzig richtige § 
Mittel, war zwar verſucht worden, aber mißlungen; ) so fehlte en 
Regierungsblatt. Auch Uapffs übernächſter Nachfolger Schlayer hielt 
die Gründung eines solchen für zu schwierig, weil es dafür an Mitteln 
wie an Lesern fehle.) Die gemäßigte Partei verharrte schweigend 
und unterließ jede Wahlbearbeitung. Erſt im September und Oktober l 
1831, kurz vor Ausschreibung der Wahlen, NN 
maßregeln. Doch Geh. Rat Gros erklärte im Geheimen Rat, der 
„Widerſinn“ der Zensur werde sich in die Länge nicht halten; es gebe 
  
") Beiſpiele bei Adam : Frh. Karl Varnbüler 1885 S. 91 und oben 5. 9. 
?) M. Döberl: Ein Jahrhundert bayeriſchen Verfassungslebens 1918, 77. 
?) Gmelins Erinnerungen und: Die Divination, beleuchtet, 1833, S. 11. 
1) Köſtlin S. 507. Bacherer : Salon D. Zeitgenoſſen 1838, S. 29/30. Seeger 
S. 87. E. Schneider im Schwäb. Merkur 14. März 1914, S. 9. 
*) Geh. Rats Protokoll vom 15. Dezember 1832. 
  
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