Full text: Ein Jahrhundert Württembergischer Verfassung

  
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zirkel zuſammenzuhalten suchte. Das Zünglein an der Wage bildeten 
daher die zwiſchen beiden Schwankenden, das nach französischem Muſter 
ſpsttiſch so genannte juste Milieu.!) Auf seiten der Regierung führten 
den Kampf vor allem die Verſtände der Ministerien des Innern, der 
Finanzen und der Juſtiz, Schlayer, Herdegen und Schwab, eines 
Bäckers, eines Fuhrmanns und eines Theologen Sohn, alle drei treff- 
liche Geſchäftsmänner; aber der 40 jährige Schlayer überragte alle 
weit an Geiſt, an Geſchäftskenntnis und als ausgezeichneter Debatter, 
einſt als Abgeordneter ein fortgeſchrittener Volksmann, jetzt der Vor- 
îkämpfer des alten zwar aufgeklärten, aber gemäßigten Regierungs- 
ſyſtems gegenüber extrem erscheinenden Bestrebungen; „Advokat, Mi- 
niſter, Präsident, Redner und Humoriſt“ in einer Perſon.?) 
Die erſte Schlacht wurde geschlagen bei der Wahl des Präsidenten, 
der vom Uönig zu ernennen war aus dreien von der Kammer Ge- 
wählten. Uhland beantragle zwar, gegen die Geſchäftsordnung, die 
Wahl bis nach Bereinigung der beanstandeten Abgeordneten-Wahlen 
zu verſchieben; aber er blieb in der Minderheit. Als Praſidenten 
wollte Schlayer in erster Linie den erfahrenen Parlamentarier Gmelin 
haben, und da dieser wenig Aussicht hatte, Feuerlein aber zu energie- 
los schien, den neugewählten Oberjuſtizrat Stängel, einen talentvollen, 
tüchtigen Geſchäftsmann, dem aber die Oppoſition ihre Stimme ver- 
ſagte, obwohl er durch Unterzeichnung der Boller Adreſſe sich als 
liberal ausgewiesen hatte. Sie hatte zunächſt Wangenheim ins Auge 
gefaßt, den auch die ſchwankende Mitte gewählt hätte. Da aber 
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die drei zu Wählenden bringen, obwohl sie wußte, daß der König 
ihn nicht ernennen würde. Denn abgesehen von seiner politiſchen Richtung 
urteilte Schlayer, es fehle. Schott an tieferer Einsicht und Umsicht, und 
er würde bei seinem weichen Charakter jeder Einwirkung seiner Partei- 
freunde nachgeben.!) Die Regierungsfreunde stimmten beim erſten 
Wahlgang für Feuerlein und verſchafften ihm mit Hilfe der Milte 
die Mehrheit von 41 Stimmen, während Schott es nur auf 38 Stimmen 
brachte d. h. ‘alle Stimmen der Oppoſition außer seiner eigenen. Nun 
galt es aber! Um Schott eine Mehrheit zu verſchaffen, erbot ſiclp die 
Oppoſition gegen die Ritterſchaft, die von Weishaar nach ihren Uni- 
formen sogenannte blaue Bank, im nächſten Wahlgang einen der 
Ihren zu wählen, wenn sie im dritten für Schott stimme. Die Ritter- 
schaft ergriff dieſes unerwartete Glück ohne Bedenken, und so wurde 
im zweiten Wahlgang Frh. v. Gaisberg, im dritten aber Schott mit 
49 Stimmen (38 der Oppoſition und [i der Ritterschaft) gewählt.“) 
Der König ernannte Gaisberg, ließ dies aber der Kammer erſt er- 
  
1) Gmelins Erinnerungen und Geh. Rats Protokolle. 
?) Bacherer a. a. O. 
?) Schtayer an den König, 10. September 1832; (Geh. Rats Akten). 
‘) Gmelins Erinnerungen. 
 
	        

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