Full text: ARCH+ : Studienhefte für architekturbezogene Umweltforschung und -planung (1968, Jg. 1, H. 1-4)

Fritz Leonhardt 
trieben. Das ist historisch sogar verständlich, Die Öf- 
fentlichkeit und auch der Architekt selbst hat die Archi- 
tektur als nicht unmittelbar erkennbar und steuerbar an- 
gesehen, An Umweltplanung als einer Wissenschaft wur- 
de oder wird nicht gedacht. 
Notwendig ist 
N 
Aufgabenforschung im Hinblick auf Funktion und Pro- 
gramm, wie auch im Hinblick auf Gesellschaftsordnung, 
auf gesellschaftliches Milieu mit dem besonderen Aspekt 
der Gesellschaftspolitik. 
2. 
Technikforschung im gesamten Bereich der Konstruktion 
und Technologie, mit Berücksichtigung von Bauphysik, 
Montagebau usw. 
Y 
Formforschung im Bereich der Wahrnehmungsuntersuchung, 
Phanomenologie und den Bereichen der Psychologie, 
Psychosoziologie, Asthetik und Semantik, 
Zu Frage 1: 
Das Lexikon sagt einfach "Architektur = Baukunst", Für 
viele Menschen bedeutet jedoch Architektur im üblichen 
Sprachgebrauch das Ergebnis der Baukunst im Hinblick 
auf Stilrichtungen z.B. "klassische Architektur, moderne 
Architektur" ‚man denkt also bei dem Wort Architektur 
primär an die künstlerische Gestaltung der Fassaden, der 
Räume,der Baukörper. Auch das Studium der Architektur 
wird in erster Linie als künstlerisches Studium betrachtet 
und wurde im starken Ausmass in den letzten 50 Jahren 
auch so praktiziert.Diese Beschränkung des Begriffes 
"Architektur" auf das Künstlerische hat sich für die Ent- 
wicklung des Berufes des Architekten sehr nachteilig aus- 
gewirkt. 
Zweifellos müsste heute der Begriff Architektur wieder 
umfassender als Baukunst definiert werden, wobei man 
sich darüber im Klaren sein muss, dass es keine Kunst ohne 
Können gibt und Können bedeutet beim Bauen in erster 
Linie das Beachten der Funktionen und das Wissen um die 
technischen Möglichkeiten.In allen Künsten hängt die 
künstlerische Leistungsfähigkeit vom Beherrschen der tech- 
nischen Hilfsmittel ab, wobei technisch im weitesten Sinne 
zu verstehen ist. 
Bei der Vielfalt und Kompliziertheit der heutigen techni- 
schen Hilfsmittel des Bauens kann die Architektur = "um- 
fassende Baukunst" nicht mehr von einem Einzelnen be- 
herrscht werden, sie erfordert Teamarbeit, aber möglichst 
unter der Leitung eines Dirigenten, der wenigstens das 
Wesentliche,die Grundlagen seiner technischen Hilfsmit- 
tel kennen und überschauen sollte.Daraus ergeben sich 
wichtige Forderungen für das Berufsbild des Architekten 
Der Begriff Architektur = Baukunst erfasst ein wichtiges 
Element nicht, das heute und in Zukunft zum Beruf des 
Architekten gehören muss:das ist die übergeordnete Plan- 
ung zur Befriedigung der Bedürfnisse im menschlichen Zu- 
sammenleben, z.B. in sozialer, ökonomischer und verkehr- 
licher Hinsicht;einer übergeordneten Planung, die aber 
auch psychische Erfordernisse durch Einbeziehen der in 
ihrer Bedeutung für die seelische Gesundheit der Menschen 
noch nicht genügend erkannten Wirkungen der Bauwerke 
unter Einbeziehung von Natur und Landschaft, also der 
Schönheit einer ganzen Region Rechnung trägt, Dabei 
kommt dem Asthetischen starke Bedeutung zu. 
ARCH + 1(1968)H]
	        

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