Full text: ARCH+ : Studienhefte für architekturbezogene Umweltforschung und -planung (1968, Jg. 1, H. 1-4)

Für dieses Vorhaben ist ein, aus Assistenten und Studenten 
bestehendes Seminar eingerichtet, welches folgende Auf- 
gaben hat: 
IE 
Untersuchung der Grundlagen der programmierten Unter- 
weisung :Dokumentation und Analyse der vorhandenen 
Methoden, Erfahrungen und Geräte. 
2. 
Erarbeitung eines Lehrprogrammtextes aus einem einfachen 
Kapitel der Tragwerkslehre . 
Die Leistungsfähigkeit des ersten Rohprogrammes, das in der 
den nächsten Wochen fertiggestellt sein wird, soll an den 
Studenten der jüngeren Semester getestet werden. 
Zeit" sein, auf die Dauer nicht darauf verzichten können, 
sich mit diesen Methoden vertraut und für ihre Arbeit nutz- 
bar zu machen. 
Vom gleichen Referenten werden im Frühjahrs-Trimester 
(April bis Juni) Logistik und Wahrscheinlichkeitsrechnung 
behandelt. 
Bernd Wendland 
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WIRD DAS BAUEN EIN INDUSTRIEPROGRAMM ? 
Vortrag von Eckhard Schulze-Fielitz 
gehalten am 25.1.1968 vor dem 
Bund Deutscher Architekten in Essen 
MATHEMATIK UND SYSTEMANALYSE nn 
Einfachere Mathematik im Problemkreis der Okonomie 
OPTIMIERUNG 
Die Lessing-Hochschule Berlin versucht in Abendkursen 
eine Einführung in das heutige Weltbild zugeben, das Ver- 
ständnis für die Wandlungen in Natur-, Geistes- und So- 
zialwissenschaften zu fördern und die Entwicklungen auf 
den Gebieten des künstlerischen Schaffens unserer Zeit 
aufzuzeigen. Themen aus der Biologie, Physik, Mathematik, 
Soziologie, Psychotherapie, Didaktik und Kunstbetrachtung 
werden behandelt. 
Der Studienkurs über Mathematik und Systemanalyse um- 
fasste in 6 Vorträgen die folgenden Fragestellungen : 
1 
Optimierung ökonomischer und technischer Prozesse - 
elementar-mathematische Grundlagen 
2. 
Mischungs- und Produktionsprobleme, graphische Lösungs- 
verfahren 
I: 
Das Transport- Problem 
4, 
Das Zuordnungsproblem 
) 
Die allgemeine Simplex-Methode 
5. 
Optimierung und mathematisches Modell 
In gedrängter Form wurden die Probleme so dargestellt, 
dass der in diesen Gedankengängen Ungeübte Einblick in 
Arbeitsweise und Möglichkeiten dieser Methoden gewin- 
nen konnte. Der Vortragende, Dr. Oskar Bewersdorff vom 
Studienkolleg der Technischen Universität Berlin, bemühte 
sich mit Erfolg, ein anschauliches Bild von der Leistungs- 
fähigkeit der Optimierungsverfahren zu geben. Dabei wur- 
de versucht,die Lücke zwischen der normalen entsprechen- 
den Schulbildung und den Ansprüchen der auf diesem Ge- 
biet vorhandenen Lehrbücher zu schliessen. Es ist sicher, 
dass auch die Architekten, wollen sie "auf der Höhe der 
Wie sich inzwischen herumgesprochen hat, verdoppelt sich 
die Weltbevölkerung in dreissig Jahren. Indien schätzt 
seinen Wohnungsbedarf für diese Zeit auf zweihundert 
Millionen Einheiten. 
Ein technologischer Aspekt:Die Wohnungsproduktivität der 
Bundesrepublik, eines der am stärksten industrialisierten 
Länder der Welt, ist in den Nachkriegsjahren etwa 0,5 
Millionen Wohneinheiten im Jahr gewesen, das heisst mit 
den heutigen Methoden und heutiger Produktivität brauchte 
die BRD vierhundert Jahre, um den allein in Indien auf- 
tretenden Bedarf der nächsten dreissig Jahre zu decken. 
Ein finanzieller Aspekt:Ein industriell fabriziertes Auto 
kostet heute DM 5.000, --, eine handwerklich hergestell- 
te bundesdeutsche Einfamilienhütte DM 150.000, --, dass 
heisst ein Haus kostet dreissig mal so viel wie ein Auto. 
Das Auto ist ein Luxus, die Wohnung jedoch eine _Not- 
wendigkeit. Nach dem hiesigen Kostenstandard wäre der 
Wohnungsbedarf Indiens ein Markt von dreissig Billionen 
wesentlich mehr als das dreihundertfache des jährlichen 
deutschen Bundesetats, im Jahr also mehr als das zehn- 
fache des Bundesetats und eine Summe, die Indien aufzu- 
bringen ausserstande sein dürfte, 
Eine meines Erachtens nicht utopische Kostenminderung 
eines Wohnbehälters(habitainers) auf DM 15.000,-- wür- 
de den jährlichen Aufwand auf einen deutschen Bundes- 
staat reduzieren. 
Ein städtebaulicher Aspekt:Wenn man diese zweihundert 
Millionen Wohneinheiten, die Indien bauen muss, nach 
heutigen Gartenstadtidealen auf Parzellen von zwanzig 
Meter Breite anordnet, ergäben sich in einer Reihe eine 
Länge von vier Millionen Kilometern, das hundertfache 
des. Erdumfanges. Wenn man jedoch zweihundert Millionen 
Wohneinheiten nach modernen städtebaulichen Vorstellun- 
gen räumlich verdichtet,sind sie in einem Quadrat von 
einhundert Kilometer Länge unterzubringen. Das würde 
etwa der Fläche zwischen Arnheim, Münster, Siegen, 
Aachen entsprechen, 
Aus diesen Zahlenspielen ergeben sich zwei technologi- 
sche, finanzielle, moralische und humanitäre Forderungen: 
Das Bauen muss ein Industrieprogramm werden, 
Der Städtebau muss neue Konzepte finden. 
ARCH + 1(1968)H2
	        

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