Abbild. 92. Alliancewappen Schweden und Holstein-Gottorp.
II. DIE KAROLINISCHE PERIODE.
KLASSISCHE SPÄTRENAISSANCE (1650-1720)
NEBST ANHANG:
ROKOKO (1720—1760).
1. Die Zeit und die Persönlichkeiten.
urch die Theilnahme am dreifsigjährigen Kriege und den Frieden von Osnabrück und Münster 1648
hatte Schweden eine angesehene und einflussreiche Stellung in Europa gewonnen. Die schwedischen
Krieger hatten, um mit dem Dichter zu sprechen, „ihre Pferde in der Newa getränkt, sie waren
über die Weichsel geschwommen, sie hatten an der Donau auf die Gesundheit des Kaisers getrunken“.
Schweden hatte sich südlich und östlich von der Ostsee ausgedehnt und nach dem Frieden von Roeskilde
(1658) seine natürliche Grenze gegen Süden gewonnen.
Aber es war nicht allein ein Kriegerstaat; die führenden Männer des XVII. Jahrhunderts hatten einen
offenen Sinn auch für die Bedürfnisse friedlicher Kultur. Vier Universitäten, zu Upsala, Dorpat, Äbo, Lund,
die drei letzten von der damaligen schwedischen Regierung gestiftet, bildeten die Pflanzstätten dieser Kultur.
Dazu kam im XVIII. Jahrhundert Greifswald. In den bedeutenderen Städten wurden Gymnasien angelegt,
an denen unentgeltlich unterrichtet wurde, ein stolzer Grundsatz, der sich in Schweden bis auf unsere Tage
erhalten hat und der dem öffentlichen Leben neue frische Kräfte zuführte. Die Verwaltung wurde in viel
fach mustergültiger, noch den gegenwärtigen Verhältnissen zu Grunde liegender Weise geordnet. Die
schwedische Kirche erhielt durch eine Reihe kraftvoller, gröfstentheils aus den niederen Schichten hervor
gegangener Bischöfe eine feste Organisation von ausgeprägtem hierarchischem Charakter, frei von Skepsis
wie von Toleranz, auf alle Fälle aber männlich und vaterlandsliebend. Für Handel und Gewerbe wurde
nach der Sitte der Zeit durch Errichtung von Handelskompanien, durch Ertheilung von Privilegien und
Monopolen gesorgt. Dafs Heer und Flotte Gegenstand lebhafter Pflege waren, versteht sich von selbst.
Diese Bewegung wurde von einem glühenden Nationalbewufstsein getragen. Schon den älteren ein
heimischen Geschichtsschreibern war Schweden das uralte ruhmreiche Sagenland, von dem die Gothen aus
gezogen waren, um das alte Römerreich zu stürzen. Der grofse Gustav Adolf redet von dem „billigen Vor
tritt und der Präeminenz Schwedens vor allen andern Königreichen“, „sein Gesetz, seine Statuten und Sitten
sind gerecht und gut“. Diese freilich unkritische aber begeisternde und triebkräftige Auffassung steigert
sich beständig. Schwedens Geschichte, seine Sprache, seine Denkmäler und Alterthümer sind Gegenstand
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