Full text: ARCH+ : Studienhefte für architekturbezogene Umweltforschung und -planung (1968, Jg. 1, H. 1-4)

änderbares festgestellt wird, wobei das Änderbare zu Hand- 
Iungsalternativen verdichtet wird, und Phasen, in denen die 
verschiedenen Handlungsalternativen nach dem Maß ihrer 
Vorziehenswürdigkeit geordnet werden. Im Sinne der for- 
malen Entscheidungstheorie entsprechen diese Phasen der 
Feststellung der Parameter und Alternativen einer Entschei- 
dungssituation einerseits und der Auswahl der gemäß einer 
gegebenen Zielsetzung optimalen Alternative andererseits 
Aufgrund des Planungshorizontes und der Kompliziertheit 
des Planungsobjektes 1äßt sich eine Unterscheidung der 
Planung in drei Arten vornehmen, die sich in der Praxis 
als wirkungsvoll erwiesen hat : Strategieplanung (langfri- 
stige Festlegung der Aktivitäten für das gesamte soziotech- 
nische System), Strukturplanung (mittelfristige Festlegung 
der Beziehungen des Systems zu seiner Umwelt und der 
Binnenstruktur des Systems) und Komponentenplanung 
(kurzfristige Festlegung der verschiedenen Realisations- 
prozesse). 
PRAXEOLOGIE 
praxiology 
Die Praxeologie ist eine im Entstehen begriffene wissen- 
schaftliche Disziplin, die die Frage beantworten will, 
was man tun muß, um so wirksam wie möglich zu handeln 
Eine Handlung ist dann vollkommen wirksam, wenn durch 
sie das beabsichtigte Ziel erreicht wird. Sie gilt als mehr 
oder weniger wirksam, je nachdem, ob ihr Ergebnis in ge- 
ringerem oder größerem Maße vom b&absichtigten Ziel 
abweicht oder in geringerem oder größerem Maß dazu 
beigetragen hat, andere Handlungen, die zur Erlangung 
des beabsichtigten Ziels von Nutzen sind, zu ermögli- 
chen bzw. deren Ausführung erleichtern. Eine Handlung 
ist um so wirtschaftlicher, je vorteilhafter sich das Verhält- 
nis zwischen dem Erreichten und den eingesetzten Mitteln 
gestaltet. Will man wirtschaftlich vorgehen, so ist man 
entweder um höhere Produktivität oder um größere Spar- 
samkeit bemüht. 
Die Praxeologie erarbeitet Richtlinien,die für alle Ge- 
biete des menschlichen Handelns gelten, so für die Indu- 
strie, die Landwirtschaft, den Bergbau, den Handel, den 
Transport, die Viehzucht, die Forstwirtschaft, das Ge- 
sundheitswesen, die Gesetzgebung, das Gerichtswesen, 
die öffentliche Verwaltung, den Unterricht und die Er- 
ziehung, das künstlerische Schaffen, den Sport usw. 
Schon allein zwei Gründe sprechen für die Notwendig- 
keit, solch einen Komplex von Richtlinien in ihrer gan- 
zen Allgemeingültigkeit herauszuarbeiten: erstens bedeu- 
tet es eine Vereinfachung und es liegt darin ein ökono- 
misches Prinzip, wenn man all das, was sich auf alle Ge- 
biete bezieht, als Ganzes darstellt, ohne immer wieder 
die gleichen, in den einzelnen Gebieten geltenden Richt- 
linien wiederholen zu müssen, und zweitens kann man 
erst bei zureichender Allgemeinheit der benutzten Begrif- 
fe eine Richtlinie auf jene Abhängigkeit stützen, die die 
rechte Basis ihrer Bearünduna bilden. 
Als Beispiele für Richtlinien, mit denen sich die Praxeo- 
logen beschäftigen, lassen sich u.a. anführen : die soge- 
nannte reine Invigilation, d.h. das handelnde Subjekt 
überwacht lediglich den Ablauf der Ereignisse und ist da- 
bei in ständiger Bereitschaft, beim geringsten Alarmzei- 
chen einzugreifen, die sogenannte Potentialisierung, d. 
h. das Ziel wird schon dadurch erreicht, daß die Mög- 
lichkeit der Ausführung einer bestimmten Aktion evoziert 
wird, ferner die Richtlinie, daß man vor jeder Ausführung 
eines Planes, der nur durch sehr komplizierte Tätigkeiten 
realisierbar ist, überprüfen sollte, ob der entworfene Plan 
alle Bedingungen eines gut funktionierenden Plans erfüllt, 
wie Zweckmäßigkeit, Ausführbarkeit, innere Überein- 
stimmung, Operativität, Elastizität, ausreichende Berück- 
sichtigung der Einzelheiten, entsprechende Langfristig- 
keit, festgelegter Zeitbedarf, Berücksichtigung aller not- 
wendigen Parameter, Rationalität und Effektivität der für 
den Plan vorgesehenen Maßnahmen . 
Diese Beispiele zeigen, daß von der Praxeologie nicht in 
erster Linie neue Entdeckungen zu erwarten sind, sondern 
vielmehr präzisere und den wirklichen Gegebenheiten 
adäquatere Formulierungen, eine tiefergehende Begrün- 
dung sowie eine systematische logische und didaktische 
Verknüpfung jener Richtlinien, die dem Menschen bereits 
aus seiner Tätigkeit bekannt sind. Diesen Aufgaben ent- 
sprechen auch die Arbeitsmethoden der Praxeologen, die 
vor allem die existierenden Formen zur Erreichung größe- 
rer Effektivität in der angedeuteten Art und Weise unter- 
suchen. Eimen großen Teil seiner Arbeit widmet der Pra- 
xeologe der Klärung praxeologischer Begriffe, die not- 
wendig sind, um besser das Wesen des Handelns bestimmen, 
die wirklichen und möglichen Handlungsstrukturen be- 
schreiben und den Grad der Effektivität einschätzen zu 
können. Der Praxeologe arbeitet daher u.a. mit Begrif- 
fen wie Täter, Werkzeug, Mittel, Methode, Material, 
Produkt, Resultat, Ziel, Tat, Zusammenwirken, Organi- 
sation, Effektivität, Erfolg, Sparsamkeit, Genauigkeit, 
Zuverlässigkeit, Meisterschaft, Pfuscharbeit, Ausschuß 
USW. 
Praxeologische Probleme werden auch auf verschiedenen 
anderen verwandten Gebieten behandelt, so in der soge- 
nannten Arbeitswissenschaft, bei Operations Research, 
in der Entscheidungstheorie, in der Kybernetik und in der 
Systemtheorie. Am unmittelbarsten berühren die praxeolo- 
gischen Probleme die Probleme der Rationalisierung und 
Organisation. Doch werden in den entsprechenden Lehr- 
büchern Richtlinien von verschiedenem Allgemeingültig- 
keitsgrad angeführt, wobei es vor allem darum geht, Hin- 
weise zu geben, die bei der Erzeugung von Produkten der 
Wirtschaft von Nutzen sein könnten ; und bei dem Ver- 
gleich der erzielten Ergebnisse und angewandten Mittel 
werden fast immer nur jene Merkmale berücksichtigt, die 
sich in Geldwerten ausdrücken lassen. 
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ARCH + 1(1968)H1
	        

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