Full text: ARCH+ : Studienhefte für architekturbezogene Umweltforschung und -planung (1968, Jg. 1, H. 1-4)

STRUKTUR 
structure 
Beziehungsnetz zwischen den Elementen eines Systems, 
Das einfachste Beispiel für ein System wird gegeben durch 
zwei Elemente und eine Relation zwischen ihnen. In die- 
sem Fall handelt es sich um eine eindimensionale Struktur. 
Bestehen zwischen den Elementen mehr als eine Relation, 
so spricht man von mehrdimensionalen Strukturen. 
Die strukturelle Beschreibung eines Systems berücksichtigt 
nur das Gefüge der Elemente (Beispiel: Anatomie), nicht 
aber die Funktion der Elemente (Beispiel: Physiologie). 
Bei der Arbeit mit Modellen ist die Strukturanalyse von 
besonderer Bedeutung, da eine strenge Strukturisomorphie 
zwischen Modell und Realität gefordert werden muss, um 
die Gültigkeit der gewonnenen Erkenntnisse zu sichern. 
Das ist besonders zu beachten bei der Arbeit mit Entschei- 
dungsmodellen. 
Im Rahmen der Organisationskybernetik sind neben den 
Strukturen soziotechnischer Systeme besonders auch Ab- 
laufstrukturen von Bedeutung. 
Komplexe Systeme können mit Hilfe mathematischer Funk- 
tionsmodelle untersucht werden und gestatten demzufolge 
eine Anwendung der Operations Research-Methoden, die 
dagegen bei äusserst komplexen Systemen nicht mehr an- 
wendbar sind.Diese Systeme bilden nach Ashby den eigent- 
lichen Gegenstand der Kybernetik. 
Ein grosser Teil der Systeme, die Planer und Organisatoren 
zu untersuchen haben, sind äusserst komplex.Daraus resul- 
tiert die Bedeutung der Systemanalyse im Bereich der Or- 
ganisationen, die im Gegensatz zur Systemtheorie die 
Eigenschaften konkreter Systeme untersucht, Voraussetzung 
der Durchführung von Systemanalysen bei äusserst kom- 
plexen Systemen ist die Isolation kleiner übersichtlicher 
Teils ysteme ‚Dabei ist zu beachten, dass die Begrenzungen 
dieser Teilsysteme so gelegt werden, dass möglichst wenig 
und-nur schwache Verbindungslinien zum Restsystem durch- 
schnitten werden, um die Aussage fähigkeit der Systemana- 
Iysen zu gewährleisten, 
Ross Ashby, W.: An Introduction to Cybernetics. London: 
Chapman & Hall 1957. Flechtner, H.J.: Grundbegriffe der 
Kybernetik. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsges.1966. 
Beer, S.: Kybernetik und Management. Frankfurt/M. : 
Fischer 1963.Passow,C.: Einführung in die Kybernetik 
für Wirtschaft und Industrie , Quickborn: Schnelle 1966. 
SYSTEMTHEORIE 
system theory 
Lehre von den Eigenschaften von Systemen 
Entsprechend der Definition des Systems als Menge von 
untereinander verknüpften Elementen kann die System- 
theorie Eigenschaften der Elemente(z.B. die Zahl und 
Art der Verknüpfungen eines Elementes mit anderen) oder 
Eigenschaften der Verknüpfungen(z.B. Störanfälligkeit 
von Nachrichtenkanälen) untersuchen .Ein wesentliches 
Teilgebiet der Systemtheorie beschäftigt sich mit der Mes- 
sung der Komplexität von Systemen.Dieses Mass gestattet 
eine Klassifikation der Systeme nach dem Grad ihrer Kom- 
plexität.Eine Einteilung in drei Klassen stammt von Staf- 
ford Beer, obwohl er keinen direkten Bezug auf das Mass 
der Komplexität nimmt.Er unterscheidet einfache, kom- 
plexe und äusserst komplexe Systeme . Daneben beschäftigt 
sich die Systemtheorie mit der Unbestimmtheit von Syste- 
men .Dementsprechend unterscheidet sie determinierte 
Systeme, wenn die Elemente in vollständig voraussagbarer 
Weise aufeinander einwirken, und probabilistische Syste- 
me,die keine eindeutigen Voraussagen über die Wirkung 
der Elemente zulassen. Verbindet man die beiden Klassi- 
fikationen, so gelanat man zu sechs Klassen von Systemen: 
1.einfach 
determiniert 
2.komplex 
determiniert 
3.äusserst komplex 
determiniert 
4.einfach 
probabilistisch 
5.komplex 
probabilistisch 
S.äusserst 
komplex 
probabilistisch 
Schreibmaschine 
Rechenautomat 
Würfel 
Luftverkehrsnetz 
Gehirn, Betrieb 
Volkswirtschaft 
UMWELT 
environment 
Gesamtheit der Elemente ausserhalb eines Systems,die 
durch mindestens eine Beziehung mit dem System verbun- 
den sind. 
Bei den Beziehungen zwischen den Elementen der Umwelt 
und dem System kann es sich um einseitige oder um 
wechselseitige handeln. Sie sind zu unterscheiden in Be- 
ziehungen,die Auswirkungen des Systems auf seine Um- 
welt, und solche,die Einwirkungen der Umwelt auf das 
System darstellen. 
Handelt es sich um ein System mit Aussenzielen,d.h. 
eine Leistungsorganisation,so entsteht die Aufgabe,die 
Auswirkungen des Systems auf seine Umwelt so zu steuern, 
dass das Ziel bestmöglich realisiert wird. Wieweit diese 
Steuerung Gestaltung der Umwelt oder Anpassung an die 
Umwelt ist, hängt von der Verteilung der Macht ab.Die 
möglichen Einwirkungen der Umwelt auf ein System ent- 
halten eine Teilmenge,deren Elemente als Störungen be- 
zeichnet werden . Massnahmen gegen Störungen sind ent- 
weder Anpassung oder Beseitigung der Störungen durch 
Gestaltung der Umwelt. 
Bei (theoretischen) Untersuchungen der Umwelt von Syste- 
men betrachtet man im allgemeinen - bestimmt durch das 
Ziel der Untersuchung - nur ein abstraktes Abbild der 
Umwelt, da die Komplexität der Umwelt meist so gross ist, 
dass sie eine vollständige Erfassung unmöglich macht. So 
ist z.B. der in wirtschaftswissenschaftlichen Theorien 
verwendete Begriff "Markt" nur ein sehr abstraktes Ab- 
bild der realen Umwelt der Wirtschaftssubjekte Diese 
reale Umwelt ist jedoch mit dem System nicht durch öko- 
nomische, sondern z.B. auch durch juristische,gesellschaft- 
liche und geographische Beziehungen verbunden.Bei der 
Konstruktion des abstrakten Abbildes der Umwelt muss 
besonders darauf geachtet werden, dass nicht die Bezieh- 
ungen zwischen dem System und seiner Umwelt vernach- 
lässigt werden, die für die betreffende Untersuchung von 
wesentlicher Bedeutung sind. 
ARCH + 1(1968)H1
	        

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