Full text: ARCH+ : Studienhefte für architekturbezogene Umweltforschung und -planung (1969, Jg. 2, H. 5-8)

Die Ist-Untersuchung ist Teil eines weiteren Arbeits- 
programmes und hatte zur Aufgabe, auf der Grundlage 
eines umfassenden Ist-Kataloges der Lehrstoffe durch 
Vereinigungen und Superierungen einen für die mensch 
liche Weiterverarbeitung praktikablen reduzierten Ist- 
Katalog aufzustellen. 
Es wurden 71 Lehrende befragt, die Stoffe, die sie leh- 
ren, als in maximal 15 Lehrstoffen zusammengefaßt an- 
zugeben. Das Ergebnis waren rund 900 Lehrstoffe. 
In der 1. Reduktion wurden alle gleichen oder sich le- 
diglich durch unterschiedliche Bezeichnungen unterschei- 
dende Stoffe vereinigt und einheitlich bezeichnet. Außer- 
dem wurden in der Regel speziellere Stoffe allgemeine- 
ren untergeordnet. In einigen Fällen wurden sehr ähn- 
liche Stoffe zusammengefaßt und neu bezeichnet. Das 
Ergebnis dieser Reduktion waren 97 Lehrstoffe. Die Zu- 
ordnungen wurden in einer Gruppe (K. Alsleben, G. Flur 
schütz, S. Roeder, H. Weckerle) durch Normierung ge- 
troffen. 
In der 2. Reduktion wurden Aufschlüsselungen nach spe- 
ziellen künstlerischen Berufen ausgeschlossen. Ein- 
schließlich einiger Korrekturen der 1. Reduktion war 
das Ergebnis: 46 Lehrstoffe. 
Die 3. Reduktion ist nicht mehr allgemein, sondern von 
der Absicht abhängig. Unsere Frage nach der Geeignet- 
heit der Lehrstoffe für den programmierten Unterricht 
legt nahe, alle vorrangig verbal orientierten Lehrstoffe 
von den vorrangig sinnlich orientierten zu trennen, denn 
eigentlich nur bei diesen letzteren könnten nach den be- 
stehenden Erfahrungen entscheidende neue Probleme 
auftreten. Zusätzlich sei die Menge der Lehrstoffe ge- 
bildet, die komplette Berufspraxen simulieren. Ich ha- 
be die 46 Lehrstoffe in diesem Sinne nochmals durchge- 
arbeitet mit dem übersichtlichen Ergebnis einer Anzahl 
von 15 Lehrstoffmengen. Diese sind in der Tafel darge- 
stellt. 
Antwort auf die 2. Frage: 
Der programmierte Unterricht bietet das allgemein öko- 
nomischste Verfahren für Lehrveranstaltungen, das wir 
zur Zeit kennen. Es kann der Lerner selbständig nach 
seiner Intention Lernstoffwahl und Zeiteinteilung be- 
stimmen. Man könnte sich denken, daß Lerner einzeln 
oder in Gruppen mit bekannten oder gänzlich neuen Lern- 
mitteln, die nach den hier entstehenden Bedarfen erst 
noch zu entwickeln sind, in Experimentier- oder Club- 
räumen Programme durcharbeiten. Dabei schließt der 
programmierte Unterricht nicht aus, daß Lehrende im 
Programm mitwirken. Für den programmierten Unter: 
richt ungeeignete besonders komplizierte, komplexe 
oder totale oder unbefriedigend beherrschte Stoffe wür- 
den zum Beispiel von Dozenten-Teams trainiert oder 
dargestellt. In diesem Zusammenhang sei auch auf den 
schülerkontrollierten Unterricht hingewiesen, ein Ver- 
fahren, bei dem nur der Lerner den Lehrweg bestimmt. 
Auch das Lernen selbst wäre als Lernstoff zu etablieren. 
Mit den Lehrstoffen der Kunstakademien bieten sich fol- 
gende Probleme dar: 
1) Die Lehrstoffe einer Kunstakademie sind untereinan 
der stark verfilzt. Es ist nur schwer möglich, bis 
auf Ausnahmen, sie einigermaßen klar realitätsge- 
recht und didaktisch richtig herauszugrenzen. Dieser 
Umstand wird plausibel, wenn man bedenkt, daß 
künstlerisches Handeln häufig intuitiv verläuft. In 
der Ist-Untersuchung war es einigen Dozenten unmög- 
lich, die gewünschte Auskunft zu geben. 
) Bildet schon das Abgrenzen der Lehrstoffe eine 
Schwierigkeit, so erst recht der Stand ihrer rationa 
len Durchdringung, der häufig niedrig ist, und sich 
auffällige in der wirren Fachterminologie ausdrückt. 
3) Aus eins und zwei muß man folgern, daß es bei vielen 
Lernstoffen allein schon eine sehr umfangreiche Auf- 
gabe sein wird, für ein Programmieren die Basal- 
texte zu schaffen. (Den Begriff Basaltext kann man in 
übertragenem Sinne auch für sinnlich orientierte Lern- 
stoffe benutzen.) Nur solche Lernstoffe sind für ein 
Programmieren geeignet, die befriedigend beherrscht 
werden. 
1) Es bestehen kaum Erfahrungen über das Program- 
mieren von piktisch formulierten Lehrstoffen des 
Schwierigkeitsgrades, der Kunstakademien entspricht 
Alle verbal orientierten Lehrstoffe der Kunstakademien 
sind prinzipiell, soweit es übersehbar ist, für den pro- 
grammierten Unterricht geeignet. Für die sinnlich orien- 
tierten Lehrstoffmengen sind wir in dieser Hinsicht auf 
Schätzungen angewiesen. Ich schätze im einzelnen 
(vgl. Tafel): 
1) Sensibilitätstrainings dürften vollständig program. 
miert werden können, wobei natürlich vorrangig 
nicht mit Zeichen zu arbeiten wäre, "sondern mit 
Sensualen oder Präsentaten. 
2) Beim Erlebnistraining kann ein Lehrender zum Moti- 
vieren oder Begeistern sehr förderlich sein, zumal 
wir internes Verhalten nur ungenau bezeichnen. Aber 
die Hauptschwierigkeit dürfte doch darin liegen, daß 
die notwendigen Forschungsarbeiten, die einem Pro- 
grammieren vorausgehen müßten, so umfangreich 
sind, daß für diese Stoffe vorerst nur mit Program- 
mierexnerimenten zu rechnen sein wird. 
3) Beobachtungs- und Bewußtseinstrainings werden pro- 
grammiert werden können. 
+) Für Soziotrainings ist in der Regel Gruppenarbeit 
notwendig. In welchem Maße ein Mitwirken von Leh- 
renden in Programmen förderlich ist, wird im ein- 
zelnen unterschiedlich sein. Wenn ich richtig infor- 
miert bin, werden diese LeheÄstoffe noch nicht gut 
beherrscht. 
5) Für Trainings fabrikativer Geschicklichkeiten dürfte 
die stellenweise Anleitung durch Lehrende förderlich 
sein, was aber im Rahmen von Lehrprogrammen ge- 
schehen kann. 
6) Planungs- und Generierungstraining wird sich vor 
allem auf hohen Komplexitäts-, Kompliziertheits- 
und Totalitätsstufen, unter anderem wegen des gros- 
sen Aufwandes der Wirkungskontrollen zur Zeit nicht 
vollständig programmierbar sein. Die Stoffe werden 
auch noch nicht gut beherrscht. Eines der großen 
ARCH+2 (1969) H. 6
	        

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