Full text: ARCH+ : Studienhefte für architekturbezogene Umweltforschung und -planung (1969, Jg. 2, H. 5-8)

ZUSCHRIFTEN 
Zu: ARCH+ 1 (1968) H.3, S.43 ff 
ARCH+ 1 (1968) H.4, S.45 ff 
ARCH+ 2 (1968) H.5. S.54 ff 
Hans-Jürgen Frank und Roland Wick haben in einem ver- 
dienstvollen Beitrag über die städtebauliche Nachausbil- 
dung unter anderem auch auf das englische System Bezug 
genommen. Es scheint mir jedoch, daß sie auf die Ur- 
sachen und die Implikationen des Gegensatzes Planer- 
grundstudium - Nachstudium (undergraduate versus post- 
graduate course) - nicht in hinlänglicher Weise einge- 
gangen sind. Unter anderem ist aber die Kenntnis dieses 
Gegensatzes und seiner Hintergründe notwendig, um 
die rigide Trennung zwischen Planung und Architektur, 
die die beiden Autoren zu beklagen scheinen, richtig 
beurteilen zu können. Es sei mir daher als jemandem, 
der selber in einem englischen "undergraduate course" 
unterrichtet, gestattet, einen entsprechenden Kommen- 
tar abzugeben: 
Es ist nur mehr beschränkt zutreffend, daß der Schwer- 
punkt auf "postgraduate"-Lehrgängen liegt. Dies stimmt 
zumindest seit dem Zeitpunkt nicht mehr, da Professor 
Kantorowich seinen im oben angeführten Artikel zitier- 
ten Vortrag vor dem "Town Planning Institute" hielt. 
Heute wird von der englischen Berufsorganisation der 
Planer die Einrichtung von "undergraduate'"-Studien an 
Universitäten und "Technical Colleges" nachdrücklich 
gefördert, und es bestehen derzeit nicht weniger als 
elf solcher Lehrgänge. Die Möglichkeit, solche Voll- 
studien auszuarbeiten, wird als Test für den Anspruch der 
Planung auf Anerkennung als selbständige Disziplin an- 
gesehen. 
Warum war diese Änderung eingetreten? Vorher hatten 
Architekten, Vermessungs- und Versorgungsingenieure 
Planung als Ergänzungsgebiet ihres beruflichen Tätigkeits- 
feldes angesehen. Dementsprechend waren die Mitglieder 
des "Town Planning Institute" mit Doppelqualifikationen 
in der Überzahl. Unter diesen taten sich Ende der Fünf- 
ziger- und Anfang der Sechzigerjahre die Architekten 
mit der Forderung hervor, daß dem doppelqualifizierten 
Architekten und Planer ein besonderer Platz im Planungs- 
prozeß eingeräumt bzw. ihm bestimmte Posten vorbe- 
halten bleiben müßten. Noch offensichtlicher war, was 
später als "take-over bid" von seiten der Architekten 
angesehen wurde: Doppelqualifizierte Mitglieder des 
"Town Planning Institute" in leitender Stellung verlang- 
ten, daß die Mitgliedschaft in diesem, das heißt aber 
praktisch die Befugnis zum Stadtplaner, den sogenannten 
"contributors" zum Planungsprozeß offenstehen bzw. 
der Eintritt wesentlich erleichtert werden sollte. 
Dieses Ansinnen wurde von einer außerordentlichen Ge- 
neralversammlung zurückgewiesen. Wie heute bekannt 
ist, handelte es sich hier um eine Revolte jener "direct- 
entry"-Planer, deren ausschließliche Qualifikation eben 
Planung war, und die daher ein ganz primäres und unter 
anderem auch wirtschaftliches Interesse an Planung als 
einem selbständigen Gegenstand hatten. Es stellte sich 
heraus, daß inzwischen zahlreiche Absolventen anderer 
Studienrichtungen, vor allem Geographen, im Wege 
von "postgraduate'" - Lehrgängen die Mitgliedschaft im 
Institut erworben hatten, die sich nun gegen das Ein- 
dringen der Architekten wehrten- 
Das Ergebnis des Konfliktes war die Betonung des soge- 
nannten "generalist" - Konzeptes von der beruflichen 
Rolle des Planers, ein neues Schema für die externe 
Schlußprüfung des Instituts, die diesem Konzept ent- 
sprach, und die Befürwortung von Grundstudien für 
Planer. Es ist, so meine ich, aus dem oben gesagten 
ersichtlich, daß diese Entwicklung ohne die notwendige 
Durchleuchtung des berufssoziologischen Hintergrundes 
nicht ohne weiteres verständlich wäre 
Dipl.-Ing. Dr. techn. Andreas Faludi 
ARCH +2 (1969) H. 6
	        

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