Full text: ARCH+ : Studienhefte für architekturbezogene Umweltforschung und -planung (1969, Jg. 2, H. 5-8)

ANKÜNDIGUNG 
Diese Auseinandersetzung zwischen verschiedenen 
Gruppen erfordert, daß kontroverse Standpunkte klar 
dargestellt und der allgemeinen Diskussion ausge- 
setzt werden. So geförderte differenzierte Meinungs- 
bildung, Eigenmotivation und individuelles Informations 
bedürfnis sind die Grundlage, auf der die Selbstorga- 
nisation des Studiums vorgenommen und ständig kri- 
tisiert werden kann. 
Sie kollidiert mit den oben beschriebenen, durch 
Fremdhestimmung gesetzten Grenzen von '"Freiräu- 
men'', in denen Spontanität zu diszipliniertem Wohl- 
verhalten pervertiert wird. 
Mit dem hier angekündigten Unternehmen sollen, 
zunächst im Bereich der Uni Stuttgart, Ansätze 
der Selbstorganisation aufgegriffen, verknüpft, in 
den bestehenden Institutionen nach Anknüpfungs- 
punkten gesucht und dazu Anregungen aufgenom- 
men werden. 
ARCHE 
Papiere zur Studienplanung 
In der Diskussion zur Hochschulreform an der Stutt- 
garter Architekturabteilung entstand bei der Kritik 
an den Zuständen in der Lehre die Forderung nach in- 
dividueller Motivation der Studientätigkeiten. 
Die bestehenden Institutionen mit der etablierten 
Macht- und Rollenverteilung in der Lehre und den Ver- 
waltungsapparaten, die diese Verhältnisse stabilisie- 
ren, sorgen in vielfältiger Weise für mißproportio- 
nierte Entscheidungsbefugnis der beteiligten Gruppen. 
Beim Aushandeln neuer Studienpläne dienten Reform- 
versuche der vergangenen Jahre, deren Scheitern 
schon in ihrer Halbherzigkeit angelegt war, als Alibi 
für rigide Verwaltungsmaßnahmen der Kultusbürokra- 
tie. Schon die Drohung mit solchen Maßnahmen führt 
dazu, daß die Hochschulbürokratie versucht, mit ei- 
genen Studienplänen Wohlverhalten zu zeigen und einem 
Diktat zuvorzukommen, um die zur Farce gewordene 
Autonomie der Hochschule zu sichern. 
Mitglieder der Hochschule, vor allem Studenten, auf 
deren Rücken die Strukturkrise der Universität vor 
wiegend ausgetragen wird, leiten aus ihrer Analyse 
der gegenwärtigen Situation die Notwendigkeit von 
Selbstorganisation des Studiums ab. Sie meinen, daß 
dies die Explikation latenter Konflikte unter allen be- 
teiligten Gruppen einschließt, die durch den Versuch 
der Verwaltung behindert wird, Kompromisse zwischen 
Plänen auszuhandeln, die allesamt darin der traditio- 
nellen Studienorganisation gleichen, daß sie Inhalt, 
zeitlichen Ablauf und Form des Studiums im vorab de- 
terminieren. 
Die dafür nötigen Informationen sollen durch eine 
wirksame Art der Verteilung jedem zugänglich ge- 
macht werden. Sie betreffen vorläufig neue For- 
men und Inhalte des Studiums, abgeschlossene und 
entstehende Projekte, laufende Arbeiten, For- 
schung und aktuelle hochschulnolitische Ereignisse 
Für Diskussion und Informationsverteilung genügt ein 
rein publizistisches Organ in Form der angekündigten 
Blätter nicht: Es kann nur dazu beitragen, den Prozeß 
der Selbstorganisation immer wieder in Gang zu setzen 
Zustandekommen, Erscheinungsmodus, Verteilung und 
Finanzierung der Papiere sollten deshalb darauf ange- 
legt sein, daß die unterschiedlichen Rollen von Infor- 
mations-Produzent und -Konsument abgebaut werden. 
Das bedeutet, daß der Umfang und die Erscheinungs- 
fristen von jeweils vorhandenen Informationsbedürf- 
nis und der Aktualität hochschulpolitischer Ereignisse 
abhängen. 
Die Verteilung sollte im direkten Kontakt derjeniger 
stattfinden, die an Aufbau und Herstellung in irgend- 
einer Form beteiligt sind. Die ARCH + Papiere können 
zwar von Leuten konsumiert werden, die von ihrem 
Interesse nicht zur Mitarbeit motiviert sind, die Kon- 
sumenten sollten dafür aber nicht auch noch bezahlen 
müssen. Es sind Verhandlungen im Gang, die den 
Zweck verfolgen, daß die Finanzierung von publika- 
tionswilligen Stellen geleistet wird. die dazu in der 
Lage sind. 
Wir haben die Absicht, zu Beginn des Wintersemesters 
69/70 mit den ersten Arch+ Papieren in die Diskussio- 
nen um die '"'Studienplanung'' einzusteigen: Wir werden 
die als offizielle Entwürfe vorliegenden Studienpläne 
der Fachbereiche und der Studienkommission an der 
Architekturabteilung zusammen mit Absichtserklärun- 
gen ihrer Verfasser analvsieren und veröffentlichen. 
Brandt, Feldtkeller, Keil, Melville K-G 
ARCH+ 2 (1969) H.7
	        

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