Full text: ARCH+ : Studienhefte für architekturbezogene Umweltforschung und -planung (1969, Jg. 2, H. 5-8)

1. Bedarf und Mangel an Prognosen auf allen Gebieten 
der Planung 
Entwicklung von Methoden der Bedarfsermittlung 
Förderung prognostischer Wissenschaftszweige 
Interdisziplinäre Arbeit auf dem Gebiet der Futuro- 
logie 
2. Hohe Mobilität von Menschen und Material, schnel- 
ler Zugriff zu Informationen 
Tendenzen zur Konzentration von Wohnen, Tagesbedarf 
und Arbeitsstätten 
Reduzierung von Pendlerbewegungen einerseits 
Steigerung der Freizeitmobilität durch individuelle 
Verkehrsmittel andererseits 
3. Rationalisierungstendenzen 
Einführung des Leistungsprinzips auf neuen Gebieten 
Kostenoptimierung von Arbeits- und Planungsprozessen 
4. Gesellschaftliche Veränderungen 
Erhöhung des Lebensstandards 
Sozialpsychologische Konsequenzen der Anonymität 
Bewußtseinserweiterungen unterprivilegierter Fehl- 
planungen aus politischen Gründen und Informations- 
mangel 
Die Motive der Flexibilitätsdiskussion unter spekulativen 
Aspekten: 
1. Kostenreduzierung 
2. Befriedigung politischer Forderungen 
3. Ausschaltung von Störungen 
4. Lustgewinn 
Grenzfälle der Flexibilität, die in ihrer Auswirkung auf 
alle betroffenen Systemelemente eines Ausbildungs/ 
Erziehungs/Bildungs/Kommunikationssystems untersucht 
werden sollen: 
Totale Mobilität des Benutzers 
Totale Anpassungsfähigkeit von Bauten an geänderte 
Funktionen 
Totale Anpassungsfähigkeit von Arbeitsprogrammen und 
Zeitplänen an neue Zielwerte 
Totale Erschließung aller Flächen und Ebenen eines 
Raumsystems durch Transportmittel mit minimaler Ver- 
kehrsdauer 
Totale Präsenz oder sofortige Abrufbarkeit von Informa- 
tionen 
Il. Darstellung einiger durch Kombination auftretender 
Wechselbeziehungen unter dem Gesichtspunkt der tota- 
len Flexibilität für je eines der Systemelemente (s.1.) 
1. Total flexibel: der Benutzer 
1.2 Der gesamte Umweltbereich (z.B. Stadt) als ” Raum’ 
für Lernen, Information einbeziehbar. Lernen auf diese 
Weise angereichert durch den Wert des Erlebnisses. 
Räumlich zu konzipieren wäre evtl. eine Zentrale - im 
Hauptaktionsfeld beispielsweise einer Stadt: 
Dokumentations-, Informationszentrale 
Verwaltung, Organisation 
(Ver)Arbeit (ung)s-Räume 
Räume sozialen Charakters (Fürsorge, Beratung, Alten- 
räume) 
Öffentliche Räume (Ausstellung, Theater, Kino, Büche- 
rei, Cafe) 
1.3 Ist der gesamte Umweltbereich als ” Schule” aufge- 
faßt, erfolgt eine derartige Verflechtung von Lernfunk- 
tionen und den Funktionen täglichen Lebens (z.B. 
Arbeitsstätte - Schule), daß dem Lernen zeitlich eigent- 
lich keine Grenzen gesetzt zu werden braucht. (Wesent- 
lich, da eine ständige Wissensaufbereitung sowieso uner- 
läßlich ist, ) Aufgabe der Organisation wäreesz.B., 
für einen Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage zu 
sorgen, d.h. ein ständig sich zeitgemäß änderndes Pro- 
gramm aufzustellen. 
Ein festes (Stundenplan-)Pro gramm sollte evtl. nur für 
eine Aufbaustufe gegeben werden: 
Startgleichheit, sozialer Ausgleich 
Umreißen der wesentlichen Wissensgebiete 
Einführung in Lernmethodiken etc. 
Außerdem sollten Programme für einzelne Arbeitsgebiete 
vorhanden sein, die ein stufenweise geordnetes Erlernen 
des jeweiligen Stoffes ermöglichen. 
2. Total flexibel: der Raum, die Umgebung 
2.3 Bei total flexiblem Raum ist der Organisation bezüg- 
lich der räumlichen Nutzung keine Grenze gesetzt. Es 
können also Programme für jegliche Art der Nutzung und 
Gruppierung ausgeschrieben werden, wobei ein hohes 
Maß an Ausnutzung möglich ist. 
2.4 Der in sich flexible, jedoch ortsgebundene Raum ist 
auf öffentliche bzw. spezifische Transportmittel ange- 
wiesen, um ein dem Programm entsprechendes Einzugs- 
gebiet zu haben. Ist der flexible Raum nicht als örtlich 
gebunden aufzufassen, so könnte er z.B. selbst Trans- 
portmittel sein: 
Schule in Bus, Bahn oder anderen beweglichen "Räumen" 
- d.h. er wäre auf normale öffentliche Verkehrsmittel 
nicht angewiesen. 
3. Total flexibel: die Organisation 
3.5 Einer total flexiblen Organisation müßten zur Auf- 
nahme (Dokumentation) und Abgabe von Lehrmaterial 
jederzeit programmierbare Medien zur Verfügung stehen 
- um in relativ kurzer Zeit eine optimale Streuung an 
Information geben zu können. Empfangsstellen müßten 
ständig in Aktion und netzartig über das Einzugsgebiet 
verteilt sein. 
4. Total flexibel: das Transportmittel 
4.1 Durch ein total flexibles Transportmittel steht dem 
Benutzer die Möglichkeit offen, jedes Aktionsfeld 
(Informationsfeld) jederzeit aufzunehmen: Lernen ist 
nicht mehr ein zeitlich und räumlich festumrissener Vor- 
gang; man kann jeweilige Wissensgebiete an einem da- 
für idealen Ort ’studieren” - je nach Bedarf, Gegeben- 
heit, Aktualität. 
4.2 Schule nicht mehr örtlich fixiert - 
evtl. "Bahnhof" im Kreuzungspunkt sämtlicher zur Ver- 
fügung stehender Transportmittel - als Informations- und 
Organisationszentrale. Schule nicht nur dort, wo gerade 
das Aktionsfeld für jeweilige Aktualitäten. Auch das 
Transportmittel selbst kann Schule sein: große Streuung 
des Wissensgutes, ‘auch in räumlich und umweltbedingt 
benachteiligten Gebieten (keine Beschränkung auf 
irgendeinen Einzugsbereich). 
5. Total flexibel: das Medium 
5.1 Für den Benutzer wäre jede Information ihrem Bereich 
zugeordnet jederzeit erfaßbar - jedem jedes Medium 
überall verfügbar. Demnach ist er nicht gezwungen, 
sich aus seiner Umwelt zu lösen, um zu lernen: der Kon- 
takt zur Umwelt wird nicht gefördert, 
Diskussionsmöglichkeiten sind eingeschränkt, 
zwischenmenschliche Beziehungen auf Zufälligkeiten 
reduziert. 
ARCH+ 2 (1969) H.7
	        

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