Full text: ARCH+ : Studienhefte für architekturbezogene Umweltforschung und -planung (1969, Jg. 2, H. 5-8)

PORTRAIT 6 
INSTITUT FÜR KYBERNETIK, PH BERLIN 
Die Besetzung des Lehrstuhls für Kybernetik (damals 
noch Lehrstuhl für Informationswissenschaft) an der 
Pädagogischen Hochschule Berlin durch Professor Dr. 
Helmar Frank erfolgte am 1. Oktober 1963. Die Grün- 
dung des Instituts für Kybernetik wurde vom Senator für 
Wissenschaft und Kunst am 28. August 1964 genehmigt 
Die Pädagogische Hochschule Berlin nahm damit als 
erste Hochschule des deutschen Sprachgebiets die ky- 
bernetische Pädagogik offiziell unter ihre Lehrgebiete 
auf. 
Die Kybernetik nimmt eine wissenschaftstheoretische 
Position zwischen den Naturwissenschaften einerseits 
und den Geisteswissenschaften andererseits ein. Mit 
den Geisteswissenschaften verbindet sie der informa- 
tionelle Charakter ihres Gegenstandes, mit den Natur- 
wissenschaften die cartesische Methode und die Kalkü- 
‘\isierung, welche Kalküle als Basis zuverlässiger und 
reproduzierbarer Objektivationen erstrebt. Ziel der Ky 
bernetik ist - kurz formuliert - die Objektivation geisti- 
ger Arbeit. 
Entsprechend ist es ein wesentliches Ziel der kyberne- 
tischen Pädagogik, gewisse geistige Leistungen des Pä 
dagogen zu objektivieren, d.h. an dafür speziell ent- 
wickelte kybernetische Maschinen zu delegieren. 
Die kybernetische Pädagogik ist nicht mit der Program- 
mierten Instruktion gleichzusetzen, da letztere in den 
USA unabhängig von der Kybernetik auf behavioristi- 
scher Basis entstand und inzwischen von verschiedenen 
psychologischen Richtungen auch ohne kybernetischen 
Bezug adaptiert wurde. 
Als Hauptbereich der kybernetischen Pädagogik können 
angesehen werden (siehe dazu auch das am Institut 
herausgegebene Lexikon der kybernetischen Pädagogik 
und der Programmierten Instruktion, das unter wesent 
licher Beteiligung von Mitarbeitern des Instituts für 
Kybernetik entstand): 
1) Die Anwendung kybernetischer Maße und Theoreme 
zur quantitativen Beschreibung und modellmäßigen 
Erfassung von Lernprozessen, also die Informations- 
psychologie, 
2) die Theorie und Technik der Lehrautomaten, 
3) die systematische Ermittlung von Lehralgorithmen 
bei gegebenen didaktischen Variablen (Lehrstoff, 
Lehrziel, Lehrmedium, Psychostruktur und sozio- 
kulturelle Einflüsse), 
it) die kybernetische Betrachtung des gesamten Ausbil- 
dungswesens der Gesellschaft einschließlich der da- 
zu notwendigen Forschung unter dem Aspekt des 
Nachrichtenumsatzes, durch den sich die Gesellschaft 
an die ihr gestellten Bedingungen adaptiert. 
Die Verschmelzung der kybernetischen Pädagogik mit 
der Programmierten Instruktion erfolgt inzwischen 
1) durch den Versuch einer informationspsychologischen 
Fundierung von Lehrprogrammtexten und Lehrma- 
schinenprogrammen, 
2) durch eine an der Theorie abstrakter Automaten ori- 
entierten Makrostrukturtheorie von Lehralgorithmen 
und der Konstruktion entsprechender Lehrautomaten. 
3) durch die Programmierung von Digitalrechnern als 
Lehrautomaten, 
4) durch die Entwicklung formaler Didaktiken, also 
Rechnerprogrammen zur automatischen Erzeugung 
von Lehrprogrammen. 
Jedoch ist die kybernetische Pädagogik nur einer von 
mehreren Ansätzen zur Programmierten Instruktion - 
neben dem behavioristischen Ansatz und den in der klas- 
sischen Pädagogik wurzelnden Ansätzen. 
Die Forschung des Instituts erfolgt in enger Zusammen- 
arbeit mit dem Lehrstuhl für Didaktik der Naturwissen- 
schaften an der PH Osnabrück (Prof. Dr. Klaus Weltner). 
Wi ssenschaftliche Beziehungen bestehen ferner mit dem 
Lehrstuhl für kybernetische Pädagogik der Universität 
Prag (Prof. Dr. M. Lansky). Mit verschiedenen anderen 
in- und ausländischen Forschungsstätten der kyberne- 
ARCH +2 (1969) H. 6
	        

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