Full text: ARCH+ : Studienhefte für architekturbezogene Umweltforschung und -planung (1970, Jg. 3, H. 9-11)

und Praxis wird an die Stelle eines einmaligen Stu- 
diums zur Berufsqualifikation eine Kette von verschie- 
denen Studienabschnitten mit einer Vielzahl von sich 
ergänzenden Abschlußqualifikationen treten. 
Da jedoch zur Zeit noch in manchen Bereichen der 
Berufspraxis der Diplomgrad als unerlässliche Formal- 
qualifikation angesehen wird, soll zunächst der Kom- 
plex der Diplomprüfung den veränderten Bedingungen 
und neuen Erkenntnissen angepasst werden. Aus der 
hier vorgeschlagenen Diplomprüfungsordnung wird sich 
leicht die Überleitung in ein System kumulativer 
Qualifikationen vornehmen lassen. 
Der nachfolgende Kommentar soll zu den Bestimmungen 
der Prüfungsordnung provisorische Handlungsanweisungen 
liefern, die nicht durch das Genehmigungsverfahren 
fixiert werden sollten, da sie in der Praxis erprobt und 
verändert werden müssen. 
Er enthält die Begründungen und Zielsetzungen der 
einzelnen Bestimmungen nach dem derzeitigen Stand 
der Diskussion, um mögliche Mißdeutungen zu ver- 
meiden und das Verständnis zu erleichtern. 
Zur besseren Handhabung wird in der Reihenfolge der 
Prüfungsordnung auf die einzelnen Bestimmungen Bezug 
genommen. 
Zu FA 
Siehe hierzu die Ausführungen der Vorbemerkungen 
über die Frage weiterer Qualifikationsmöglichkeiten. 
Zu V.2, 1. Abs: 
Die neue Diplomprüfungsordnung geht davon aus, daß 
die Orientierung des Studiums an einem einheitlichen 
Berufsbild "des Architekten" nicht mehr den Realitäten 
in der Berufspraxis entspricht. Das Studium muß sich 
vielmehr an sehr vielfältigen Kombinationen von 
Tätigkeiten, bezogen auf unterschiedliche, sich häufig 
verändernde Aufgabenbereiche, orientieren. Das ist 
nur zu leisten, wenn der Student die kritische Über- 
prüfung seiner eigenen Studienziele und der landläufigen 
Berufspraxis in sein Studium einbezieht. Die Fähigkeit 
zu selbständig-kritischem Verhalten kann nur erworben 
werden, wenn sie bereits während des Studiums 
praktiziert wird. 
Zu -1.:2,. 1. Abs, 
Das Diplomzeugnis soll besser als die bisherigen 
Formal-Zeugnisse den Lernprozess des Absolventen ab- 
bilden und Auskunft über die Inhalte der einzelnen 
Lernschritte geben (welche Aufgaben wurden in wel- 
cher Weise gelöst). 
Damit erhalten seine künftigen Partner zuverlässigere 
Informationen über seinen erreichten Leistungsstand. 
Zu 1.3 
Ein Vordiplom als Voraussetzung zum Diplom ist nicht 
mehr vorgesehen, nachdem es sich erwiesen hat, daß 
der zusammenhanglose Erwerb von sogenanntem Grund- 
lagenwissen "auf Vorrat" lernpsychologisch wenig 
effektiv ist. Stattdessen soll der Erwerb von Elementar- 
kenntnissen in Zusammenhang mit ihrer Anwendung ge- 
bracht werden. Sie werden also jeweils in Verbindung 
mit der Bearbeitung von Projekten erworben. Projekt- 
arbeit ist die zentrale Arbeitsform während des ganzen 
Studiums. 
Das Lehrangebot wird so organisiert, daß es die 
Projektarbeit ergänzt und unterstützt, 
Zu 1.31 
Das persönliche Studienprogramm ersetzt den obligato- 
rischen Studiengang, der eine persönlichkeitsgerechte 
Differenzierung nicht zuläßt (s. auch 3). 
Zu 1.32 
Die Beratergruppe (s. ausführlich unter 4), die als 
Organ der Studienkommission arbeitet, erklärt durch 
ihre Bestätigung, daß sie das vom Studenten gewählte 
und in gemeinsamer Beratung weiterentwickelte und 
zum Abschluß gebrachte Studienprogramm als Ganzes 
gutheißt, daß die vorgesehenen Einzelarbeiten durch 
die vorgelegten Leistungsbeschreibungen nachgewiesen 
sind und daß der damit erreichte Leistungsstand dem 
eines Diplomingenieurs entspricht. 
Um gleiche Anforderungen und äquivalente Leistungen 
zu garantieren, findet auf Vermittlung des Informa- 
tionszentrums eine regelmäßige Koordination zwischen 
den Beratergruppen statt. Die Ergebnisse werden durch 
das Infozentrum jedermann zugänglich gemacht, so daß 
für den einzelnen Studenten und Berater genügend 
Orientierungshilfen für die Formulierung der Programme 
zur Verfügung stehen. 
Ausserdem informieren die Fachbereiche über die von 
ihnen vertretenen Sachgebiete und stellen damit zu- 
sätzliche Entscheidungshilfen zur Verfügung (s. 3.3). 
Zu 1.4 
Der Abschluß des Studiums ergibt sich aus der Tatsache, 
daß der Student die in seinem Studienprogramm vorge- 
sehenen Studienarbeiten im wesentlichen abgeschlossen 
und damit die formulierten Lernziele erreicht hat. 
Im allgemeinen wird er die letzte Projektarbeit zur 
Abschlußarbeit erklären und sich bereits an ihrem 
Beginn die Referenten wählen. Sollte es sich jedoch 
erweisen, daß der Schwerpunkt im Hinblick auf seine 
aktuellen Studienziele auf einer früheren Arbeit liegt, 
so kann er diese Arbeit als Abschlußarbeit vorlegen. 
Dabei wird er zweckmäßigerweise den oder die frühe- 
ren «Betreuer der Arbeit zu Referenten wählen. Sind 
diese nicht mehr für eine erneute öffentliche Dis- 
kussion der Arbeit verfügbar, so wählt er neue Refe- 
renten (einen neuen Referenten), mit denen (dem) er 
die Arbeit erneut ausführlich unter Verwendung der 
ursprünglichen Leistungsbeschreibung durcharbeitet und 
dem veränderten Stand seines Studiums anpasst. Die 
vorzulegende Leistungsbeschreibung muß dem Umstand 
Rechnung tragen, daß es sich um einen Schwerpunkt 
seines Studiums handelt. 
Eine generelle zeitliche Begrenzung des Studiums ist 
nicht vorgesehen, da sich der Zeitaufwand von den 
Inhalten des jeweiligen Studienprogramms her be- 
stimmt, in dem auch ein Zeitplan enthalten ist. 
(Das Verfahren entspricht hier den bei der Deutschen 
Studienstiftung angewandten Verfahren.) (s. auch 2.3) 
Zu.1.5 
Angesichts der zunehmenden Differenzierung der Ar- 
beitsinhalte ist eine ständige Prüfungskommission in 
der Lage, einzelne Studienarbeiten inhaltlich zu be- 
urteilen. Die Beurteilung soll deshalb von den Be- 
treuern der jeweiligen Arbeiten vorgenommen werden, 
weil sie abhängig ist von detailierter inhaltlicher 
Kenntnis der Arbeit (s. auch 2.1). 
Die Prüfungskommission überwacht also die formelle 
ARCH+3 (1970) H. 10
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.