Full text: ARCH+ : Studienhefte für architekturbezogene Umweltforschung und -planung (1970, Jg. 3, H. 9-11)

Zu 3, 
Wie unter 1.2 und 1.3 ausgeführt, ersetzt das persön- 
liche Studienprogramm den sich aus Pflicht- und 
Wahlfächern zusammensetzenden obligatorischen Stu- 
dienplan der bisherigen Prüfungsordnung. Dadurch wird 
es dem einzelnen Studenten möglich sein, sich wesent- 
lich realistischer auf das von ihm angestrebte Tätig- 
keitsfeld vorzubereiten. Gleichzeitig kann er seine 
Arbeit interdisziplinär orientieren, was heute in vie- 
len Tätigkeitsfeldern des Architekten zwingend not- 
wendig ist, aber nach der bisherigen Prüfungsordnung 
kaum zu realisieren war (s. 2.1). 
Zu 3.1 und 3.2 
Ein ausreichendes Angebot an Orientierungshilfen ist 
ebenso unerläßliche Voraussetzung für eine derartige 
individuelle Studienplanung wie die Institutionalisie- 
rung einer differenzierten Studienberatung (s. 4. und 
5.)- 
Die Entwicklung des Studienprogrammes ist als Prozess 
zu verstehen: 
Nach ersten Orientierungsveranstaltungen und Studium 
der vom Informationszentrum angebotenen Sachinforma- 
tionen zum Studienbeginn wird der Student in einer 
Projektarbeit mit einem exemplarischen Problem des 
Faches konfrontiert und lernt im Verlaufe erster Lö- 
sungsversuche typische Arbeitsweisen des Faches ken- 
nen. Im Laufe weiterer Projekte kann er diese Erfah- 
rungen vertiefen und allmählich konkrete Vorstellun- 
gen über seine spezifischen Interessen- und Fähig- 
keitsbereiche entwickeln. Diese Vorstellungen soll er 
explizit formulieren und mit einer selbstgewählten Be- 
ratergruppe besprechen. Ein solcher Entwurf wird 
nach Absprache und Bestätigung der Beratergruppe bei 
der Studienkommission hinterlegt. 
Im weiteren Verlauf des Studiums wird dieser Entwurf 
jeweils nach Absprache mit den Beratern ergänzt, mo- 
difiziert und, wo erforderlich, in seiner Zielrichtung 
verändert. Falls es sich dabei aus dem Kompetenzbe- 
reich der bisherigen Berater entfernt, kann der Student 
sich neue Berater wählen. 
Es sind Fälle denkbar, in denen ein Student ein so 
ungewöhnliches oder am Rande der in den Fachbereichen 
vertretenen Fachkompetenzen liegendes Programm 
formuliert, daß er dafür keine Berater findet. Indie- 
sem Falle muß er es der Studienkommission vorlegen, 
die über die weitere Behandlung entscheidet (z.B. 
Hinzuziehung aussenstehender Fachgutachter, Verwei- 
sung an andere Fachbereiche usw.). 
Zu 3.3 
Gegen Ende des Studiums ist aus dem ersten Entwurf 
über die verschiedenen Ergänzungs- und Korrektur- 
schritte ein vollständiges, dem wirklichen Studienver- 
lauf entsprechendes Studienprogramm entstanden, das 
Aussagen entsprechend 3.3 enthalten muß. Dies kann 
an bereits vorliegenden Beispielen gezeigt werden. 
Durch Austausch solcher Beispiele wird sich nach kur- 
zer Zeit ein Verfahren einstellen, daß die Vergleich- 
barkeit sicherstellt, ohne daß eine Formalisierung er- 
forderlich wäre. (Hier sei wieder auf die wichtige 
Funktion des Informationszentru ms hingewiesen, siehe 
1.32 und 5.) 
Zu 4. 
Die Beratung dieser persönlichen Studienplanung wird 
künftig eine der wichtigsten Funktionen der Hochschul- 
ARCH+3 (1970) H. 10 
lehrer darstellen. Um jedoch angesichts der Vielzahl 
möglicher Schwerpunkte genügend Beraterkapazität si- 
cherzustellen, erscheint es ratsam, alle hauptamtlich 
an der Hochschule arbeitenden Hochschullehrer nach 
8 53 (1), 2(2) und (2)3, also bis einschließlich Assi- 
stenten und Lehrstuhlvertreter, in diese Beratungs- 
funktion einzubeziehen. 
Die vorgeschlagene Auswahl des Personenkreises stellt 
nach Auffassung der Fachbereiche einen Ausgleich her 
zwischen der Forderung nach Kontinuität und Verant- 
wortlichkeit der Beratenden einerseits und dem Erfor - 
dernis einer ausreichenden Personenzahl und eines ge- 
nügend breiten Spektrums von Spezialkenntnissen 
andererseits. Um zu verhindern, daß die Berater zu 
unterschiedliche Maßstäbe an die Studienprogramme 
anlegen, erhält das Informationszentrum den Auftrag, 
einen regelmäßigen Erfahrungsaustausch der Berater zu 
organisieren und gemeinsam mit ihnen Kriterien und 
Sachinformationen zu entwickeln, die die Aufstellung 
der Studienprogramme nach einheitlichen Maßstäben 
erleichtern (s. auch 1.32, 3. und 5.). 
Ein weiterer Bestandteil der Studienberatung ist die 
Mitarbeit von Tutoren in den Projektgruppen vor allem 
der unteren Semester. Sie erleichtern auf Grund ihrer 
längeren Studienerfahrung den jüngeren Studenten die 
Orientierung und das selbständige Arbeiten. 
Zu 5. 
In einem Studiensystem, das praktisch die ursprüngliche 
Lehrkonzeption der deutschen Universitäten nach der 
Humboldt’schen Reform - selbstverantwortliches Stu- 
dium, Lernfreiheit - unter Berücksichtigung veränder- 
ter Bedingungen wiederherstellt, müssen die Mängel 
vermieden werden, die sich im Laufe der Zeit in 
diesem System eingestellt haben: 
- Das Fehlen eines ausreichenden, auf die Bedürfnisse 
des Studenten abgestellten Informationsangebotes und 
persönliche Studienberatung; 
- das Zurückziehen der nach eigenem Ermessen über 
ein grosses Lehrgebiet verfügenden Lehrstuhlinhaber 
auf Vorlesungen und Seminare, deren Inhalte sie 
kraft ihrer Prüfungsgewalt einseitig bestimmen konn- 
ten. 
Diese Mängel sollen in der neuen Studienordnung ver- 
mieden werden, indem 
_ ein Informationszentrum alle für die allgemeine 
Studienberatung erforderlichen Informationen und 
Orientierungshilfen gemeinsam mit den Fachbereichen 
erarbeitet und ihre Verfügbarkeit für alle Studenten 
organisiert (s.o.). Dazu gehört die permanente Be- 
ratung über Fragen der Studienordnung und ihrer 
Handhabung, die oben angeführten Orientierungs- 
hilfen für die Studienprogramme (s. 3.3) und die 
Erschliessung aller sonstigen Informationen, die der 
Student für seine laufende Arbeit benötigt; 
- in Form der Beratergruppen eine intensive persönli- 
che Studienberatung ermöglicht wird; 
die Hochschullehrer das Schwergewicht ihrer Tätigkeit 
von den Formen einseitiger Wissensvermittlung, die 
vielfach durch wirksamere Methoden ersetzt werden 
können, mehr auf beratende Unterstützung der im 
übrigen selbständig arbeitenden Studenten ver- 
lagern. 
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