Full text: ARCH+ : Studienhefte für Planungspraxis und Planungstheorie (1972, Jg. 4, H. 15-16)

nigter Veränderung der Produktionsstruktur - keines- 
wegs hinreichender Wertmaßstab ist, wird in der DDR 
nicht übersehen: 
"Die materiell-stoffliche, gebrauchswertmäßige 
Entwicklung des Nationaleinkommens ist zwar das 
grundlegende Kriterium des ökonomischen Wachs- 
tums'', aber heiBt es weiter: "Der ökonomische Inhalt 
des Wachstums wird aber entscheidend davon bestimmt, 
wie sich der hierfür notwendige Aufwand, oder mit 
anderen Worten der Wert je Erzeugniseinheit 
entwickelt. Der ökonomische WachstumsprozeB beruht 
daher auf der Einheit von Wert und Gebrauchswert. 
Das Nationaleinkommen wird sich um so rascher ent- 
wickeln, je stärker der Wert je Einheit Gebrauchswert 
gesenkt wird." (Hervorhebungen - d.V.) (35) 
Dies ist allerdings nur unter der Annahme móglich, 
daB die Einsparungen in der Herstellung keine'unvorher- 
gesehenen Nebeneffekte in der materiellen Struktur - 
deren besonderer Mangel an Flexibilitát betont wurde - 
hervorrufen, sondern uneingeschrünkt wachstums- 
fórdernd wirken. 
Die geschmähte disproportionale räumliche Struktur- 
entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise er- 
weist sich nun unter der Lupe der vordergründigen 
Sparsamkeit als der "eigenen ökonomischen Kategorien 
des Sozialismus'' zugehörig, die nur "eine formale 
Ähnlichkeit mit entsprechenden Kategorien des Kapi- 
talismus haben" (36). Mit dem Prinzip der Sparsam- 
keit wird nicht nur die Restauration der materiellen 
Seite bürgerlicher Produktionsverhültnisse durchge- 
setzt, sondern die disproportionale Entwicklung 
nachgeholt, die von den entwickelteren kapitalistischen 
Staaten bereits erzwungen wurde und mit ihren Folgen 
vor Augen steht. 
Der Widerspruch zwischen Zweig- und Gebietsansprü- 
chen hat sich weitgehend vertieft. 
Die Territorialplanung hat dabei folgende Aufgaben zu 
übernehmen: 
1. Prognose rationeller Standortverteilung der Pro- 
duktivkrüfte entsprechend den Anforderungen der 
Ballungsgebiete; 
strukturpolitische Konzeption der Volkswirtschaft 
von 1971 bis 1975 zur vorrangigen Sicherung der 
strukturbestimmenden Aufgaben angeblich auf der 
Basis proportionaler Entwicklung in Bezirken und 
Kreisen (37). 
Dazu sind folgende Methoden eingeführt: 
zur Verbesserung der Ermittlung gebietsökonomischer 
Potenzen die Variantenrechnung (z.B. Vergleich der 
Prognose mit dem Bebauungs- oder Verkehrsplan), 
Aufbau eines Kennziffernsystems aus den so ermit- 
telten Größen; 
iterative Kombination struktureller Faktoren zur 
territorialen Optimierung; 
Ermittlung von Richtwerten nach den bestehenden 
ökonomischen Kriterien für Systemregelungen zum 
rationellen territorialen Ressourceneinsatz; 
Systemregelungen für territoriale Formen der Wirt- 
Schaftsorganisation; vor allem über "ókonomische 
Hebel" (z.B. Vorzugskredite), um Betriebe an 
ARCH+ 15 (1971-3) 
räumlich-strukturellen Maßnahmen zu interessieren 
(37). 
Die vergleichsweise (mit theoretischen Arbeiten) be- 
scheidene Anwendung mathematischer Modelle erstaunt, 
wenn man weiß, welche Kraft gerade in der DDR auf 
dem Gebiet der Systemtheorie, Kybernetik und Mathe- 
matik investiert wurde. Neben der Betonung der steti- 
gen Vorwürtsentwicklung auf diesen Gebieten wird als 
wesentliche Ursache jedoch auch die Schwierigkeit ge- 
nannt, einen genügend detaillierten InformationsfluB 
für die Anwendung mathematischer Methoden zu garan- 
tieren (38). 
Eine weitere wesentliche Ursache stellt die Frage der 
Optimalitätskriterien dar: sobald wie die ein- 
zelbetrieblichen, regionalen und nationalen nicht über- 
einstimmen, lassen sich nur Aufgabenstellungen gemäß 
einem Interesse lösen. Daß diese fehlende Überein- 
stimmung heute in der DDR die Wissenschaft zum In- 
strument weniger macht, stellt ein gravierendes Pro- 
blem für die Systemforscher der DDR dar. Alle Skepsis 
muß aber ihrer Annahme gelten, daß das Durchsetzen 
des umfassenden gesellschaftlichen Interesses nur die 
Frage der Ausarbeitung eines Systems sei, wo das ge- 
sellschaftliche Interesse Hauptkriterium darstellt (39). 
Es zeigt sich, daß Partikularisierung und fehlende Über- 
einstimmung von produktiven und sozialen Einheiten der 
Anlaß für die wesentlichen Schwierigkeiten der Rechen- 
operationen darstellt, daß also die politische Frage der 
Planung und Leitung nicht durch immer raffiniertere 
mathematische Methoden zu überwinden ist. Damit ist 
allerdings die Frage des Werts dieser Methoden durchaus 
nicht erschöpfend behandelt. An dieser Stelle muß hin- 
reichen. ihre grundsätzlichen Schranken zu sehen. 
Der Gebietsperspektivplan - a. territorial bezogene 
Informationssysteme zur Grundlagenarbeit 
Aufgabe dieser Systeme ist, die zentralen Entschei- 
dungen des Volkswirtschaftsrates und der Staatlichen 
Plankommission (SPK) zu verbessern, indem sie in 
ihren Informationen die Durchsetzbarkeit der vorange- 
gangenen zentralen Direktiven in den órtlichen Einhei- 
ten widerspiegeln. Dazu gehóren: 
a) die Bezirksökonomik (erstmalig für die Vor- 
bereitung der volkswirtschaftlichen Generalperspektive 
1965 - 80 eingeführt). 
Sie ist ein Situationsbericht der von der regio- 
nalen Inventur ausgeht, diese analysiert und die zentral 
geplante Entwicklung der Zweige im Gebiet durch das 
Aufstellen eines Entwicklungsprogramms sichert; sie 
wird von den Bezirkswirtschaftsrüten erstellt, denen 
alle órtlichen Betriebe unterstellt sind und die ihre 
Direktiven vom Volkswirtschaftsrat erhalten; sie gehórt 
daher in das von den órtlichen Staatsorganen unabhüngige 
System der Wirtschaftsplanung (40); 
b)die Stadtókonomik ist ein in ühnlichen Schritten 
von den órtlichen Staatsorganen erstellter Situations- 
bericht über die materielle Struktur des Stadtgebiets 
nach den Vorgaben der Bezirksókonomik: 
c) die Generalbebauungspläne der Bezirke 
(erstmalig 1966 in Angriff genommen) sind wichtige 
Voraussetzung zur Erarbeitung der bezirklichen Per- 
spektivpläne; sie haben in dieser Hinsicht als progno- 
stisches Instrument zu wirken, dies aber gerade 
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