Volltext: ARCH+ : Studienhefte für Planungspraxis und Planungstheorie (1972, Jg. 4, H. 15-16)

Arbeitsgruppe 
Kommunale Planung (AG KOP) 
THESEN ZU EINER THEORIE DER RAUMPLANUNG 
Gliederung 
1. Das Albers’ sche Modell 
2. Staatliche (kommunale) Planung im organisierten 
Kapitalismus - historische Situation 
3. Kommunale Planung - funktionale Differenzierung 
4. Raumplanung - spezielle Ökonomie 
5. Funktionen der Raumplanung 
6. Qualifikation von Raumplanern 
7. Ausbildung von Raumplanern 
i. 
Das Albers'sche Modell 
Fixiert auf die Überwindung der historischen Phase 
des beschränkten "physical planning" (1) wurde für 
Dortmund Raumplanung als die neue Wissenschaft kon- 
zipiert, die den allgemeinen Forderungen des "social 
planning" genügen und der regionale und Stadtentwick- 
lungsplanung als mógliche Praxis zugeordnet werden 
sollten. Angesichts der Komplexität der praktischen 
Probleme galt es, die zu schmal gewordene Basis von 
Architektur und Bauingenieurwesen vor allem. um diejeni- 
gen Disziplinen zu erweitern, mit deren Hilfe man die 
"sozio-ókonomischen Bedingungen" stüdtischer und re- 
gionaler Entwicklung in den Griff zu bekommen hoffte 
(2). 
Die Entscheidung zugunsten des "social planning'' ver- 
wies zwar auf eine Vielzahl notwendiger Interdisziplina- 
ritäten, ohne jedoch den Problembereich der neuen 
Integrationswissenschaft zu spezifizieren. 
1) Vgl. z.B. G. Albers, Über das Wesen der rüumli- 
chen Planung, Stadtbauwelt 23, 1969. 
2) Vgl. IRP-01, S. 2: "Die Aufgaben der Raumplanung 
ergeben sich aus der Notwendigkeit einer systemati- 
Schen Veründerung der physischen Umweltbedingun- 
gen im Hinblick auf soziale und ókonomische Ent- 
wicklungen.'' 
Anm. der Redaktion 
Die Arbeitsgruppe Kommunale Planung (AG'KOPD) ist 
ein Kollektiv von neun Assistenten der Abteilung Raum- 
planung der Universität Dortmund, darunter Soziologen, 
Ökonomen und Planer. 
Die vorliegende Arbeit ist die leicht überarbeitete Ver- 
sion eines Referates, das am 04.05.71 im Rahmen 
eines Hearings zur Planerausbildung in der Universität 
Stuttgart von Wilhelm F. Schraeder und Christoph Wurms 
gehalten wurde. 
Eine Strukturierung des Komplexitätsproblems soge- 
nannter "raumorientierter Entwicklungsplanung" ist 
weder durch jene allgemeine Orientierung auf den 
Raum zu erreichen noch durch die Praxis der Inter- 
disziplinarifit. Selbst Ausdruck und Antwort auf die 
Komplexität eines Problems setzt Interdisziplinarität 
dessen konzeptionelle Strukturierung voraus. Und wo 
ein von inhaltlichen Problemen nicht abstrahierbarer 
Raumbegriff alleiniges Strukturierungskriterium bleibt, 
wird Raumplanung zum nicht oder beliebig zerlegbaren 
"monstrum universale" und damit dem theorielosen 
und schließlich historisch sinnlosen Versuch einer 
ganzheitlichen Bewältigung gesellschaftlicher Planung 
schlechthin. 
2. 
Staatliche (kommunale) Planung im orga- 
nisierten Kapitalismus - historische 
Situation 
Eine Theorie der Raumplanung als gesellschaftlicher 
Planung ist weder eine Frage der Logik oder der Klä- 
rung universaler Prinzipien (ontologisches Problem) 
noch lediglich eine Frage der Systematisierung von 
Erfahrungen (pragmatisches Problem), sondern zu- 
allererst ein historisches Problem in dem Sinne, daß 
die Entfaltung der theoretischen Bestimmungen den 
konkret-geschichtlichen Prozeß der Entwicklung des 
gegebenen Objekts zum Ausdruck bringen muß (3). Die 
Auseinandersetzungen mit den verschiedenen derzeit 
praktisch relevanten planungstheoretischen Problemen 
kann darum ebensowenig lediglich auf der Ebene for- 
maler Entscheidungslogik geführt werden (4), wie sich 
3) Vgl. E.W. Iljenkow, Die Dialektik des Abstrakten 
und Konkreten, im: "Kapital" von Marx, in: Bei- 
träge zur marxistischen Erkenntnistheorie, hrg. 
von À. Schmidt, 0.0., o.J. (Frankfurt 1969), S. 87 ff. 
J. Zeleny, Zum Wissenschaftsbegriff des dialekti- 
schen Materialismus, ebd., S. 73 ff. 
1| Das leidige Generalistenproblem z.B. ist nicht so 
sehr eine Frage mangelnder entscheidungslogischer 
Aufklärung als der strukturellen Bedingungen gesell- 
schaftlicher Planung im derzeitigen kapitalistischen 
System der BRD. 
ARCH+ 15 (1971-3)
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.