pitalistischen Akkumulation beeinträchtigen würde. Die
Annäherung der wirklichen ökonomischen Basis an das
"reine Modell" vollzieht sich nämlich nicht in einem
homogenen AngleichungsprozeB. Das Wirksamwerden
des "allgemeinen Gesetzes der kapitalistischen Akkumulation"
geschieht in nicht nur verzógerten, sondern
auch modifizierten Erscheinungsformen, in denen vielfach
gerade ihr - vom Strukturprozef abháüngiger -
Folgecharakter weitgehend verborgen bleibt. (So füllt
in den zentralen europäischen Ländern am Phänomen
des Arbeitskraftimports vor allem das hiesige "Funktionieren"
der kapitalistischen Akkumulation auf, die
dem wachsenden "Überzühligmachen' der Arbeiterbevölkerung
scheinbar widerspricht. Inwieweit derselbe
Prozeß anderswo jene konsolidierte Überbevölkerung
hervorbringt, von der ein Teil hier als "Gastarbeiter"
erscheint, bleibt als '""Randerscheinung' eine
meist sekundáre Frage.)
Bevor wir uns aber kurz zu den modifizierten Erscheinungsformen
hinwenden, überblicken wir noch einmal
die wichtigsten Resultate dieser Analysen der Darstellung
des kapitalistischen Akkumulationsprozesses und
der Formen der "industriellen Reservearmee" im
"Kapital". ZusammengefaBt wiren diese, im Hinblick
auf die Konsequenzen für die Entwicklungen der ökonomischen
Basis und des Überbaus der kapitalistischen
Gesellschaftsformation, die folgende:
a) Der Ausscheidungsprozeß einer "konsolidierten''
Arbeiterüberbevölkerung aus dem Strukturprozeß der
kapitalistischen Akkumulation ist in ihrer Gesetzmäßigkeit
die genaue Gegenseite zum ''Gesetz des tendenziellen
Falls". Beide haben die gleiche strukturelle Gesetzmüfligkeit
und ihre Erscheinungsformen müssen
also in einem spezifischen Sinne gleichzeitig sein, auch
wenn sie innerhalb des Wirkungsbereiches der kapitalistischen
Akkumulation räumlich durchaus geschieden
sein können.
b) Die sogenannte Verelendungstheorie (die bestenfalls
in ihrer deterministischen Gestalt noch aus dem Kommunistischen
Manifest oder später aus den Kommentaren
Engels zum "Kapital" herauszulesen würe) erscheint
als eine auf dem beschäftigten Teil der Arbeiterklasse
bezogene Konzeption an keiner Stelle der
Marx’ schen Kritik der Nationalökonomie auf der Stufe,
die sie im "Kapital" erreicht hat. Das, was man spüter
als "relative Verelendung" bezeichnet hat, erscheint
zwar als eine theoretische Feststellung im "Kapital",
ist aber nicht unmittelbar mit jenen Extremformen der
Strukturbewegung der kapitalistischen Akkumulation
verbunden, die sich auf die "áuBere Grenze" der kapitalistischen
Produktionsweise beziehen.
c) Zentraler Bestandteil des "Kapitals'" ist hingegen
eine ineinander greifende Theorie der "industriellen
Reservearmee' und eine der "Pauperisierung", die
jedoch die Darstellungen von zwei zu differenzierenden
Bewegungsformen und Funktionen der unbeschüftigten
Arbeiterbevôlkerune sind.
Während die streng genommene industrielle Reservearmee
für den Strukturprozeß der kapitalistischen Akkumulation
auf erhöhter Stufenleiter funktional ist und
sich auf der Ebene der historischen Wirklichkeit als
solche erweist (für die ökonomische Basis nur, versteht
sich, der kapitalistischen Gesellschaft), bildet
der (in seinen historischen Modifikationen auch schon
ARCH+ 15 (1971-3)
längst wirksam gewordener) Strukturprozeß der Pauperisierung
als permanente Überzähligmachung von
arbeitsfähigen Bevölkerungsteilen zusammen mit der
Herausbildung von Surpluskapital, den potentiell systemtranszendierenden
Prozeß der kapitalistischen
Gesellschaftsformation.
d) Der Marx'sche Begriff des Proletariats, so wie er
auf der Ebene des "Kapitals" erscheint, umfaft beide
Teile der Arbeiterbevólkerung: sowohl den in den ProduktionsprozeB
direkt oder indirekt (als Reservearmee
in engerem Sinn) eingespannten, als auch den aus ihm
ausgestoflenen. Nur in diesem Sinn (d.h. nur im Sinne
eines wachsenden Anteils des "marginalisierten" Proletariats)
kann man von einer '"Pauperisierung des Proletariats"
als von einem StrukturprozeB der kapitalistischen
Akkumulation auf der Ebene des "Kapitals"
sprechen.
4. Arbeiteremigration und Monopolkapitalismus: Die
imperialistische Ausbreitung der kapitalistischen
Akkumulation als "Ubergangskapitalismus"
Zu der Stimmigkeit der Lenin’ schen Bestimmung des
Wesens des Imperialismus als ''Übergangskapitalismus"
(d.h. als eine nicht zurückzunehmende Modifikation
der Strukturbewegung der kapitalistischen
Akkumulation, die jene Veründerungen der kapitalisti-Schen
Produktionsweise hervorbringt, die, auf einer
schon qualitativ veränderten Weise, die Basis zur
Umwälzung der kapitalistischen Gesellschaftsformation
angeben) sei hier nur kurz folgendes bemerkt:
a) Wie es unter anderen E. Mandel in seiner "marxi-Stischen
Wirtschaftstheorie" bemerkt, ist es grund-Sützlch
falsch, die frühe Periode der bürgerlichen
Kolonisation (die, unter den Bewegungsgesetzen der
"ursprünglichen Akkumulation" mit der Anwendung der
staatlichen Gewalt der frühbürgerlichen oder absolutistischen
Staaten vor sich geht) in die spütbürgerliche
Phase der Kolonisation, die nur einen Einzelaspekt der
imperialistischen Ausbreitung des Kapitals darstellt,
praktisch bruchlos überzuführen. (Rein formal gesehen
haben natürlich beide Perioden den gemeinsamen Charakter
von Übergangsphasen). Die dazwischenliegende
Periode der Ausbreitung der kapitalistischen Akkumulation
und Produktionsweise geschieht unter Bedingungen,
die sich der "reinen" Strukturbewegung der kapitalisti-Schen
Akkumulation weitgehend angleichen. So ist diese
Periode auch vom Widerstand des Bürgertums gegen
die Kolonisation gekennzeichnet. Die kapitalistische
Akkumulation unter imperialistischen Vorzeichen beginnt
in der Periode 1850 bis 1870 wirksam zu werden,
in dem Zeitabschnitt also, in dem die konsolidierte
Überbevólkerung Westeuropas auch in den Momenten
des Booms nicht mehr absorbiert wird. Die hochexpan-Sive
Periode des Monopolkapitals zwischen ungefähr
1870 und dem 1. Weltkrieg, die, wie bekannt, keineswegs
unter der Ausklammerung staatl. Gewaltmafnahmen
vor sich ging, hatte unter anderem einen bedeutsamen
und exemplarischen Rückkopplungseffekt auf Osteuropa.
Die mit europäischen Überschußkapitalien und zum großen
Teil mit westeuropäischer Überbevölkerung erfolgte,
endgültige Einbeziehung der "leeren Gebiete" Nordund
Südamerikas in den Agrarweltmarkt, bringt ihrerseits
durch die niedrigen Kosten einer großflächig betriebenen
kapitalistischen Agrarproduktion, eine Abfr