Volltext: ARCH+ : Studienhefte für Planungspraxis und Planungstheorie (1973, Jg. 5, H. 17-20)

älteren Formen des Grundeigentums das letztere sich in 
Geldrente verwandelt (dasselbe findet in andrer Weise 
statt, wo der moderne Bauer geschaffen wird) und daher 
gleichzeitig die Agrikultur als durch das Kapital betrieben 
sich in industrielle Agronomie verwandelt, notwendig aus 
den cottiers, Leibeigenen, Fronbauern, Erbpächtern, 
Häuslern, etc, Taglöhner werden, Lohnarbeiter, also die 
Lohnarbeit in ihrer Totalität erst geschaffen wird durch 
Aktion des Kapitals auf das Grundeigentum und dann, 
sobald dies einmal als Form herausgearbeitet ist, durch 
den Grundeigentümer selbst, Dieser selbst clears dann, 
wie Steuart sagt, das Land von seinen überflüssigen Mäu- 
lern, reißt die Kinder der Erde los von der Brust, worauf 
sie gewachsen, und verwandelt so selbst die Erdarbeit, die 
ihrer Natur nach als unmittelbare Subsistenzquelle er- 
scheint, in vermittelte Subsistenzquelle, von gesellschaft- 
lichen Beziehungen rein abhängige. ... Es kann also kein 
Zweifel existieren, daß die Lohnarbeit in ihrer klassischen 
Form, als die ganze Breite der Gesellschaft durchwatend 
und sicht statt der Erde zu dem Boden machend, worauf 
sie steht, erst durch das moderne Grundeigentum geschaf- 
fen wird, d. h. durch das Grundeigentum als vom Kapital 
selbst geschaffter Wert. Daher führt also das Grundeigen- 
tum zurück zur Lohnarbeit.” 16) 
„Es kann . . . nichts alberner sein, als die Urbildung des 
Kapitlas (das heißt die ursprüngliche Akkumulation, d.Verf.) 
so aufzufassen, als habe es aufgehäuft und geschaffen die 
objektiven Bedingungen der Produktion — Lebensmittel, 
Rohmaterial, Instrumente — und sie dem davon entblößten 
Arbeiter angeboten . . . Sondern seine Urbildung geschieht 
einfach dadurch, daß der als Geldvermögen existierende 
Wert durch den historischen Prozeß der Auflösung der al- 
ten Produktionsweise befähigt wird, einerseits zu kaufen 
die objektiven Bedingungen der Arbeit, andererseits die 
lebendige Arbeit selbst gegen Geld von den freigeworde- 
nen Arbeitern einzutauschen. Alle diese Momente sind vor- 
handen; ihre Scheidung ist ein historischer Prozeß, ein Auf- 
lösungsprozeß, und es ist dieser, der das Geld befähigt, sich 
in Kapital zu verwandeln.” 17) 
Erst mit Abschluß dieses Prozesses der ursprünglichen Ak- 
kumulation sind alle Voraussetzungen für das Kapital gege- 
ben, seinen historischen Weg als Selbstbewegung auf eigene1 
Grundlage zu gehen, sich zunächst in der großen Industrie 
die ihm adäquate Produktionsform zu schaffen, dann auf 
dieser Grundlage seinen Krisenzyklus zu beginnen. 
Wir halten also fest: Das moderne Grundeigentum entsteht 
als Aktion des Kapitals auf das alte (feudale) Grundeigen- 
tum; der ökonomische Ausdruck des neuen Grundeigen- 
tums ist die Grundrente. Wie realisiert sich aber nun diese 
Grundrente? Sie muß dem Grundeigentümer wohl oder 
übel aus der Produktion der Kapitalisten gezahlt werden 
und schränkt so trotz oder gerade wegen der notwendigen 
Rolle, die es in der Entstehung des Kapitals spielt, die Pro- 
16) Grundrisse, a.a.O., S. 187 f. 
17) Grundrisse, a.a.0., S. 408 u. 406, zit. nach R. Rosdolski, 
a.a.0., 5. 325. 
fite der Kapitalisten ein 
Es darf nicht vergessen werden, daß „die kapitalistische 
Produktion unter der Voraussetzung des nicht aus ihr ent- 
sprungenen, sondern vor ihr vorhandenen Grundeigentums 
ihre Carriere eröffnet.” Die Einwirkung des Kapitals auf 
das Grundeigentum hat deshalb ihre Schranken. „Alles, 
was das Kapital tun kann, ist die Agrikultur den Bedingun 
gen der kapitalistischen Produktion zu unterwerfen.” 18) 
Es kann aber nicht verhindern, daß außer und neben den 
eigentlichen Kapitalisten in Gestalt der Großgrundeigen- 
tümer eine besondere Klasse von monopolistischen Besit- 
zern der Produktionsmittel bestehen bleibt, die „als eine 
fremde Macht und Schranke . . . dem Kapital bei seinen 
Anlagen in Grund und Boden (gegenübertritt) 19),“ und 
die ihm mit Erfolg einen Teil des von den Arbeitern ge- 
schaffenen Mehrwerts abpressen kann.” 20) 
„Nachdem das Kapital das Grundeigentum gesetzt und da- 
mit seinen doppelten Zweck erreicht: 1. Industrieller Acker- 
bau und dadurch Entwicklung der Produktivkraft Erde; 
2. Lohnarbeit, also Herrschaft des Kapitals allgemein auf 
dem Lande, betrachtet es die Existenz des Grundeigentums 
selbst als eine bloß vorübergehende Entwicklung, die nötig 
ist als Aktion des Kapitals auf die alten Grundeigentums- 
verhältnisse, und ein Produkt ihrer Zersetzung; die aber als 
solche — diesen Zweck einmal erreicht — bloße Beschrän- 
kung des Profits ist, keine Notwendigkeit für die Produk- 
tion. Es sucht also das Grundeigentum als Privateigentum 
aufzulösen und auf den Staat zu übertragen.” 21) 
Das Kapital braucht also das moderne Grundeigentum als 
seinen Geburtshelfer (da es ihm den Lohnarbeiter schafft). 
Steht es aber erst einmal auf seinen eigenen Füßen, er- 
scheint ihm der Grundeigentümer mit seinen Rentenforde- 
rungen als ein erpresserischer Mehrwerträuber, ein Schma- 
rotzer am vom Kapital erzwungenen Mehrwert. Zähne- 
knirschend zahlt es weiterhin quasi Zins und Zinseszins 
für die historische Tat, den Lohnarbeiter erzeugt zu haben. 
Denn der Grundeigentümer besitzt im Grundeigentum 
„einen Titel, der ihn befähigt, einen Teil dieser Mehrar- 
beit oder des Mehrwerts, zu deren Direktion und Schöp- 
fung er nicht beiträgt, in die Tasche zu stecken.” („In 
Kollisionsfällen” — fügt Marx hinzu — „betrachtet ihn 
der Kapitalist daher als bloßen Auswuchs, ein Sybariten- 
gewächs, Schmarotzerpflanze der kapitalistischen Produk- 
tion. die Blattlaus. die ihm im Pelze sitzt.”) 22) 
18) K.Marx, Theorien über den Mehrwert, Teil 2, Marx-Engels- 
Werke, MEW 26.2, Berlin, DDR 1967, S. 242 
19) MEW 25, a.a.O., S. 770. 
20) KR. Rosdolski, a.a.O., S. 53 
21) Grundrisse, a.a.O., S. 190. 
22) var 26.2, a.a.O., S. 325 f., zit. nach Rosdolski, a.a.O., 
Ss.
	        

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