Full text: ARCH+ : Studienhefte für Planungspraxis und Planungstheorie (1973, Jg. 5, H. 17-20)

anlagen zeitlich nacheinander auf dem schon in Bebau- 
ung befindlichen Boden vorgenommen werden. An den 
Prinzipien der Rentenbildung und -bewegung, wie sie an 
der Extensivierung des Anbaus dargestellt wurden, än- 
dert sich mit der Intensivierung nichts. Jedoch entwickeln 
sich einige Besonderheiten, die in der zweiten Form der 
Differentialrente näher charakterisiert werden. 
Die zweite Form der Differentialrente (Differentialrente II) 
Wir haben verfolgt, wie sich Surplusprofite bilden durch An- 
lage von Kapital auf Ländereien verschiedener Fruchtbar- 
keit und Lage (Diff.-Rente I), und werden nun sehen, wie 
sie aus der Differentialproduktivität mehrerer Kapitalanla- 
gen auf dem gleichen Bodenstück fließen können (Diff.- 
Rente I1). Die beiden Formen sind ihrem Wesen nach 
gleich, doch setzt die zweite Form die erste voraus, sowohl 
im historischen Ablauf als auch zu jedem beliebigen Zeit- 
punkt. 
Zu jedem Zeitpunkt bleiben nämlich die unterschiedlichen 
Bodengüten auch bei unterschiedlicher Höhe der Kapitalan- 
lagen erhalten. Denn mit diesen Unterschieden würde die 
Möglichkeit der Differentialrente überhaupt wegfallen. 
Gleichzeitig werden also nebeneinander Böden verschiede- 
ner Güte bebaut, so daß zusätzliche Kapitalanlagen die 
Möglichkeiten zu Profit und Surplusprofit mehrfach nut- 
zen können. 
Historisch gesehen hat die vorkapitalistische Produktions- 
weise die Ausweitung der Landwirtschaft meist extensiv 
betrieben. Es wurden neue Böden in Kultur genommen, 
während der Aufwand für die Produktion pro Bodenfläche 
überall gleich war und sich auch gleichmäßig verschob: 
„Die kapitalistische Produktionsweise geht aus von frühe- 
ren Produktionsweisen, worin die Produktionsmittel tat- 
sächlich oder rechtlich das Eigentum des Bebauers selbst 
sind, mit einem Wort, vom handwerklichen Betrieb der 
Agrikultur. Der Natur der Sache nach entwickelt sich aus 
dieser erst allmählich die Konzentration der Produktions- 
mittel und ihre Verwandlung in Kapital gegenüber den in 
Lohnarbeiter verwandelten unmittelbaren Produzenten. 
... Es liegt ferner in den Naturgesetzen des Feldbaus, daß 
bei einer gewissen Höhe der Kultur und der ihr entspre- 
chenden Erschöpfung des Bodens das Kapital, hier zugleich 
im Sinne schon produzierter Produktionsmittel, das ent- 
scheidende Element der Bodenkultur wird.” 64) 
Mit der Entwicklung der Produktivkräfte treten zur Ver- 
schiedenheit der Fruchtbarkeit die Unterschiede in der 
Verteilung des Kapitals unter den Pächtern. Hier, wie in 
jedem andern Geschäftszweig, stellt sich ein Minimum an 
Kapitalausstattung ein, das mit dem Fortschreiten der ka- 
pitalistischen Wirtschaft ansteigt. Nur mit diesem Mini- 
mum ist es möglich, ein Geschäft ohne Verlust zu betrei- 
ben; die Masse muß deshalb über ein das Minimum über- 
schreitendes normales Durchschnittsmaß an Kapital ver- 
fügen, um den Durchschnittsprofit zu erhalten. Diejeni- 
64)  a.a.0., 5. 688. 
solange abgeworfen, bis die intensivere Bebauung zur all- 
gemeinen wird und den Marktpreis reguliert. 66) Die 
Größe des Surplusprofits wird nun auch von der Größe 
des angelegten Kapitals mitbestimmt. Deshalb hat der 
Grundeigentümer ein Interesse daran, einen Pächter zu 
finden, der über genügend Kapital verfügt, um die Bebau- 
ung intensiv durchzuführen. . 
Bei der Differentialrente II tritt ein Moment hinzu, das 
sich bei der Differentialrente I nicht entwickeln konnte. 
Dort waren Differentialfruchtbarkeiten sofort an der 
Menge der erzeugten Produkte zu erkennen. Bei zuschüs- 
sigen Kapitalanlagen lösen sich jedoch die Ergebnisse 
jedes Kapitalquantums in einem Durchschnitt auf, wo- 
tin die Wirkungen der einzelnen Teilaniagen nicht mehr 
unterscheidbar sind, Es bildet sich eine neue individuelle 
Durchschnittsproduktivität, die jetzt die Höhe des Sur- 
plusprofits beeinflußt. 
Für die Bildung des Surplusprofits macht dies keinen Un- 
terschied, wohl aber für seine Verwandlung in Grundrente. 
Denn der Surplusprofit zuschüssiger Kapitalanlagen ist 
nicht so einfach nachzuweisen und wird schnell zum 
Zankapfel zwischen Pächter und Grundeigentümer. Hi- 
storisch bildet sich das Geschäft des Taxators, der die 
Rente „berechnete” bzw. schätzte; heute erfüllen diese 
Funktion vielfach die Gutachterausschüsse. 
Die möglichen Fälle und Varianten der Differentialrente II 
werden nun in den Kapiteln 41 bis 43 des 3. Bandes des 
„Kapital‘“ ausführlich behandelt. Dabei können zuschüssige 
Kapitalanlagen unter der Bedingung gleichbleibender, 
fallender und steigender Produktionspreise betrachtet wer- 
den. In jedem dieser drei Fälle sind noch drei Varianten 
denkbar, je nachdem, ob die zuschüssigen Anlagen im 
Vergleich zu den bestehenden proportional, über- oder 
unterproportional steigende Produktenmengen hervor- 
bringen. 
Das Ergebnis der untersuchten Fälle und ınre Varıanten 
läßt sich wie folgt zusammenfassen: Zuschüssige Kapital- 
anlagen haben je nach regulierendem Produktionspreis 
und je nach Produktivitätsentwicklung unterschiedlich 
stark steigende Surplusprofite zur Folge. Lediglich wenn 
die Produktion auf den schlechtesten Böden eingestellt 
wird, der Marktpreis also fällt, besteht die Möglichkeit, 
daß Surplusprofit und Rente auch absolut fallen. 
Solange die zuschüssigen Kapitalanlagen mit gleichblei- 
bender fallender oder steigender Surplusproduktivität an- 
gen Produzenten, die über mehr Kapital verfügen, können 
bestimmte vorteilhaftere Produktionsmethoden anwenden, 
die erst von einem hohen Kapitalvorschuß an möglich 
sind, dann aber überproportional steigende Produkten- 
mengen hervorbringen. Der individuelle Produktionspreis 
steht hier entsprechend niedrig. 65) Surplusprofit wird 
65) Vgl. a.a.O., S. 702, Freisetzung von Kapital. 
66) Veg!.a.a.O., 5. 716.
	        

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