Full text: ARCH+ : Studienhefte für Planungspraxis und Planungstheorie (1973, Jg. 5, H. 17-20)

Waren zu Durchschnittspreisen, nicht so viel von ihrem 
immanenten Mehrwert an andere Waren ab- 
zugeben hat, daß sie nur den Durchschnitts- 
profit abwirft, sondern auch noch einen Teil ihres 
eigenen Mehrwerts realisiert, der ein Surplus über 
dem Durchschnittsprofit bildet, so daß es daher möglich. 
daß ein Farmer, der Kapital in dieser Produktionssphäre 
anlegt, die Ware zu solchen Preisen verkauft, daß sie 
ihm den gewöhnlichen Profit abwirft und ihn zugleich 
befähigt, den realisierten Überschuß des Mehrwerts der 
Ware über diesen Profit hinaus an eine dritte Person 
den Landlord. zu zahlen.” 76) 
Soll die Rente, die auf den schlechtesten landwirtschaft- 
lichen Böden gezahlt wird, in diese Kategorie fallen, so 
muß unterstellt werden, daß die organische Zusammen- 
setzung des Agrakapitals unterdurchschnittlich ist; nur 
unter dieser Voraussetzung kann der Wert über dem Pro- 
duktionspreis stehen. 
„Ob in einem bestimmten Lande kapitalistischer Produk- 
tion, in England z. B., die Zusammensetzung des agrikolen 
Kapitals niedriger ist als die des gesellschaftlichen Durch- 
schnittskapitals, ist eine Frage, die nur statistisch zu ent- 
scheiden ist, und worauf es für unsern Zweck überflüssig, 
im Detail einzugehn, (. . .) Es genügt also für die Form der 
Rente, die wir hier untersuchen und die nur unter dieser 
Annahme stattfinden kann, die Annahme zu machen. Wo 
die Hypothese wegfällt, fällt auch die ihr entsprechende 
Form der Rente weg.” 77) 
Die einfache Existenz des Überschusses des Wertes über 
den Produktionspreis reicht aber nicht aus, die wirkliche 
Zahlung der Rente zu erklären. Dieser Wertüberschuß 
mag bei einer Reihe von Manufakturwaren, wie Marx 
meint, existieren, ohne daß deshalb ein höherer Mehr- 
wert realisiert werden kann, als im Produktionspreis ent: 
halten ist. Das Kapital muß auf eine fremde Macht sto- 
ßen, „die es nur teilweise oder gar nicht überwinden 
kann und die seine Anlage in besonderen Produktions- 
sphären beschränkt, sie nur unter Bedingungen zuläßt, 
welche jene allgemeine Ausgleichung des Mehrwerts zum 
Durchschnittsprofit ganz oder teilweise ausschließen.” 78) 
Eben diese Schranke der freien Anlage von Kapital bil- 
det das Grundeigentum, das die Nutzung des Bodens 
erst zuläßt, wenn Rente gezahlt wird; und diese Rente 
kann unter den Eingangsvoraussetzungen nur gezahlt 
werden, wenn der Preis der Produkte über dem Produk- 
tionspreis steht. „Ob diese absolute Rente aber gleich 
dem ganzen Überschuß des Werts über den Produktions- 
preis oder nur gleich einem Teil desselben, die Agrikultur- 
produkte würden immer zu einem Monopolpreis verkauft, 
nicht weil ihr Preis über ihrem Wert. sondern weil er 
76) MEW 26.2.,a.a.O0.,5. 31. 
77) MEWZ2S5,a.a.O., 5.768 f. 
78) a.a.0.. 5.770. 
gleich ihrem Wert oder weil er unter ihrem Wert, aber 
über ihrem Produktionspreis stände, Ihr Monopol be- 
stände darin, nicht wie andre Industrieprodukte, deren 
Wert über dem allgemeinen Produktionspreis steht, zum 
Produktionspreis nivelliert zu werden.” 79) Daß der Über- 
schuß des Werts der Landbauprodukte über ihren Produk- 
tionspreis zu einem „bestimmenden Moment” ihres Markt- 
wertes werden kann, ist also eine Folge des Monopols des 
Grundeigentums; nicht die Verteuerung des Produkts ruft 
die Rente (oder die Möglichkeit der Rente) hervor, sondern 
die Rente ist die Ursache ihrer Verteuerung. 
„Obgleich das Grundeigentum den Preis der Bodenprodukte 
über ihren Produktionspreis hinaustreiben kann, hängt es 
nicht von ihm, sondern von der allgemeinen Marktlage ab, 
wie weit der Marktpreis über den Produktionspreis hinaus 
sich dem Wert annähert ( . . .). Auf jeden Fall ist diese ab- 
solute, als dem Überschuß des Werts über den Produktions- 
preis entspringende Rente bloß ein Teil des agrikolen Mehr- 
werts, Verwandlung dieses Mehrwerts in Rente, Abfangung 
desselben durch den Grundeigentümer; ganz wie die Diffe- 
rentialrente entspringt aus Verwandlung von Surplusprofit 
in Rente, Abfangung desselben durch das Grundeigentum, 
bei allgemein regulierenden Produktionspreis. Diese beiden 
Formen der Rente sind die einzig normalen.” 80) Diese so 
abgeleitet, von der unterdurchschnittlichen organischen 
Zusammensetzung des agrarischen Kapitals abhängige 
Rente, die nicht Differentialrente ist und gleichzeitig we- 
der aus Abzug vom Lohn des Landarbeiters oder vom 
Durchschnittsprofit gezahlt wird noch voraussetzt, daß der 
Preis der Ware über ihren Wert steigen muß, um Rente ab- 
zuwerfen. 
Die Einwände, die z. B. Hofmann in den „Sozialökonomi- 
schen Studientexten” 81) gegen die „Theorie der absoluten 
Rente” erhebt, werden hinfällig, wenn man sich diese Be- 
deutung innerhalb des Gesamtaufbaus des, Kapital” verge- 
genwärtigt. Es geht überhaupt nicht darum, wie Hofmann 
meift, eine Hypothese als „bewiesen” oder „einzig mög- 
liche” zu belegen. In der Tat reflektiert Marx das tatsäch- 
liche Verhältnis der organischen Zusammensetzung der 
Agrikultur- und Industriekapitale an mehreren Stellen 82) 
Wir haben gesehen, daß eine Beschreibung der wirklichen 
Verhältnisse nicht Marx‘Absicht war. Eine solche Beschrei- 
bung hätte statistische Untersuchungen vorausgesetzt, läßt 
aber im übrigen Marx Ableitung gänzlich unberührt. „Das 
einzige, wasich theoretisch zu beweisen habe, ist 
die Möglichkeit der absoluten Rente, ohne das Ge- 
setz des Werts zu verletzen.” 83) ‚Jedenfalls steht theore- 
79) a.a.0.,5. 771. 
80) a.a.0.,5.772. 
81) Vgl. W. Hofmann, Einkommenstheorie, in Sozialökono- 
mische Studientexte, Bd. 2, Göttingen 1965, S. 145. f. 
82) Vgl. MEW 26.2, a.a.O., S. 12 f. und S. 103 f. 
83) K. Marx, Brief an Engels v. 9.8.1862, MEW 30, S. 274, 
hier zit, nach K. Marx/F. Engels, Briefe über das „Kapital’””. 
Berlin, DDR 1954.5S. 111.
	        

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