Full text: ARCH+ : Studienhefte für Planungspraxis und Planungstheorie (1973, Jg. 5, H. 17-20)

Wir haben gesehen,wie Marx den Preis der Waren, den er 
den „Eigentlichen Monopolpreis” nennt, methodisch aus 
seiner Untersuchung ausschließt. Grundrente, die aus die- 
sem Preis gezahlt wird, gehört nicht zu den „normalen For- 
men”, Der „eigentliche Monopolpreis” ist ein Preis, der be- 
liebig weit vom Wert und, auf entwickelter kapitalistischer 
Grundlage, vom Produktionspreis abweicht; nur von der 
Höhe des zahlungsfähigen Bedürfnisses, also vom Stand von 
Angebot und Nachfrage hängt seine Entwicklung ab. Aus 
diesem Grund nennt Wygodski diesen „eigentlichen Mono- 
polpreis” auch „Marktmonopolpreis”. Der überdurchschnitt- 
liche Profit oder, in verwandelter Form, die Grundrente, 
die dieser Preis abwirft, resultiert aus der Übertragung eines 
Teiles des immanenten Mehrwerts.der Waren, gegen die sich 
die monopolisierten Waren austauschen, in die Tasche des 
Monopolisten. Marx gibt als Beispiel für einen solchen „ei- 
gentlichen Monopolpreis” den Preis einer exklusiven Wein- 
sorte, die nur auf einer begrenzten Lage wächst, also nur in 
begrenzter Quantität hergestellt werden kann. In diesem 
Fall schafft der Monopolpreis die Rente: der überdurch- 
schnittliche Profit verwandelt sich in Rente und fällt dem 
Grundeigentümer der Lage zu. 
„Man muß unterscheiden, ob die Rente aus einem Monopol- 
preis fließt, weil ein von ihr unabhängiger Monopolpreis der 
Produkte oder des Bodens selbst existiert, oder ob die Pro- 
dukte zu einem Monopolpreis verkauft werden, weil eine 
Rente existiert. Wenn wir von einem Monopolpreis sprechen. 
so meinen wir überhaupt einen Preis, der nur durch Kauflust 
und Zahlungsfähigkeit der Käufer bestimmt ist, unabhängig 
von dem durch den allgemeinen Produktionspreis wie von 
dem durch den Wert der Produkte bestimmten Preis.” 88) 
Wie sieht im Gegensatz zu dieser „eigentlichen Monopolrente” 
die dem „eigentlichen Monopolpreis” entspringt, der Mono- 
polcharakter der beiden „normalen Formen der Grundrente” 
aus? 
a) absolute Rente 
Es ist vollständig normal, daß gleiche Kapitalvorschüsse 
in verschiedenen Sphären der Produktion ungleiche Mas- 
sen von Mehrwert produzieren. Alle anderen Bedingun- 
gen gleichgesetzt (diese Voraussetzung gilt hier durch- 
weg), ist die Masse des Mehrwerts nur abhängig von der 
durchschnittlichen organischen Zusammensetzung der 
Sphäre, Die Konkurrenz der Kapitale bewirkt, wie schon 
mehrfach behandelt, daß alle Kapitale mit Profit bedacht 
werden, gemäß ihrem Anteil am gesellschaftlichen Ge- 
samtkapital, also die gleiche Rate des Profits erreichen. 
In diese Konkurrenze greift das private Grundeigentum 
da ein, wo es den alleinigen Besitz einer entscheidenden 
Produktionsbedingung geltend machen kann. Es kann 
dies in der Agrikultur; es verhindert historisch vom Be- 
ginn der Entwicklung des Kapitalismus an, daß die Werte 
als Oszillationszentrum der Marktpreise von den Produk- 
88) MEW 235, a.a.0)., S. 783. 
tionspreisen abgelöst werden, indem es mittels des Mono- 
pols des Grundeigentums den Pächtern nur den durch- 
schnittlichen Profit zugesteht und Neuanlage von Kapi- 
tal auf bisher nicht bebauten Böden nur zuläßt, wenn 
seine Forderungen erfüllt werden. 
Das Grundeigentum reißt den Teil des immanenten Mehr- 
werts der Agrikultur an sich, der ohne seine Existenz in 
den großen Topf des gesamtgesellschaftlichen Mehrwerts 
zur allgemeinen Verteilung eingegangen wäre. Ohne die 
Existenz des privaten Grundeigentums würde also die 
Durchschnittsprofitrate und damit der Preis der Indu- 
strieprodukte höher, der Preis der Agrikulturprodukte 
niedriger sein. Die absolute Rente hat, da sie aus einem 
Surplusprofit entspringt, der ohne die Existenz des pri- 
vaten Grundeigentums nicht in dieser fixierten Form 
bestehen würde, feudalen Charakter; die Nationalisierung 
ist darum die konsequenteste Maßnahme des bürgerlichen 
Staates in Bezug auf den Boden. 
Man kann folgende Frage stellen, und Marx stellt sie 
selbst: „Wenn das Grundeigentum die Macht gibt, daß 
das Produkt über seinem Kostpreis (lies, Produktions- 
preis, d, Verf.) zu seinem Wert verkauft wird, warum gibt 
es nicht ebensogut die Macht, daß es über seinem Wert, 
also zu einem beliebigen Monopolpreis, verkauft wird? ” 
Er antwortet: „Das Grundeigentum (kann) nur so weit 
die Aktion der Kapitalien, ihre Konkurrenz, affizieren 
und paralysieren, als die Konkurrenz der Kapitalien die 
Bestimmung der Werte der Waren modifiziert. Die Ver- 
wandlung der Werte der Waren in Kostenpreise ist nur 
Folge und Resultat der kapitalistischen Produktion. 
Das Ursprüngliche ist (für den Durchschnitt), daß die 
Waren zu ihren Werten verkauft werden. Die Abweichung 
hiervon in der Agrikultur durch das Grundeigentum ver- 
hindert.” 89) 
Das Grundeigentum hat aufgrund seiner Position nur die 
Macht, diese für die kapitalistische Konkurrenz typische 
Wertmodifikation zu verhindern. Darüberhinaus vermag 
es selbständig gar nichts. Nur in diesem Sinne hat die ab- 
solute Rente einen Monopolcharakter, ist der Preis der 
Agrikulturprodukte ein Monopolpreis. Nur in diesem 
Sinne spricht Wygodski vom „Monopol des kapitalisti- 
schen Grundeigentums”, Auch wenn Marx den Begriff 
Monopolpreis .doppelt gebraucht, darf der grundlegende 
Unterschied zwischen der Monopolnatur der absoluten 
Rente und einer Rente, die aus „eigentlichem Monopol- 
preis‘ fließt, nicht übersehen werden. 
b) Differentialrente 
Während die absolute Rente in die Bildung des Durch- 
schnittsprofits und der Produktionspreise eingreift, setzt 
die Differentialrente eben diesen Vorgang voraus. 
89) MEW 26.2, a.a.0., 5. 330 t.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.