Full text: ARCH+ : Studienhefte für Planungspraxis und Planungstheorie (ab H. 28: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen) (1975, Jg. 7, H. 25-28)

ARCH+*+7. Jg. (1975) H. 27 
Da also die Grundrißvarianten — je nach Gruppengrös- 
se — von vornherein durch die Baustruktur beschränkt 
waren, war die Planungsfreiheit der Benutzer geringer als 
suggeriert. 3) 
Insgesamt zeigte sich, daß der individuelle Zuschnitt 
einiger Wohnungen den Nachmietern das Bewohnen sehr 
schwer machte. Im Mietwohnungsbau wird daher Umbau- 
variabilität zur notwendigen Konsequenz der Planungs- 
variabilität. 
Für die (Erst-) Mieter lag der besondere Nutzen vor al- 
lem in der Anpassung der Wohnung an ihre speziellen 
Bedürfnisse und in der Überschreitung von Standards 
des Sozialen Wohnungsbaus — also in Verbesserungen 
des Gebrauchswertes ihrer Wohnungen. 
_ Außerdem erwies sich die Planung über konventionel- 
le Wohnungsgrenzen hinaus als brauchbares Instrument 
zum Aufbau einer Kommunikation zwischen den Mie- 
tern — und damit zur Verbesserung der Möglichkeiten 
kollektiver Erfahrung (siehe unten). ; 
Für den Bauträger lag der besondere Nutzen zunächst 
im Aufbau des Images, eine Wohnungsbaugesellschaft zu 
sein, die zur Weiterentwicklung des Sozialen Wohnungs- 
baus beiträgt. Als kommunale Wohnungsbaugesellschaft 
war es ihre. Aufgabe, demonstrativ zu zeigen, daß Refor- 
men möglich sind. Es mußte bewiesen werden, daß auch 
unter den Bedingungen des Massenwohnungsbaus ein Woh- 
nungsbau möglich ist, der sich an den Bedürfnissen orien- 
tiert und der die Einflußnahme der Betroffenen ermög- 
licht. 
3.12. Umbauvariabilität in Steilshoop 
‚In Steilshoop war die Umbauvariabilität durch mehre- 
re Momente beschränkt. Es wurden zerstörbare Wände 
benutzt statt versetzbarer, die wegen der hohen Voraus- 
investitionen von Seiten der Wohnungsbaugesellschaft 
abgelehnt wurden. Abbruch und Neubau dieser Wände 
sind mit relativ hohen Kosten und Zeitaufwand verbun- 
den. Die Kosten müssen die Mieter tragen. Sie werden 
im allgemeinen nur dann vom Vermieter übernommen, 
wenn die Maßnahmen Teilschritte zur Rückverwandlung 
sind. Bisher sind noch keine Normalwohnungen in Grup- 
penwohnungen umgebaut worden (Abb. 3). 
Umbauvariabilität ist allerdings auch nur bei entspre- 
Chend großen Wohnungen (Gruppenwohnungen) für die 
Nutzer sinnvoll. Sie könnte den Gruppen Zusammenle- 
gungen der Wohnungen oder deren Teilung ermöglichen, 
und damit Mobilität ersparen. 
WOHNUNGSTEILUNG 
I — 
5,30 
io 
VORHANDEN 
ABBRUCH 
NEU 
| 
HH- 
STEILSHOOP 
m 
7 
1 
4.Ou 
Kosten- und Arbeitsintensität des Umbaus relativie- 
ren in Steilshoop jedoch diesen potentiellen Vorteil. 
Die Umbauvariabilität erweist sich in Steilshoop ins- 
besonders als notwendig für die vom Vermieter gefor- 
derte Rückwandelbarkeit des Hauses in Normalwohnun- 
gen und ist dort notwendige Folge der Planungsbeteili- 
gung. 
3.13. Mieterselbstorganisation in Steilshoop 
Zu der Zielsetzung gehörte von Anfang an: „,... daß 
die Bewohner über die Beteiligung an der Planung der ge- 
meinsamen Wohnumwelt hinaus die Gemeinschaftsein- 
richtungen ihres Hauses selbst bewirtschafteten und in al- 
len ihre Wohnumwelt betreffenden Belange weitgehende 
Selbstverwaltung und Mitbestimmung erhalten und ver- 
wirklichen. . .” 4) 
Maßnahmen: Die Mieterselbstverwaltung ging vor al- 
lem aus der organisierten „Kommunikation‘“ während 
der Planungsphase hervor. Hierzu schreiben die beteilig- 
ten Planer: ‚,... Wir sind uns in einem sehr frühen Sta- 
dium der Planung im klaren gewesen, als die Grundstruk- 
tur feststand, daß man diese Art von Planung hätte ratio- 
Z 
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