Full text: ARCH+ : Studienhefte für Planungspraxis und Planungstheorie (ab H. 28: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen) (1975, Jg. 7, H. 25-28)

gegenüber der Gesellschaft und als Vermieter gegenüber 
den Mitgliedern auftritt, vermieden werden. Eine Über- 
tragung dieses juristischen Modells ohne jede Vorausset- 
zung wäre daher problematisch; der Mieterverein könnte 
dann tatsächlich zum Vermieter, also ein Ausführungs- 
organ der Trägergesellschaft werden. 
b. Kollektiv zu nutzende Einrichtungen allein schei- 
nen uns keine ausreichende Basis für die Bildung eines 
kollektiven Selbstverständnisses darstellen zu können, 
vor allem dann nicht, wenn eine Mieterorganisation vom 
Bauträger initiiert und zugleich auf die „Selbstverwaltung‘ 
solcher Gemeinschaftseinrichtungen beschränkt wird wie 
in Hannover-List. 
c. Eine andere, weiterreichende Funktion scheint uns 
jedoch die Etagen-Halle in Utrecht zu haben. Sie ist über 
ihren konsumierbaren Nutzen hinaus eines der Momen- 
te, welche eine positive Identifizierung der Bewohner 
mit ihrem Wohnkomplex erlauben. Es scheint uns nicht 
zufällig zu sein, daß es sowohl hier wie in Steilshoop zur 
Bildung von Mieterselbstorganisationen kam, nicht aber 
in Hannover-List. Den ersten beiden ist gemeinsam, daß 
sich bei den Bewohnern, das Bewußtsein herausbildete, 
Teilnehmer an der Durthführung eines progressiven 
Wohnmodells zu sein. Die objektive Privilegierung der 
Bewohner aller drei Wohnmodelle gegenüber denen der 
umliegenden Siedlungen setzt sich in Steilshoop und Ut- 
recht nicht in ein Priviligierten-Bewußtsein (nach dem 
Motto: ‘Wir haben‘s besser, also sind wir was besseres‘) 
um, wie das beim Block der NEUEN HEIMAT in Hann- 
over der Fall zu sein scheint. In den beiden anderen Fäl- 
len entsteht vielmehr so etwas wie ein „Pionierbewußt- 
sein“, welches sich auch gegen den Vermieter wendet, 
wenn durch Einschränkungen oder Mieterhöhungen der 
soziale Charakter des „Modells“ infragegestellt wird. 
Insofern läßt sich wohl sagen, daß Planungs- und Nut- 
zungsvariabilität im Wohnbau, wenn.und solange sie Aus- 
nahmefälle darstellen, eine positive Identifizierung erlau- 
ben, und diese positive Identifizierung, nicht allein die 
gleiche Betroffenheit z.B. durch Mieterhöhungen, hier 
zur Bildung von Mieterorganisationen geführt haben. 
Es handelt sich um die Zusammenfassung der Diplomar- 
beit Oestereich, R.,Spiegel S.: Neue Wohnbaumodelle 
im Massenwohnbau und ihr Gehalt an Mitbestimmung, 
Wohnwertsteigerung und Bedürfnisberücksichtigung. 
Lehrstuhl für Wohnbau, Fachbereich für Architektur der 
RWTH-Aachen, WS 1974175, 233 Seiten mit Abbildun- 
gen. 
Eine für die Einschätzung des Bedarfs an anpassungsfähi- 
gem Wohnraum notwendige differenzierte Mobilitätsana- 
lyse ist nach unserer Kenntnis bisher noch nicht vorgelegt 
worden. Vergleiche dazu Bauwelt 17/72, Seite 647: 
Nach einer Untersuchung der Nassauischen Heimstätte an 
62.650 von ihr betreuten Wohnungen wurden 1971 4,9% 
yon den Mieter gewechselt. Davon gaben als Grund an: 
Wunsch nach einer größeren Wohnung 22,5% 
Bezug eines Eigenheims oder Eigentumswohnung * 12,5% 
Haushaltsauflösung (Heirat, Scheidung, Tod) 12,4% 
Wechsel des Arbeitsplatzes 10,6% 
aus Alters- oder gesundheitlichen Gründen 8.2% 
4 
ARCH+ 7. Jg. (1975) H. 27 
Wunsch nach einer kleineren/billigeren Wohnung 4,6% 
keine Angaben 29,2% 
Und indem der Zusammenhang von Mietwohnungsbau 
und Anonymität nicht verdeutlicht wurde, führte die Pla-' 
nungsvaribilität zu einem (un)gewissen Maß an Identifika- 
tion durch eben die Suggestion von Eigenleistung und In- 
dividualität. 
Informationen über das Wohnmodell, Hrsg. von der SAGA| 
Aus: „16 Monate danach“ ein Gespräch mit den Beteilig- 
ten des Wohnmodells Steilshoop in Hamburg, erschienen 
in Bauwelt 44/74, Seite 1447. 
Informationen über das Wohnmodell, Hrsg. von der 
SAGA. . 
Der Mietausfall eines sozialschwachen Mieters über sieben 
Monate wurde durch das Sozialamt ausgeglichen. Und a 
die Mietminderungsklage gegen den Bauherrn wegen der | 
unzumutbaren Wohnsituation (Baustellenlärm) wurde fal- 
lengelassen, weil man zu lange untereinander verhandelt 
hatte. 
Ziel des Wohnmodells war es, einen repräsentativen Quer-' 
schnitt durch die Gesamtbevölkerung herzustellen. Dazu 
mußte ein geeignetes Mietmodell entworfen werden. Es 
ging dabei auf der einen Seite um die Gruppe der Höher- 
verdienenden, die aufgrund der Förderungsbestimmun- 
gen nicht einzugsberechtigt gewesen wären, auf der ande- 
ren Seite ging es um Familien aus Wohnlagern, denen | 
statt einer Zwischenstation in einer „Übergangswohnung“ 
die Möglichkeit eröffnet werden sollte, direkt eine Sozial 
wohnung zu beziehen. Als Lösung für die Höherverdie- 
nenden war vorgesehen, ,, . . . einige Etagen im Regional- 
programm und einige freifinanziert zu bauen. . .” (Spille, 
in Bauwelt 42/71, Seite 1681). Diese Überlegungen führ-| 
ten dazu, daß sich einige Höherverdienende nicht zum 
Einzug entschließen konnten, denn ,, .. . bei einem Qua-| 
dratmeterpreis um 7,- DM, bzw. um 10,— DM können | 
wir uns ja fast schon eine Eigentumswohnung leisten . . .” 
(M. Buttler, Bauwelt 42/71, Seite 1678). In der weiteren | 
Diskussion wurden diese Überlegungen fallengelassen. | 
Denn der Einzug der „sozial Schwachen‘‘ wurde zur will 
kommenen Legitimation für die Höherverdienenden, die 
damit die Berechtigung erlangten im Sozialen Wohnungs‘ 
bau zu wohnen. „, . . . Die Bedenken bezüglich der Ein- 
haltung festgelegter Einkommensgrenzen können da- 
durch beseitigt werden, daß bewußt sozialschwache 
Schichten mit aufgenommen werden (kinderreiche Fa- 
milien/Rentner), was gleichzeitig auch dem politischen 
Ziel dieses Projekts gerecht würde. . .” (Auszug aus einem 
Protokoll vom 30.4.71). Für die Mieter ohne Berechti- | 
gungschein wurde die Regelung getroffen, daß sie über 
den subventionierten einheitlichen Mietsatz hinaus 2,5% 
ihres Einkommens an einen „Solidaritätsfond abführen, | 
der vom Verein verwaltet wird, Außerdem wurde das von 
ihnen zu zahlende Mieterdarlehen auf 52 DM/qm wohn} 
fläche angehoben. Dadurch konnte der Darlehenssatz 
für die mittleren und unteren Einkommensschichten auf. 
28 DM bzw. 14 DM/qm gesenkt werden. Wie wir in einer‘ 
Nachkalkulation festgestellt haben beträgt die Differenz 
zu den „Sozialmieten‘‘ für diese Personengruppe rund 2 
DM/qm. 
Bewohnereinschätzung in Bauwelt 44/74; vergl. auch 
„Die Zeit” vom 8.4.74. 
Aus einem Gespräch mit einem bei der NEUEN HEIMAT 
angestellten Planer. 
Mietvertrag der NEUEN HEIMAT, Ziffer 13. 
Aus der Rede zum Richtfest der NEUEN HEIMAT bei 
der Einweihung von Elementaproiekten in Oberhausen 
25.10.74. 
Aus einem Gespräch mit dem Sozialarbeiter der Neuen’ 
Heimat. 
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