Volltext : ARCH+ : Studienhefte für Planungspraxis und Planungstheorie (ab H. 28: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen) (1975, Jg. 7, H. 25-28)

Ehrlinger/Ettinger/Merz

Eintrittsgebühren und Einzelbeträge für Aufstellung und
Anschluß an die Ver- und Entsorgungseinrichtungen, die
meist mehr als 200 (£) in Einzelfällen sogar mehrere
tausend (&) betragen.
Monatliche Stellplatzmieten vor allem für die Benutzung
des Bodens, die je nach‘ Lage, Belegungsdichte und Ausstattung
 des Parks zwischen 60 und 105 (£) betragen.
Diverse einzelne und regelmäßige Zusatzgebühren, die in
vielen MH-Parks von Haushalten mit mehr als 2 Personen
verlangt werden.

Die Einrichtung bzw. der Betrieb von MH-Parks ist seit
einiger Zeit offensichtlich so rentabel, daß die MH-Unternehmen
 bzw. ihre Verbände viele Bodenbesitzer und Finanziers
 dazu bewegen konnten, in dieses Geschäft einzusteigen.
 Ausschlaggebend dafür war u.a.:
— daß MH-Parks oft an Standorten eingerichtet werden können,
 die infolge planungsrechtlicher Beschränkungen bzw.
wegen ihrer relativ ungünstigen Lage, schlechten Bodenqua:
lität usw. keine andere, ebenso rentable Nutzung zulassen;
daß die Stellplatzdichte der Parks infolge fehlender bauund
 planungsrechtlicher Beschränkungen hoch sein kann:
daß die Kosten für die Erschließung bzw. Ver- und Entsorgung
 u.a. infolge der hohen Stellplatzdichte und des
kostensparenden „Serieneffektes‘ bei der gleichzeitigen
Einrichtung vieler Stellplätze niedrig sind;
daß die Nutzung eines Grundstücks als MH-Park eine Interimslösung
 sein kann, die spätere spekulative Umnutzung
 für rentablere Zwecke leicht ermöglicht;
daß die jeweils aus dem Grundstück erzielbare Grundrente
 durch ständige Erhöhung der Eintrittsgebühren,
Stellplatzmieten und Zusatzgebühren immer wieder gesteigert
 werden kann, daß also das Risiko der Fehlspekulation
 beim „endgültigen‘“ Verkauf des betreffenden
Grundstücks vermieden werden kann.
Die Vermehrung der Stellplätze, die von den MH-Produzenten
 teilweise auch selbst betrieben wurde, war dringend
 nötig, um den Absatz der MH in Gang zu halten:
So wurden beispielsweise 1969 ca. 400.000 neue MH
verkauft, aber insgesamt nur ca. 157.000 Stellplätze
neu geschaffen (was gegenüber 1968 immerhin schon
eine Steigerung von 52% bedeutete) 56) Marktanalysen
behaupten, daß 60% nahezu sicherer Verkäufe von MH
daran scheitern, daß kein geeigneter Stellplatz zur Verfügung
 gestellt werden kann 57). Der Mangel ist schon
so drastisch, daß MH-Händler bis zu 150 (£) Provision
an die Verwalter von MH-Parks zahlen, die ihnen einen
Stellplatz garantieren. Gründe für den Mangel an Stellplätzen
 sind u.a. :

daß ältere Stellplätze ständig unbrauchbar werden bzw.
umgestellt werden müssen, da sie für die ständig größer
werdenden MH nicht mehr geeignet sind;
daß die — im Vergleich zum mehrgeschossigen Wohnungsbau
 — noch relativ flächenintensive Aufstellung von MH
an vielen attraktiven städtischen oder stadtnahen Standorten
 schon infolge der hohen bzw. steigenden Bodenpreise
 gar nicht erst in Frage kommt oder allenfallls eine
Interimsnutzung bleibt;
daß die MH-Parks vielen Gemeinden ein Dorn im Auge
sind und sie deshalb — im Hinblick auf begrenzte Steuerpflichtigkeit
 und geringes Sozialprestige der MH-Bewohner,
 sowie etwaige Benachteiligungen des traditionellen
örtlichen Bauhandwerks — die Aufstellung von MH mittels
 ihrer Bauleitpläne (zoning codes) verhindern oder von
der Zustimmung der Nachbarn abhängig machen 8).

#”“
+

27

Diese u.ä. Behinderungen galt es zu überwinden, um eine
kontinuierliche Steigerung des Absatzes der MH zu gewährleisten
 59): Die „Land Development Division‘‘, eine
der wichtigsten Abteilungen der MHMA bzw. des MHI
bemühte sich bereits seit 1947, mit Hilfe einiger Architekten
 und Ingenieure die Planung und Einrichtung von
MH-Parks zu unterstützen. Bereits zwischen 1960 und
1965 verdreifachte sich das Auftragsvolumen: 1960 wurden
 77 MH-Parks, 1965 bereits 206 geplant und errichtet.
 Der „Site Planning Service‘ der MHMA konzentrierte
 sich vorwiegend auf die Publikation von beispielhaften
 Planungsunterlagen (site-planning-kits etc.) für
die Erstellung von MH-Parks, in die auch hygienische
Richtlinien einflossen, die der MHMA zwischen 1953
und 1966 mit dem staatlichen „Public Health Service“
entwickelte 60). Als Anreiz für die Erstellung von MH-Parks
 verbreitete die MHMA vor allem Hinweise auf deren
besondere Rentabilität 91).

Einen durchschlagenden Anreiz schuf die MHMA, als
es ihr gelang, erstmals 1955 und vor allem seit 1969/70
— wiederum nach einer Absatzkrise — staatliche Finanzierungsbeihilfen
 für die Erstellung von MH-Parks durch.
zusetzen 92).

In letzter Zeit steigen zunehmend auch große MH-Produzenten
 und sogar branchenfremde Investoren direkt
in das Geschäft. mit den MH-Parks ein. Sie bauen und
betreiben solche Parks selbst oder verkaufen sie an einen
Händler, wenn dieser sich verpflichtet, nur ihre eigenen
MH aufzustellen. Boise Cascade beispielsweise, einer der
größten MH-Produzenten, baute bis 1970 72 MH-Parks
und nahm sich vor, bis 1973 weitere 150 in allen Teilen
der USA zu erstellen. Insgesamt gab es 1971 bereits ca.
23.000 MH-Parks, in denen mehr als 50% aller MH auf
gemieteten Stellplätzen untergebracht waren. Die übrigen
 sind entweder „illegal“ aufgestellt oder befinden
sich auf privaten Grundstücken. Je mehr größere MH
auch an einkommensstärkere Käufer abgesetzt werden,
desto mehr verstärkt sich der Trend, daß MH-Händler
Stellplätze einzeln oder in Parks auch zum Verkauf anbieten.


3.3.5 Verbesserung des MH-Images

Um den Absatz auf neue, vor allem auch einkommensstärkere
 Käuferschichten auszudehnen, mußte vor allem
der Prestigewert des MH bzw. das allgemeine Sozialprestige
der MH-Bewohner angehoben werden, denn „für viele
seßhafte, konservative Kleinstädter stellen mobile homes
immer noch dar, was sie einst ausschließlich waren: Hütten
 armer Arbeiterfamilien, die mit ihren Häusern von
Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz zogen.‘ 63) Im Volksmund
 werden sie oft gar als „Sardinenbüchsen‘“ und
„fahrbare Hurenhäuser‘“ bezeichnet (die es sogar tatsächlich
 gibt: ein bekanntes Freudenhaus in Nevada, die
„Cotton-Tail-Ranch“, besteht aus MH) 64).
Viele Gemeinden, wie z.B. Chicago, verbieten rigoros
die Aufstellung von MH oder halten sie mindestens von
            
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