den traditionellen Wohngebieten fern. Sie befürchten die
zusätzliche Belastung sozialer Infrastruktur durch die
MH-Bewohner und sie argwöhnen, daß diese keinen entsprechenden
finanziellen Ausgleich schaffen. Sie befürchten
die „Verschandelung‘“ der Wohnquartiere durch
„Blechbuden-Ghettos‘‘: „Tatsächlich ist der Anblick
der mobilen Blechbuden („nichts könnte wahrhaft
amerikanischer sein‘‘ — so „Life‘‘) in weiß-grün, weißrot,
weiß-blau oder weiß-braun bedrückend, öde und
abstoßend“ 65).
Solchen Einschätzungen versuchen die MH-Unternehmen
mit vielen Werbemaßnahmen entgegenzuwirken.
Vor allem tun dies die „Consumer Education Division“*
und das „Associations Marketing Committee““ der
MHMA bzw. des MHI 66): Jährlich wird als größte Werbeveranstaltung
die große „National Mobile Home Show‘
in Louisville durchgeführt. Unterichtsprogramme dienen
beispielsweise dazu, potentielle junge Käufer schon während
ihrer „high-school‘-Zeit für das MH als geeignete
zukünftige Wohnung zu interessieren. Seminarreihen sollen
Architekten und Ingenieure für die Planung und Errichtung
von MH-Parks begeistern. Öffentliche Hearings,
Diaserien und Filme, brancheneigene Zeitschriften sowie
Veröffentlichungen in allen möglichen Illustrierten, Tageszeitungen
und Fachzeitschriften sind darauf angelegt,
das MH in bestem Lichte darzustellen. Es werden vor allem
3 Punkte herausgestellt:
1. Es lebt sich besonders angenehm im MH bzw. im
MH-Park:
Nach dem Motto „livin‘s easier in a mobile home*‘ gibt es diesbezüglich
beeindruckende Glorifizierungen: „A man comes home
after a hard day at the office, gets out of his car, and walks towards
his mobile home — a three bedroom model with everything
from a fireplace to a garbage disposer. Walking across his redwood
porch to the sliding-glass door, he glances over toward the clubhouse,
wondering what he‘ll do tonight: tennis, swimming, billards,
a game of cards? He ponders a moment and then enters his
airconditioned home. Minutes later he emerges, dressed in his
swimming trunks — a quick dip before supper.“‘‘ 67)
2. Die MH-Bewohner sind besonders seriöse Leute.
Zahlreiche Umfragen dienen dazu, die Behörden von der Angst
zu befreien, MH-Bewohner seien dem Etat und der Moral der
Gemeinden nicht zuträglich. So wird behauptet 68):
— daß die MH-Bewohner zu den „beständigsten‘ Mitgliedern
der Gesellschaft gehören: „Over the years I have personally
seen the mobile home owning population change into one
of the most stable sectors of community“;
daß die MH-Bewohner zu einem großen Teil dem oberen Mittel:
stand angehören („selbst Professoren leben in MH“);
daß die MH-Bewohner vertrauenswürdige Bank-Kunden seien:
„I have found that mobile home owners are usually better
paying and default on their payments less than other
people‘‘;
daß die MH-Bewohner ebenso christlich seien wie die Bewohner
traditioneller Einfamilienhäuser;
daß die MH-Bewohner — It. Auskunft der Polizei — weniger
kriminell seien als die Bewohner von Einfamilienhäusern oder
anderen traditionellen Wohnungen;
daß die MH-Kinder fleßig in der Schule seien und ebenso gute
Noten hätten wie ihre „brick-and-motor-housed-cousins“ ;
daß die MH-Besitzer besonders vertrauenswürdige Adoptiveltern
seien: „In the Midwest, we uncovered several instances
Ze
“7
z
1
Ehrlinger/Ettinger/Merz
of children who were placed for adoption with mobile home
couples. Obviously, social workers must believe that mobile
homes are stable, secure environments for children.“
Obendrein wird die Seßhaftigkeit der Bewohner betont und
in einer ausführlichen Broschüre der MHMA zu beweisen versucht,
daß die MH-Bewohner pro acre (nicht pro Kopf) ebensoviel,
wenn nicht mehr Steuern bezahlen als die Bewohner traditioneller
Einfamilienhäuser 69). Da jedoch die MH-Besteuerung
von MH-Bewohnern in nahezu allen Bundesstaaten unterschiedlich
und daher undurchsichtig ist, erstrebt die MHMA bzw. das
MHI vor allem die Vereinheitlichung und gerechte Anpassung
dieser Besteuerung an die der Bewohner von traditionellen Einfamilienhäusern
— auch wenn für die MH-Bewohner finanzielle
Nachteile daraus entstehen.
3. Die MH und MH-Parks sind traditionellen Einfamilienhäusern
und Einfamilienhaussiedlungen sehr ähnlich:
Es wird vor allem auf die zunehmend große Wohnfläche, die den
traditionellen Einfamilienhäusern nachempfundene äußere „Aufmachung‘“
der MH (Mandsard- und Walmdächer, Klappläden etc.)
und auf die ebenso angepaßte innere Ausstattung (Clubmöbel,
Hausbar etc.) hingewiesen: „Fast alle Mobilheime sind am Fließband
hergestellt, dort war z.B. ein normaler Balken. Wir ersetzten
ihn durch einen Pfosten im Kolonialstil, damit es nach einem rich;
tigen Haus aussieht. Wir tapezierten mit einem altamerikanischen
Druck, damit es nach einem Haus aussieht. Wir verwendeten ein
Backsteinmotiv in der Küche, wir taten alles, um den typischen
Mobilheimcharakter zu vermeiden.‘ 70) Entsprechend wurden
auch Räder und Fahrgestell der MH zunehmend hinter Blechschürzen
mit Backstein- und ähnlichen Mustern (Skirtings) verborgen.
Die MHMA strebt sogar eine Umbenennung der MH in
„relocatable home“ oder „manufactüred home‘ an, ohne jedoch
die Vorteile der rechtlichen Definition der MH als Fahrzeuge
aufgeben zu wollen. Seit Anfang 1975 hat sich die MHMA selbst
bereits umbenannt in „Manufactured Housing Institute‘‘ (MHI).
Obendrein wird vor allem mit Hinweisen auf die staatlich anerkannten
Standards für MH und MH-Parks, deren „Seriosität“
herauszustellen versucht.
4. MH-Industrie: auf dem Wege in die Krise?
Tatsächlich haben die MH-Unternehmen und ihre Verbände
es geschafft, immer neue Käufergruppen zu erschließen.
Die größten Erfolge hatten sie bisher bei jungen
Familien und Rentnern 71):
— 50% der Haushaltsvorstände von MH waren Anfang
der 70er Jahre jünger als 35 (US-Durchschnitt:
25%). 29% waren zwischen 35 und 55, 21% 55 und
älter bzw. pensioniert.
20% dieser MH-Haushalte waren „Neugründungen‘‘
(in traditionellen Einfamilienhäusern dagegen nur
4%). Es handelte sich dabei vor allem um kinderlose
Ehepaare zwischen 20 und 29.
Naheliegend betrachten 1/3 der MH-Bewohner das MH
nur als „Provisorium“‘ bis zum Kauf eines „richtigen“
Einfamilienhauses. Aber die für die Erneuerung der
Nachfrage „ausschlaggebenden Altersgruppen nehmen
rasch zu. Die Anzahl der 15 bis 35jährigen hat sich um
mehr als 30% und die der über 55jährigen um gut 20%
erhöht (1960 bis 1970), dies bei einem gesamten Bevölkerungszuwachs
von 13,3%“ 72).
Marktanalysen wiesen um 1970 daraufhin, daß die