Volltext : ARCH+ : Studienhefte für Planungspraxis und Planungstheorie (ab H. 28: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen) (1975, Jg. 7, H. 25-28)

Ehrlinger/Ettinger/Merz

Anmietung eines Stellplatzes ist oft nur möglich, wenn
der MH-Kauf über den park manager abgewickelt wurde
(closed park).
Neuzugänge von 5 Jahre alten und älteren MH werden
nicht zugelassen, offensichtlich auch, um den Gebraucht
Markt für MH zu behindern, Die Festlegung auf 5 Jahre
scheint nicht zufällig, da die durchschnittliche Umzugshäufigkeit
 der MH-Bewohner etwa 5 Jahre beträgt.
5 Jahre alte und ältere MH, die innerhalb eines MH-Parks
verkauft werden, müssen oft aus diesem entfernt werden,
wenn der Verkauf nicht über den park manager abgewikkelt
 wurde. In diesem Falle finden sie meist nur noch einen
 „illegalen“ Stellplatz.
Verkaufte MH müssen aus einigen Parks generell entfernt
werden.
Nur bestimmte Standardtypen bzw. -größen von MH
werden in vielen Parks zugelassen, um ein „einheitliches
und attraktives Aussehen‘ zu gewährleisten.
Miethöhen und -erhöhungen, Aufstell- und Eintritts- sowie
 Zusatzgebühren können willkürlich, ohne Kostennachweis,
 festgesetzt werden. Die MH-Bewohner haben
allenfalls das Recht, nach einer Begründung zu fragen.
Und da gibt es viele: nur schwer nachprüfbare Steuererhöhungen,
 Steigerungen der Instandhaltungskosten etc.
Besucher müssen Gebühren entrichten, dürfen aber Park-Einrichtungen
 oft trotzdem nicht benützen.
Alter und Gruppen von MH-Besitzern, die in einen. MH-Park
 einziehen dürfen, werden oft eng begrenzt. Z.B. wer:
den manchmal nur Ehepaare, von denen wenigstens ein
Partner über 55 Jahre alt ist, im Park zugelassen.
Alte und Junge werden oft — in der Absicht, Konflikte
zu vermeiden — in 2 getrennten Abteilungen des Parks
untergebracht.
Kinder (z.T. begrenzt auf max. 3) und Haustiere (z.T.
begrenzt auf max. 2) kosten je 5 (9) extra, falls sie nicht
überhaupt als Bewohner (wie in 20% aller Kalifornischen
Parks) oder sogar als Besucher ausgeschlossen bleiben.
Größe und Gewicht der Haustiere sind fast immer limitiert:
 „Pets may not be over 10 inches high at the hips,
measured when the animal is standing erect, and not
over 26 pounds.“ 86)
Ausgehzeiten der Bewohner werden in vielen Parks genau
vorgeschrieben: „Die Jungen müssen sich etwas einschränken,
 ab 10 Uhr herrscht Ausgehverbot, was sie drinnen
machen, geht uns nichts an, wenn sie die Nachbarn nicht
stören.“ 87)
Benutzung von Fahrrädern, Motorrädern u.a. ist in einigen
 Parks generell verboten oder nur in einem ausgewiesenen
 Gebiet zugelassen.
Alle Stellplätze müssen meist nach genauen Vorschriften

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in Ordnung gehalten werden.
Garagen, Veranden, Verkleidungen der Räder mit Schürzen
 oder Blenden, Klappläden usw. müssen meist nach ge:
nauen Regelungen aufgestellt bzw. angebracht und beim
park manager gekauft werden.

An die nach dem Gesetz „Höchster Gewinn bei geringster
Investition‘ produzierten MH haben sich die meisten Bewohner
 der MH-Parks gewöhnt (? ). Nicht umsonst wurde
die schnell zerfallende „Fließband-Architektur“ der MH,
deren Halbwertszeit nur selten 5 Jahre übersteigt, von ihren
Produzenten mit Symbolen der Beständigkeit „geschmückt‘
deren Kosten oft bis 15% der MH-Gesamkosten ausmachen
 88). Die „Sardinenbüchsen“ sind überformt mit Mansard-
 und Spitzdächern, Schindeln, vorgetäuschten Holz-,
Natur- und Ziegelsteinfassaden,imitierten griechischen
Säulen, „Schnitz- und Stuckarbeiten“‘ aus Styropor,
Kunststofftüren und -klappläden „in Eiche“ (und anderen
 „Hölzern“), Erkern und Kaminen. Es gibt sie im Stil
der Pionierhütten und ebenso in dem der Kolonialvillen,
in „empire-““, „old-english-‘“ und in „country-style“, mit
gotischen, romanischen und vielen, vielen anderen Fenstern...
 .
Heinrich Klotz würde sagen: „Kitsch .. ., sogenanntes.
‘herabgesunkenes Kulturgut‘, zum Massenverbrauch versüßlicht
 und damit reaktionär,‘“ und obendrein: „„...
ist Kitsch überhaupt eine Geschmacksfrage oder nicht
vielmehr Bedürfnisregelung?‘“ (So in ARCH+ 27, in seinem
Aufsatz über die „röhrenden Hirsche der Architektur“‘).
An das Drumherum, an die „Karrikatur der Gartenstadtidee,
 die ihren Bewohnern Individualität im Grünen verspricht‘“
 90), aber stattdessen den erst für 1984 von Orwell
 verheißenen Kontrollen unterliegt, können sich
viele der Parkbewohner noch nicht gewöhnen: „Ich habe
 diesen Trailerpark überhaupt nicht gern, wegen des
Managers. . . . Der Park ist wie ein Gefangenenlager.
Wie ein Polizeiposten.‘“ 91)
Andere, die reichen Bewohner der luxuriösen Parks,
die häufig den Stellplatz selbst besitzen, haben das MH-Park-Leben
 zur neuen Mode, zum exklusiven Lebensstil
 erkoren. Sie, die durch die vielen Einbruchsdelikte
in den Einfamilienhausgegenden der „suburbs‘‘ verun-
            
Waiting...

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