Full text: ARCH+ : Studienhefte für Planungspraxis und Planungstheorie (ab H. 28: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen) (1975, Jg. 7, H. 25-28)

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Abbildung 3: 
Anteil der Lohnabhängigen am Volkseinkommen 
ır Die Reichen werden 
immer reicher 
inProzent| Entwicklung der Erwerbstätige: 
in der Bundesrepublik | SOME Penn 82,0 
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Anteil der unselbständigen Arbeitnehmer am 
Volkseinkommen unter Annahme N d 
Beschäftigungsverhältnisse wie1950 
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1950 1955 1960 1965 1970 
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Gesunken statt gestiegen ist der Anteil der Lohnabhängigen am Volksein- 
kommen seit den Kindertagen der Bundesrepublik. Zwar hat sich die 
Lohnquote innerhalb der letzten 20 Jahre absolut von 58,6 um rund 9 auf 
67,5 Prozent erhöht, jedoch ist gleichzeitig die Zahl. der Lohnempfänger 
um 13 auf 82 Prozent angewachsen. Das heißt: mehr abhängig Beschäftigte 
haben — prozentual am Volkseinkommen gemessen — weniger vom großen 
Kuchen als 1960. 
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KL 
— 
Quelle: Kapital und Arbeit, Material für gewerkschaftliche 
Schulungsarbeit, Tübingen 1973. 
Mit solchem „Vollkomfort ” sind beispielsweise in Stutt- 
gart (vgl. Tabelle 2) nur 23,1% des gesamten Wohnungs- 
bestandes ausgestattet. In München sind es 45,1%, in 
Frankfurt immerhin 39,1%. Nur einige Großstädte im 
Ruhrgebiet verfügen über einen ähnlich geringen Anteil 
an gut ausgestatteten Wohnungen wie Stuttgart: in Essen 
sind es 23,3%. Ohne Bad, WC und Sammelheizung, also 
ohne jeden „Komfort ” sind in Stuttgart 6,3% aller Woh- 
nungen, in München 6,7%, in Frankfurt 8,7% und in 
einigen Großstädten des Ruhrgebiets bis zu 14% (!). 
Tabelle 4 
Wohnungsausstattung in Stuttgart 
Mit Bad,‚WC, Mit Bad,WC Mit WC Ohne Bad, WC, 
Sammelheiz. Sammelheiz. 
Stadtteile abs. in% abs. in% abs. in% abs. in% 
Mitte 2319 24,7 4117 43,7 2198 23,3 
Nord 3558 35,6 4220 42,3 1902 19,8 
Ost 3407 16,2 8726 41,3 8005 37,9 
Süd 2660 16,5 5819 36,2 6583 40,9 
West 5318 225 11453 48.4 5927 250 
Inneres 18009 21,7 35652 42,9 25119 30,3 4213 85,1 
Stadtgebiet 1) 
Äußeres 30484 24,1 57677 45,6 29320 23,2 9006 7,1 
Stadtgebiet 
Stuttgart 
insgesamt 48 493 23,1 93329 44,6 54439 26,0 13219 6,3 
ARCH+ 7. Jg. (1975) H. 26 
3. Versuch einer Kategorisierung des moderni- 
sierungsbedürftigen Stuttgarter Wohnungs- 
bestands 
Die Probleme der Modernisierung stellen sich in den 
Stuttgarter Wohngebieten, die vom Stadtplanungsamt 
als Modernisierungszonen vorgeschlagen wurden (vgl. 
Abbildung 1) schon aufgrund ihrer unterschiedlichen 
Entstehungszeit und unterschiedlichen Lage im Stadtge- 
biet sehr verschieden dar. 
Wesentlich für die Verschiedenheit der Probleme sind 
vor allem jedoch die unterschiedlichen Besitz- und Miet- 
verhältnisse in diesen Wohngebieten, die vor allen ande- 
ren Ursachen unterschiedliche Standards der Wohnungen 
und Wohnfolgeeinrichtungen und damit unterschiedliche 
Belegungen der Wohnungen und Wohngebiete bedingen. 
Besonders in den Städten kann der modernisierungs- 
bedürftige Wohnungsbestand vorwiegend anhand der 
unterschiedlichen Besitz- und Mietverhältnisse und — 
davon nicht zu trennen — anhand unterschiedlicher Ent- 
stehungszeit und Lage im Stadtgebiet in folgende Pro- 
blemkategorien unterteilt werden: 
3.1 Staatlich geförderter Mietwohnungsbau 
3.1.1 Staatlich geförderter Mietwohnungsbau vor dem 
I. Weltkrieg 
Dieser Wohnungsbau entstand in der Regel außerhalb 
der damaligen zusammenhängenden städtischen Bau- 
struktur, meist in Form von „Kolonien” für Arbeiter. 
Bauherrn und Finanziers waren vor allem karitative Or- 
ganisationen und Genossenschaften, die in vielen Fällen 
auch heute noch — als gemeinnützige Träger — über die 
Wohnungen verfügen. Die Bausubstanz ist abgeschrieben. 
Das wirkt sich günstig auf die Mieten aus, die in.der 
Regel als Kostenmieten nach den Vorschriften der II. 
Berechnungsverordnung (11.BV) 41) kalkuliert werden 
müssen. 
Heute sind diese „Kolonien” in die städtische Bau- 
struktur integriert und in Einzelfällen umnutzungsge- 
fährdet — soweit sie inzwischen im Nahbereich von Ne- 
benzentren liegen. 
Stuttgarter Beispiel: Ostheim (vom Regierungspräsi- 
dium genehmigte Modernisierungszone 3). Die dortigen 
Mietwohngebäude wurden als Kolonie vom ehemali- 
gen „Verein für das Wohl der arbeitenden Klasse” in den 
Jahren 1891 bis 1901 errichtet. Es sind 2 — 4 Familien- 
Häuser mit Gärten zur Hofseite. Die 1 267 Wohnungen 
haben meist 3 oder 4 Räume (einschließlich Küche). 
Eine 3-Raum-Wohnung kostete ursprünglich 240 Mark 
Miete jährlich, während zur gleichen Zeit in der Stadt 
Stuttgart eine vergleichbare Wohnung 366 Mark kostete 
— unerschwinglich für einen damaligen Arbeiterhaus- 
halt. 42) 
Heute ist die Bevölkerung des Gebietes stark über- 
altert, der Anteil der Ausländer allerdings noch relativ 
gering, wenn auch stark im Ansteigen begriffen: In der 
Quelle: Wohnungszählung 1968 
1) Umfaßt neben den genannten Stadtteilen noch die Stadtteile Frauenkopf, 
Kaltental und Solitude
	        

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