Full text: ARCH+ : Studienhefte für Planungspraxis und Planungstheorie (ab H. 28: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen) (1975, Jg. 7, H. 25-28)

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(können), äußert sich beispielsweise darin, 
— daß die Verkehrsplanung Stuttgarts letztlich immer 
noch auf der Grundlage eines Generalverkehrsplans 
von 1965 basiert, der von einem kurzfristigen An- 
wachsen Stuttgarts auf 700.000 Einwohner ausgeht 
(ähnliches gilt m.E. für den Flächennutzungsplan 
von 1971); 
daß die Planung der sog. „U-Bahn-Talquerlinie ” 
(Weilimdorf - Feuerbach - Mitte - Degerloch - Möh- 
ringen mit Abzweig nach Sillenbuch; vgl. Abbildung 1) 
immer noch von der Annahme einer zukünftigen süd- 
lichen Trabantenstadt („„Filderstadt’””) mit etwa 
70.000 Einwohnern ausgeht. Entfiele diese Voraus- 
setzung, so müßte nämlich die gesamte Planung end- 
gültig in Zweifel gezogen werden. 
Abschließend muß festgestellt werden, daß sich ge- 
naue Aussagen über die Entwicklung des innenstadt- 
nahen Bestands an Altbauwohnungen kaum treffen 
lassen. Für einige der innenstadtnahen Wohngebiete 
scheint die Tendenz zur „Verslumung” allerdings als 
unaufhaltsam. 
Es handelt sich vor allem um Gebiete, in denen schon 
seit langem Desinvestition stattfindet und wo einerseits 
ein großer Teil der Wohngebäude schon abgerissen ist, 
diese aber andererseits noch nicht oder nicht vollständig 
durch Geschäfts- und Verwaltungsbauten ersetzt wurden. 
Die Zerstörung dieser Quartiere ist bereits soweit fortge- 
schritten, daß dort — insbesondere bei anhaltend depres- 
siver Grundtendenz der wirtschaftlichen Entwicklung — 
die Wiederherstellung eines „normalen”” Wohngebiets 
nicht mehr möglich erscheint. Die verbleibenden Wohn- 
gebäude gehen, in der Regel ohne Instandhaltung, schnell 
ihrem Verfall entgegen. Unter kapitalistischen Bedingun- 
gen finden sich allerdings bis zuletzt Mieter, deren Zah- 
Jungsfähigkeit so gering ist, daß sie auf diese Behausun- 
gen angewiesen sind. 
Fazit: Das Dilemma für die Modernisierung innen- 
stadtnaher Wohngebiete ist offensichtlich: einerseits 
schafft die wirtschaftliche Tendenzwende die Voraus- 
setzungen dafür, daß Wohnungen dort überhaupt erhal- 
ten werden können, andererseits beseitigt diese Tendenz 
wende die finanziellen Möglichkeiten öffentlicher Haus- 
‘halte, diese Voraussetzungen zu nutzen. 
Bei Umzug neue Adresse angeben! 
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ARCH+ 7. Jg. (1975) H. 26 
Ein ausführlicher Bericht über das Modernisierungspro- 
gramm, insbesondere über die Erfahrungen mit den Betei- 
ligten beim Versuch der Durchsetzung und bei der Durch- 
führung, wird vom Institut für Bauökonomie Ende Juni 
1975 vorgelegt. Zu diesem Zeitpunkt wird das Institut auch 
eine Bibliographie zum Thema „Modernisierung” (ca. 300 
Titel) veröffentlichen. 
Vgl.: Der Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen 
und Städtebau: Richtlinien für das Modernisierungspro- 
gramm 1974; vgl. auch: Innenministerium Baden-Württem- 
berg: Richtlinien für die Gewährung von Darlehen zur 
Förderung der Modernisierung von Wohnungen (Moderni- 
sierungsrichtlinien); Erlaß vom 30. Dez. 1974, Nr. V 
8555/6. 
Vgl.: Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen 
und Städtebau: Referentenentwurf eines Gesetzes zur Er- 
haltung und Modernisierung von Wohnungen (Wohnungs- 
modernisierungsgesetz — WoModG) vom 20. August 1974. 
Vgl.: Gaentzsch, G.: Städtebauförderungsgesetz - Kom- 
mentar, Siegburg 1972, S. 31 und 33. 
Nähere Angaben bei de Graaf, G.: Modernisierung von 
Wohnungen in Großbritannien (Seminarskript); Institut 
für Bauökonomie, Universität Stuttgart 1975. 
Vgl.: Statistisches Jahrbuch 1974 der DDR und Statisti- 
sches Jahrbuch für die BRD 1973; zitiert nach Hoffmann, 
M.: Lösung der Wohnungsfrage bis 1990. In: Bauwelt 
5/1975. 
Nähere Angaben bei Diekmann, P.: „Rekonstruktion” 
von Wohnungen in der DDR (Seminarskript); Institut für 
Bauökonomie, Universität Stuttgart 1975. 
Vgl.: 8 3, Abs. 1 WoModG. 
Gansauge, K,u.a.: Rehabilitierung von innerstädti- 
schen Wohngebieten, in: Bauwelt 29/ 30/1974, S. 92. 
Vgl.: Gansauge, K. u.a.: a.a.0. 
Vgl.: Becker, R.; Ehrlinger, W.; Küsgen, H.: Bauök-Papier 
9, Institut für Bauökonomie, Universität Stuttgart. 
Vgl.: Stuttgarter Zeitung vom 30.4.75: Den vorbereiten- 
den Untersuchungen ging eine Datenauswertung der 
„Freien Planungsgruppe Berlin” voraus. 
Vgl.: 8 32, Abs. 2 StBauFG. 
Vgl.: Jonas, C.: Modernisierung von Altbauten und die 
Auswirkungen auf die Mieten, In: Bauwelt 20/73, S. 892 ff, 
und Bauwelt 22/73, S. 965. 
Vgl.: Institut für Bauökonomie: Die „Sanierung”” des Stutt- 
garter Westens und ihre Auswirkungen auf den städtischen 
Haushalt. In: ARCH+ 20, S. 37 ff. 
Bei dieser Veröffentlichung handelt es sich um eine Zusam- 
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