Full text: ARCH+ : Studienhefte für Planungspraxis und Planungstheorie (ab H. 28: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen) (1975, Jg. 7, H. 25-28)

ARCH+ 7. Jg. (1975) H. 26 
Umsetzung und Bauphase. Zeitplan und Organisations- 
konzept für die blockweise Planung, Bodenordnung, 
Finanzierung und Durchführung der Sanierung. 
— Ermittlung der Realisationsalternativen. 
Zur Begründung der Senkung der Mietbelastung unter 
die der Sozialmiete, das Ergebnis über die Einkommens- 
struktur der Bewohner von der Arbeitsgruppe „Soziale 
Belange”: 
— Geringes Einkommensniveau gemessen am Berliner 
Durchschnitt: durchschnittliches Haushaltseinkom- 
men pro Monat DM 800,—, durchschnittliches Ein- 
kommen bei Einpersonen-Haushalten DM 600,—, 
davon haben jedoch 18% weniger als DM 350,—; 
66% haben ein Haushaltseinkommen zwischen 
DM 150,— und 1.000,—; 1) 
und ergänzend dazu das Ergebnis über die Gebietsbin- 
dung der Bewohner, ebenfalls von der Arbeitsgruppe 
„Soziale Belange”: 
— Starke Gebietsbindung der Bewohner: 
69% wollen wohnen bleiben, obwohl ihre Wohnungen 
mit Mängeln behaftet sind; bei Beseitigung akuter 
Wohnungsmängel wollen 84% wohnen bleiben; das 
trifft auch für die jüngeren Erwerbstätigen zu und 
für Bewohner in Hinterhäusern. 
Eine erste grobe Übersicht über die derzeit geübte 
Modernisierungspraxis ergab, daß die genannten allge- 
meinen Zielvorstellungen nicht erfüllt wurden. 
Angewandt auf das Sanierungsgebiet Klausener Platz, 
wären demnach ähnliche Ergebnisse, wie bei den bereits 
abgeschlossenen Verfahren zu erwarten gewesen: 
— zu hohe Herstellungskosten, 
— zu große Mietbelastungen, 
zu lange Durchführungszeiten, im wesentlichen verur- 
sacht durch die Forderung eines am Neubau orientier- 
ten Wohnungsstandards, der Wohnungsbauförderungs- 
bestimmungen (WFB 1972) und der Deutschen Nor- 
men für den Wohnungsbau, der nicht von der speziellen 
Situation der Altbausubstanz ausgeht. 
Die Forderung nach Einhaltung von am Neubau orien- 
tierten Rechtsverordnungen und Ausführungsvorschrif- 
ten der Bauordnung, die nicht von der speziellen Situa- 
tion der Altbausubstanz ausgehen. . 
Die Finanzierungsbedingungen, die entweder bei Teil- 
modernisierung (Fall 1) nur ausnahmsweise anwendbar 
sind oder bei durchgreifender Modernisierung (Fall 2 
+3), wie die Berliner Praxis zeigt ,von vergleichbaren 
Neubaukosten ausgehen. 
Das aber bedeutet, daß sich unter diesen Bedingungen 
die Argumentation für die Modernisierung — aller so- 
zialpolitischer Motive entkleidet — auf Begründungen 
der musealen Erhaltung des Stadtbildes reduziert; eine 
Begründung, die wir nicht ablehnen, die aber als Selbst- 
zweck nicht ausreicht, Modernisierung bei, im Ver- 
gleich zum Neubau, geringerem Nutzeffekt und teil- 
weise höheren Kosten sinnvoll erscheinen zu lassen. 
In Kenntnis dieser Lage gab es nur eine Konsequenz: 
— durch Kritik und Aufzeigen der Widersprüche tenden- 
vr 
ziell die Veränderung der vorgefundenen Bedingun- 
gen zu ermöglichen. 
Wir haben uns für diesen Weg entschieden. Für den 
Ablauf des Verfahrens bedeutete das, daß vor Aufstel- 
lung eines Bebauungsplanes die gegebenen wirtschaftli- 
chen, rechtlichen und technischen Restriktionen zu 
untersuchen und zu benennen sind. I 
Zu den Hintergründen der Modernisierungs- 
initiative 
Zur Zielrichtung der neuen Modernisierungspolitik er- 
klärte der Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen 
und Städtebau, Dr. Vogel: 
„Die Bundesregierung mißt der Modernisierung von 
Altbauwohnungen eine besondere wohnungspolitische 
Bedeutung bei. Gerade im vergangenen Jahr hat die 
steigende Nachfrage nach öffentlichen Mitteln deutlich 
gemacht, daß die Modernisierung von Wohngebäuden 
zu einem immer vordringlicheren Problem wird und 
neue Prioritäten im Rahmen der öffentlichen Förderung 
verlangt. Dabei muß es auch darum gehen, die extremen 
Qualitätsunterschiede zwischen alten und neuen Woh- 
nungen zu beseitigen. Die Einbeziehung der Altbau- 
Modernisierung in die Wohnungsbauförderung ist des- 
halb in das Arbeitsprogramm des Bundesministers für 
Raumordnung, Bauwesen und Städtebau aufgenommen 
worden . ..” 2) 
Am 21.2.1973 erklärte der Bundesminister Dr. Vogel 
vor dem Ausschuß für Raumordnung, Bauwesen und 
Städtebau: „Wir glauben, daß es an der Zeit ist, die 
Altbau-Modernisierung in die Wohnungsbauförderung 
einzubeziehen. Das bedeutet natürlich, so meinen wir, 
daß so geförderte Altbauten, bei denen ja nicht nur der 
Standard verbessert, sondern auch die Lebensdauer ver- 
längert wird, dann auch den Bindungen des sozialen 
Wohnungsbaus unterworfen werden müssen. Wir halten 
die Altbau-Modernisierung für stadtentwicklungspolitisch 
sinnvoll, und wir meinen desweiteren, daß hier noch ein 
ganz erhebliches Reservoir relativ billiger Mieten liegt 
und daß wir auf diese Weise dazu beitragen können, 
das Mieten-Niveau günstig zu beeinflussen. Hier liegt 
die Verzahnung zum Wohnungspflegegesetz. Das muß 
miteinander in Angriff genommen werden. 
... wenn man diesen Schritt tun will, muß sich das in 
einer Größenordnung bewegen, die die 100-Mio.-Grenze, 
jedenfalls im Anlaufjahr, erreicht. Die Summen, die 
bisher dazu zur Verfügung gestellt werden könnten, wür- 
den einen solchen Schritt nicht erlauben ... . ”. 
Als eine tragende Initiative für die neue Modernisie- 
rungspolitik kann der Beschluß des Stadtrates der 
Landeshauptstadt München vom 6.12.1972 gelten. 
Der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München 
schreibt hierzu in einem Begleitbrief: ‚,.. . die vor allem 
in den Innenstadtbereichen unserer Städte oft noch 
in großem Umfang vorhandene Altbausubstanz gewähr- 
leistet nämlich zumeist ein sozial gerechtes Mietniveau, 
bewahrt zugleich gefährdete Wohnnutzungen und übt
	        

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