und anderer Teile der Arbeiterklasse eine
bestimmte Anzahl von Konzessionen
durchgesetzt hatten.
Der Zusammenstoß von Parteien und
Gewerkschaften
Wenn man lediglich die konventionellen
Möglichkeiten politischer Einflußnahme
in Betracht zieht, dann sehen allerdings
die Perspektiven für die Möglichkeit
der Abwehr dieses Angriffs alles
andere als rosig aus. Bestimmte Gruppen
in den Stadtvierteln und in den Fabriken
haben sich als Lobby organisiert,
um auf die gewählten Gemeindevertreter
Druck ausüben zu können. Das hat
allerdings so gut wie keinen Sinn, wenn
man berücksichtigt, daß es nicht die
gewählten staatlichen und kommunalen
Repräsentanten, sondern Finanz- und
Bankgruppierungen sind, die durch ihr
parlamentarisch kaum beeinflußbares
Handeln die eigentlichen Schlüsselentscheidungen
setzen und die die gerade
durch die Finanzkrise geschwächten Städte
zu ihrem Vorteil schröpfen. Es ist
außerdem eine Wunschvorstellung zu
glauben, daß der Wahlsieg der Demokraten
bei den Präsidentschaftswahlen im
November (1976) an der ganzen Situation
etwas ändern könnte. Gerade Jimmy
Carter hat das Gros seiner Wähler aus den
Vorstädten und dem untersten Süden rekrutiert;
aber auch wenn ein anderer demokratischer
Kandidat sich bemühen
würde, mit ihm wettzueifern — an der
Tatsache, daß sich in den genannten Gebieten
der eigentliche Reichtum und die
Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung
konzentrieren, ändert das nichts.
Die gewerkschaftlichen Organisationen,
deren Mitglieder ebenfalls unter den Folgen
der Sozialpolitik leiden müssen, die
aus dieser Finanzkrise hervorgegangen ist,
weigern sich bislang ganz offen, zu so etwas
wie den politischen Transmissionsriemen
von Widerstand zu werden. Die Gewerkschaftszentralen
der städtischen Bediensteten
sind durch die Krisensituation
so durcheinandergebracht worden, daß
sie bislang keine Gegenmaßnahmen einleiten
konnten, nicht einmal zur Selbstverteidigung
Ihrer eigenen Mitglieder. Zwar
hat es Diskussionen über Streik und sogar
einen Generalstreik gegeben, aber es hat
sich von dieser Seite her nichts konkretes
daraus ergeben.
Was nun die Kommunalpolitik angeht,
so liegt hier die Entscheidungsgewalt nach
wie vor in den Händen der lokalen und
nationalen wirtschaftlichen Führungskräfte
und die Gewerkschaften der städtischen
Bediensteten gehen schlicht und einfach
das Risiko der totalen Auflösung ein, wenn
sie es etwa wagen sollten, allzu rebellisch
zu werden. Zur Rettung des Überlebens
der Organisation und ihrer einzelnen Sektionen
halten es die Gewerkschaftszentralen
für klüger, die Rolle der ‚„‚Verantwortungsbewußten””
zu spielen und in Zusam- viertel völlig im Recht, wenn sie sich diese
menarbeit mit Kommune und Bundesstaa- Einrichtungen aneignen. Für die Entwickten
gemeinsam „‚unvermeidbare”” Haushalt- lung eines Bewußtseins der eigenen Unterkürzungen
festzulegen. Wenn sich die ge- drückung können solche Aktionen einen
werkschaftlich organisierten Arbeiter rüh- wichtigen Stellenwert haben, während ihr
ren, dann einzig und allein, um etwas von Wert im Hinblick auf die unmittelbaren
den Privilegien zu retten, die ihnen noch Zielsetzungen doch recht beschränkt
bleiben, unter außer Achtlassung sowohl bleibt: bestenfalls tragen sie dazu bei, die
der neu entstehenden, wie der chronisch gewählten städtischen Vertreter in Verle-Arbeitslosen.
Im Großen und Ganzen legen genheit zu bringen, die, wenn es erst eindie
Gewerkschaften heute wieder genau mal soweit gekommen ist, nun nicht mehr
jenes Verhalten an den Tag, das sie schon in der Lage sind, einfach auf den vorgesein
den 30er Jahren gezeigt hatten. Bereits henen Budgetkürzungen zu bestehen und
damals konnten die Arbeitslosen und die damit gezwungen werden können,
Unorganisierten nur durch den eigenen die betreffenden Einrichtungen wieder
militanten Widerstand einige Erfolge er- zur Benutzung freizugeben und zu finanringen,
z.B. durch neuartige Formen der zieren. Mit Zunahme der Politisierung
Selbstorganisation, wie branchenbezogene in den Stadtquartieren kann es auf längere
vertikale Gewerkschaften, gegen die die Sicht jedoch dazu kommen, daß die komnach
einem korporativen Modell organisier-munalpolitisch Verantwortlichen mit Beten
traditionellen örtlichen Gewerkschafts- schlüssen zur Schließung sozialer Einrichführungen
halsstarrig ankämpften. In der tungen generell vorsichtiger werden, —
aktuellen Situation verschärft sich die eine Möglichkeit, ernsthafteren und über-Spaltung
zwischen gewerkschaftlich Orga- legteren Formen des Massenwiderstandes
nisierten und Unorganisierten noch da- eine wachsende Legitimität zu verleihen.
durch, daß sich in der ersten der beiden Eine andere Form des Widerstandes
Gruppierungen eine rasch ansteigende könnte in einer Art Übernahme von For-Zahl
von Weißen befindet, während in der men der „Selbstreduzierungs’’kampagnen
zweiten Gruppierung Schwarze und Lati- bestehen, die in Italien einen gewissen Ernoamerikaner
weithin vorherrschen. folg erzielt haben. Die „autoreduzzione”
Welche positiven Möglichkeiten bleiben soll deutlich machen, daß sich die Bevölalso
noch den pauperisierten Schichten kerung weigert, die Gesamtheit oder auch
der Arbeiterklasse der Großstädte? Das nur einen Teil der Kosten bestimmter öfeinzige
Machtmittel, das ihnen noch bleibt, fentlicher Dienstleistungen selbst zu zahscheint
es zu sein, sich systematisch einer len. So ist z.B. die Durchsetzung einer Takooperativen
Haltung zu verweigern und riferhöhung im öffentlichen Nahverkehr
zivilen Ungehorsam zu praktizieren. Von ganz offensichtlich darauf angewiesen, daß
punktuellen Aktionen, die die Kommunen die Benutzer „‚mitziehen‘”. Kampagnen
stören und belästigen würden,bis hin zu ähnlicher Art könnten gegenüber den Telegroßangelegten
Aktionen, die geeignet phon-, Gas- und Elektrizitätsgesellschaften
wären, die städtische Wirtschaft regel- laufen. Dies würde nicht nur für die privarecht
lahmzulegen, kann man sich eine ten Gesellschaften, die praktisch alle Mögganze
Reihe von Dingen vorstellen. Jenen lichkeiten zur reibungslosen Durchsetzung
Schichten, die gegenwärtig durch die Krise höherer Tarife verlieren würden, einen haram
härtesten betroffen werden, ist der Zu- ten Schlag bedeuten; dasselbe würde für
gang zu den klassischen Formen proletari- solche privaten Unternehmen gelten, die
schen Widerstandes verschlossen. Auch den derartige Gesellschaften versichern. Beson-Streik
als Durchsetzungsmittel können sie ders wirkungsvoll wären solche Kampagnicht
einsetzen, sind doch die meisten von nen insbesondere dann, wenn es organiihnen
arbeitslos oder nur in peripheren sierte Kolonnen aus der Bevölkerung gä-Wirtschaftsbereichen
beschäftigt. Was sie be, die systematisch stillgelegte Gas-, Eleksich
einzig und allein vorstellen können, trizitäts- und Telephonleitungen wieder
sind Formen eines massenhaften zivilen in Funktion setzen würden.
Ungehorsams; nur dadurch könnten die Was aber die politischen und wirtschaftpauperisierten
Teile der Arbeiterklasse der lichen Führungen am meisten treffen würde,
Großstädte auf die politischen Eliten und wäre eine Mobilisierung der Arbeiterbevöldie
Kreise des Business einen effektiven kerung der städtischen Zentren zur Blok-Druck
ausüben. kierung des Waren- und Personenverkehrs
Bislang augenfälligste Aktionen in diese auf Straßen, Brücken, Autobus- und Bahn-Richtung
sind die Besetzungen von sozia- |inien. Aktionen dieser Art hätten unmittel
len Einrichtungen durch die Bevölkerung bare Auswirkungen auf den Produktionsgewesen,
welche durch Budgetkürzungen fluß der Fabriken und könnte sogar rasch
zur Schließung bestimmt waren. (Kinder- zu seiner Paralysierung führen. Das wäre
gärten, Schulen, Bibliotheken, Altentreffs, auch zweifellos der Grund, warum sie
Feuerwehrstationen.) In New York hat es ohne Zweifel harte Repressalien der Gegenbereits
Aktionen dieser Art gegeben: die seite auslösen würden. Damit solche Ak-Besetzung
solcher Einrichtungen machen tionen jedoch überhaupt Erfolg hätten,
keine sonderlichen organisatorischen müßten sie in jedem Fall das Werk breite-Schwierigkeiten
und außerdem fühlen sich rer Massenbewegungen sein, entschlossen
die Bewohner der entsprechenden Stadt- = genug, um sich durch Gummiknüppel,
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