Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1978, Jg. 10, H. 37-42)

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ENSEMALES D’EDIFICES 
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Durand: geometrische Grundformen und Kombinationen als Grundlage des architektonischen Entwurfs, 
läßt. Die neuen Architekturen sind die 
neue Gesellschaft, zeigen deren Bewußtwer- 
dung an, sind die Ersetzung einer abstrak- 
ten Idee durch ein konkretes Bild, die rea- 
le Erfassung einer anderen Welt. Wenn 
auch die Schlachthäuser,. die Werkstätten, 
die Häuser der Erziehung und des Ver- 
gnügens für die Zeitgenossen der Architek- 
ten der Aufklärung oft nur Entwürfe blie- 
ben, so wird doch die Beziehung zu diesen 
die Substanz aller Umwandlungen in den 
großen Städten des 19. Jahrhunderts bil- 
den. 
Wir können jedoch in den Projekten die 
programmatischen Daten, die Charaktere 
— auch formale —, die wir später in den 
einzelnen konkreten Anwendungen wieder- 
finden, besser erfassen. (Louis. Ambroise 
Dubut, Schüler von Ledoux, veröffentlicht 
1806 eine Architecture civile, die im we- 
sentlichen als „jeu de cubes” verstanden 
wird.) Die Bemühung, die neuen Aktivitä- 
ten in einem Gebäude zu definieren, das 
diese vollkommen als „, Thema” aufnimmt, 
zwingt die Entwerfer nämlich, um die sub- 
stantiellen Unterschiede zwischen den neu- 
en Lösungen und den vorhergegangenen in 
voller Deutlichkeit zu zeigen, zu einem 
Vorgang der Abstraktion; sie vermeiden 
deshalb jede Entstellung (oder Anpassung) 
durch die reale städtische Struktur, die 
notwendigerweise vorher existierende Ak- 
tivitäten widerspiegelt und somit eigene 
Regeln und ganz besondere Beziehungen 
auferlegt. Die Entwürfe sind deshalb im 
allgemeinen in eine natürliche Umgebung 
„„klassischen’” Geschmacks gestellt (Lich- 
tungen, kleine Wälder, Alleen, Wasserläu- 
fe) und bilden in ihrer Gesamtheit ein 
ideales „Musterbuch’” der notwendigen 
Neuerungen, das nur in dem Vergleich 
eines Projektes mit einem anderen die 
mögliche Struktur einer anderen Stadt 
liefert. 
Die Weiterentwicklung der Prototypen 
tendiert dazu, diese in Modelle, d.h. in 
sich selbst gültige, einer perfekten Ant- 
wort auf diese oder jene Aktivität umzu- 
wandeln. In den praktischen Anwendun- 
gen wird ein und derselbe Ort — wie wir 
am Beispiel von Paris gesehen haben — von 
Mal zu Mal als Standort für Gebäude ver- 
schiedener Nutzung vorgeschlagen: Das Mo- 
dell ist nämlich unabhängig vom Standort. 
Quatremere de Quincey, der die Mög- 
lichkeit hatte, den Veränderungen des re- 
volutionären und napoleonischen Paris 
von nahem beizuwohnen und oft zu be- 
stimmen, ist der erste, der eine theoreti- 
sche Formulierung des Begriffs des „,7y- 
pus” und des „Modells”” versucht: 
„Das Wort Typus bezieht sich nicht so sehr auf 
das Bild einer zu kopierenden oder vollständig 
nachzuahmenden Sache, als auf eine Idee, die 
dem Modell als Regel! dient . . . Das künstleri- 
sche Modell dagegen ist ein Objekt, das so, wie 
es ist, wiedergegeben werden muß. Im Gegen- 
satz dazu ist der Typus etwas, aufgrund dessen 
Werke konzipiert werden können, die einander 
überhaupt nicht ähnlich sehen. Beim Modell ist 
alles präzis und vorgegeben, beim Typus bleibt 
alles mehr oder weniger unbestimmt. Daraus 
folgert, daß die Nachahmung von Typen nichts 
enthält, was Gefühl und Geist nicht wiederer- 
kennen können... In jedem Land geht die 
Baukunst in aller Regel auf einen schon zuvor 
bestehenden Keim zurück. Für alles gibt es et- 
was, was ihm vorangeht, denn nichts kann aus 
dem Nichts entstehen. Das gilt für alle mensch- 
lichen Erfindungen. Trotz späterer Veränderun- 
gen haben sie alle, für Gefühl und Verstand deut- 
lich erkennbar, ihr Grundprinzip beibehalten. 
Es stellt eine Art Kern dar, an den in der Folge 
alle Entwicklungen und Formvariationen, deren 
das Objekt fähig ist, in einer bestimmten Ord- 
nung anknüpfen. Deshalb sind tausend Dinge 
aller Art auf uns gekommen, und es ist eine der 
Hauptaufgaben von Wissenschaft und Philosophie 
deren Ursprung und letzte Ursache zu erfor- 
schen, um die Gründe für ihr Entstehen zu be- 
greifen. Das also ist es, was in der Architektur 
wie in jedem anderen Zweig der menschlichen 
Erfindungen und Institutionen als Typus zu be- 
zeichnen ist . . . Wir haben das so gründlich dis- 
kutiert, um das Verständnis für die Bedeutung 
des Wortes Typus, das in vielen Werken nur 
metaphorisch gebraucht wird, und für den Irr- 
tum derer zu wecken, die diese Bedeutung neben 
der des Modells nicht kennen oder den Typus 
mit der Strenge eines Modells verwechseln, das 
nach einer identischen Kopie verlangt.‘ 6) 
Die theoretische Arbeit, als solche auf 
die Weiterentwicklung der neuen Manu- 
fakte konzentriert, wird dazu tendieren, 
mit der praktischen Arbeit zusammenzu- 
fallen und sich mehr mit den „Möglich- 
keiten der Verbreitung” der aufgestell- 
ten Prinzipien auseinanderzusetzen als 
mit dem „Beweis’’ dieser in einigen 
herausragenden Gebäuden. Sie wird im 
folgenden immer mehr den Charakter 
einer Systematisierung derjenigen Bedürf- 
nisse annehmen, die sich in den neuen 
Aktivitäten einer sich in voller Expansion 
befindenden Gesellschaft äußern: Die Bau- 
typen sind architektonische Hypothesen, 
die „‚allen”” nützlich sind, da sie notwen- 
dig sind. 
Die zivile Architektur ist somit nicht 
mehr nur jene „nicht religiöse” oder 
„nicht militärische” Architektur: die 
neuen Architekturen tendieren dazu, sich 
mit der neuen Stadt zu identifizieren, die 
nicht nur aus Gebäuden besteht, sondern 
auch aus gepflasterten Straßen, Abwässer- 
kanälen, Einrichtungen der Versorgung 
mit Wasser und Licht usw. In dieser Iden- 
tifikation, in der die neuen Manufakte die 
Rolle von Bezugspunkten im Straßennetz 
übernehmen, auf dem die neue städtische 
Struktur aufbaut, werden die Grenzen zwi- 
schen „„Typus” und „Modell”” oft sehr labil 
sein und der Prototyp wird in vielen Fällen 
— wegen dem Umfang der anstehenden und 
zu bewältigenden Probleme — in den folgen: 
den Verwirklichungen wiederholt, vor allem 
in seiner Verbreitung von den Metropolen 
in die Provinzstädte. 
Wenn Durand, Schüler von Boullge, noch 
1801 im Recueil et parallele des edifices 
de tout genre, ancien et moderne und 
Saint-Valery Seheult 1813 in seinem Le 
genie.et le grand secrets de l’architecture 
historique die Definitionen von Quatre- 
mere de Quincey bestätigen, so präzisiert 
wenige Jahre später derselbe Durand nicht 
nur die theoretischen Begriffe der zivilen 
Architektur, sondern er verdeutlicht auch
	        

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