Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1978, Jg. 10, H. 37-42)

Strategien” der verschiedenen Initiatoren 
des Wettbewerbs aufgenommen. 
menbedingungen, „Ansätze zu neuen Ziel- 
vorstellungen’’ zu entwickeln, bzw. ‚vor- 
handene Perspektiven‘ aufzugreifen und 
„realisierbare Programmvorschläge”” zu 
machen, die auf ein besseres Miteinander 
leben der Bevölkerung, auf eine wachsen- 
de Identifikation der Bewohner mit ih- 
rem Quartier und auf die Weckung und 
Stützung des Investitionswillens der ver- 
schiedenen Bevölkerungsgruppen abzie- 
len. 
Die zentralen Anliegen der „Strategien 
für Kreuzberg’ waren somit: 
— die Verbesserung der Wohnsituation 
in SO 36, 
— der Abbau der bestehenden sozialen 
Konflikte, 
— und die Bürgerbeteiligung. 
Die Bürgerbeteiligung sollte auf mehreren 
Ebenen verwirklicht werden: 
„Mitwirken sollten die Bewohner im Rah- 
men des Wettbewerbs durch eigene Verbesse- 
rungsvorschläge und Programme. 
Mitentscheiden sollten sie in der Pro- 
jektkommission bei der Auswahl und Bewertung 
der Wettbewerbsbeiträge. 
Mitdenkern sollten die Bewohner in den 
ausgewählten Projektgruppen an. den Lösungs- 
möglichkeiten für die offensichtlichen sozialen 
und baulichen Probleme im Quartier. 
Mitarbeite n sollen die Bewohner bei 
der Durchführung der von der Projektkommis: 
sion als realisierbar ausgewählten Modernisie- 
rungsprogramme.‘6) 
Die Wettbewerbskonzeption 
Aus der Vorgeschichte der Wettbe- 
werbsausschreibung, den unterschiedli- 
chen Interessen der beteiligten Träger 
und dem latenten Bedürfnis der planen- 
den Verwaltung, ihre städtebaulichen 
und baulichen Konzeptionen möglichst 
unbehindert weiterverfolgen zu können, 
ergaben sich gegenüber üblichen städte- 
baulichen Wettbewerben unterschiedli- 
che Zielsetzungen. 
— Der Wettbewerb sollte keine städte- 
baulich-gestalterischen Lösungen, son- 
dern in erster Linie gesellschaftspoli- 
tische bzw. instrumentelle Lösungsan- 
sätze erbringen. 
Die zu erarbeitenden Wettbewerbsbei- 
träge sollten nicht auf ein fest umris- 
senes Planungsziel hinauslaufen, son- 
dern Schritte für eine prozeßhafte 
Veränderung der bestehenden Lebens- 
und Wohnverhältnisse im Quartier auf- 
zeigen. 
Gesucht wurde nach einer umfassenden 
Problembewältigung, bei der städtebau- 
lichen Vorschlägen und Aspekten ein 
untergeordneter Stellenwert zukommen 
sollte, soweit diese nicht „strategische” 
Bedeutung haben würden. 
Im Rahmen der Vorstellung einer pro- 
zeßhaften Veränderung des Quartiers 
weitgehend aus eigener Kraft, wurde be- Der Wettbewerb „Strategien für Kreuz- 
sonders nach Modellen zur Motivierung berg’” wurde zwei/stufig angelegt, d.h. die 
und Aktivierung der Bevölkerung ge- Verfasser der in der ersten Wettbewerbs- 
sucht, die eine institutionalisierte Bür- phase ausgewählten Arbeiten erhielten 
gerbeteiligung ermöglichen sollten. Die- keinen Preis, sondern sollten beauftragt 
ser Anspruch wurde mit der Einrichtung werden, gegen Honorar ihre Vorstellun- 
der Projektkommission, in der Bürger- gen in der 2. Phase zu konkreten Projek 
vertreter majorisierenden Sitz und Stim- ten zu entwickeln. 
me hatten, schon vorab glaubhaft unter- Auslober des Wettbewerbs war das 
strichen. Land Berlin, vertreten durch den Senator 
Der Wettbewerb zielte nicht auf alterna- für Bau- und Wohnungswesen, in Zusam- 
tive „beste Modelle der Stadterneue- menarbeit und Abstimmung mit der Evan- 
rung” ab, aus denen dann die besten gelischen Kirche Berlin-Brandenburg (Ber- 
herauszufiltern wären (vergl. Bauwelt lin West). 
15/1977), sondern sollte Lösungsan- Juriert wurden die Wettbewerbsbeiträ- 
sätze zu allen Teilbereichen des Lebens ge in der ersten und die Arbeit der ausge: 
im Quartier erbringen — sei es in Form wählten Projektgruppen in der zweiten 
von (theoretischen) Modellen oder Lö- Wettbewerbsphase von der Projektkom- 
sungen in Teilbereichen, die zu einem mission. Diese bestand aus 34 Mitglie- 
übergreifenden Gesamtkonzept einer Vor- dern; ein Drittel davon stellten das Be- 
gehensweise zusammengefaßt werden zirksamt Kreuzberg und der Berliner Se- 
können. nat; zwei Drittel wurden aus Bewohnern 
des Quartiers ausgewählt. Diese zwei 
Drittel setzten sich folgendermaßen zu- 
sammen: 
— 8 Mitglieder benannten die im Aus- 
schreibungsgebiet tätigen Aktivgrup- 
pen. 
14 Mitglieder vertraten die Mieter, die 
Arbeitnehmer, die Senioren, das Ge- 
werbe, die Ausländer, die Jugendli- 
chen und die Ausbilder des Quartiers. 
Diese 14 Bürgervertreter wurden vom 
Die Teilnehmer des Wettbewerbs wur- 
den aufgefordert, für die Wiederbelebung 
des Gebietes um den ehemaligen Görlit- 
zer Bahnhof in Berlin-Kreuzberg, auf der 
Grundlage bestehender kommunaler Rah- 
Auslober aus drei Vorschlagslisten 
ausgelost (zwei davon stellten die Ini- 
tiatoren des Wettbewerbs — Kirche 
und Bezirksamt — zusammen, eine 
entstand nach einem Stichprobenver- 
fahren aus der Kartei der Kreuzberger 
Volkshochschule). 
Die fachliche und organisatorische Zu- 
arbeit für die Projektkommission leiste- 
ten zum einen die Vorprüfer („, Vorberei- 
tungsgruppe”) und zum anderen der vom 
Auslober benannte Koordinator des 
Wettbewerbs mit seinem Quartiersbüro. 
Auswahlverfahren 
Der Wettbewerb „Strategien für Kreuz- 
berg‘ sollte zwar entsprechend den „,Grund- 
sätzen und Richtlinien für Wettbewerbe” 
(GRW) durchgeführt werden, doch stellte 
es sich schnell heraus, daß die GRW den 
Besonderheiten dieses Wettbewerbs nicht 
gerecht zu werden vermochten: 
— Menge und Umfang der eingereichten 
Arbeiten (129 Arbeiten mit bis zu 30 
Seiten Umfang) zogen den Entschei- 
dungsprozeß erheblich in die Länge 
(vom 2.6. bis 16.8.77 dauerte die erste 
Wettbewerbsphase). Das sonst übliche 
Verfahren, nach wenigen Sitzungen 
eine Entscheidung zu treffen, war so- 
mit nicht durchführbar. 
Ein weiteres Problem bildete die Form 
der Arbeiten. Da es sich nicht um die 
sonst üblichen Pläne und Modelle han- 
delte, sondern zum großen Teil um 
komplizierte und lange Texte, mußte 
der Wettbewerbsjury Zeit zum Studium 
dieser Texte eingeräumt werden. 
Da sich das Preisgericht nicht wie 
sonst üblich aus lauter Fachleuten 
zusammensetzte, sondern in der Mehr- 
heit aus Laien, mußte es erst lernen, 
Arbeiten dieser Art zu beurteilen. 
Die Handhabung der GRW mußte diesen 
Sonderbedingungen angepaßt werden, 
was nicht immer leicht war. Denn einer- 
seits drohte die allzu strenge Einhaltung 
der GRW das Verfahren zu sehr einzuen- 
gen, während andererseits eine allzu 
lockere Handhabung der GRW zu Ein- 
sprüchen und zur Annullierung des Wett- 
bewerbs hätte führen können. 
DER ENTSCHEIDUNGSPROZESS: 
1. WETTBEWERBSPHASE 
Die Auswahl der Arbeiten 
Die Wettbewerbsbeiträge und ihre Verfas- 
ser 
Drei Monate nach der Ausschreibung 
des Wettbewerbs zeichnete sich zum Ab- 
gabetermin am 13.5.77 folgendes Ergeb- 
nis ab: 
245 Einzelteilnehmer — zum überwiegenden 
Teil in Arbeitsgemeinschaften zusammengefaßt — 
ml
	        

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