Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1979, Jg. 11, H. 43-47, [48])

Außerdem sollten für Wohnungs- und 
Arbeitsplatztausch kommunale Mobi- 
itätsbeihilfen gegeben werden. 
IV. FAZIT: LÖSUNG DER VERKEHRS- 
PROBLEME MÖGLICH 
Bei entschlossenem, systematischem und 
integriertem Einsatz der Konzepte und 
Instrumente zur Verkehrsverbesserung 
könnte die Malaise des Stadtverkehrs 
durchaus behoben werden. Allerdings 
sind hierfür ein entschiedener politischer 
Wille und eine konsequente exekutive 
Durchsetzung erforderlich. Vor allem 
im Bereich der offiziellen Verkehrspo- 
litik ist leider noch wenig Umdenkbereit- 
schaft festzustellen. Die Verkehrsmini- 
ster von Bund und Ländern huldigen 
durchweg noch einer Art Verkehrsfata- 
lismus, wie er beispielsweise in dem 
Ausspruch von Bundesminister Gscheid- 
le zum Ausdruck kommt: „Verkehr, 
den kann man nicht steuern.” Legionen 
von Ministerialbürokraten und Straßen- 
bauverwaltern sind weiterhin auf kon- 
ventionellen Straßenbau programmiert. 
Verkehr ist aus ihrer Windschutzscheiben- 
perspektive nach wie vor vorrangig Auto- 
verkehr. Nachdenklichkeiten über Alterna- 
tiven im Stadtverkehr kann man sich dort 
„‚Micht leisten”, ohne gleich als Außen- 
seiter und Utopist zu gelten. Ein lei- 
tender Beamter des Bundesverkehrs- 
ministeriums hat das einmal so aus- 
gedrückt: „Wir machen so weiter 
wie bisher, bis uns eine früher oder 
später sicher unvermeidliche Kata- 
strophe zwingt, umzudenken.” So- 
weit darf es nicht kommen. Doch 
der eben zitierte Beamte läßt hier 
wenig Hoffnung: „‚Von oben wird 
ein Kurswechsel der Verkehrspolitik 
nicht eingeläutet”. 
Anmerkungen: 
1) Vgl. Menke, R.: Verkehrsplanung für wen? 
In: Stadtbauwelt, H. 53. 1978. S. 361 
2) Vgl. W. Schwerdtfeger: Wer geht denn 
heute noch zu Fuß? In: Verkehrsberuhi- 
gung. Ein Beitrag zur Stadterneuerung. 
= Städtebauliche Forschung. 03.071. 
Hrsg. BMBau. Bonn. 1979. 5, 67 
3) Vgl. R. Monheim: A.A.O0.S. 27 
4) Vgl. W. Schwerdtfeger: A.A.0.S. 63 
5) Vgl. Stichwort und Fakten zum Stadtver- 
kehr. Hrsg. A. K Verkehr im Bundesver- 
band Bürgerinitiativen Umweltschutz. 
Berlin 1978 
5) Vgl. R. Monheim: Von der Fußgängerstra - 
Be zur Fußgängerstadt. In: Fußgängerstadt. 
Hrsg.: Paulhans Peters, München 1977 
Vgl. H. Monheim: Verkehrsberuhigung — 
von verkehrstechnischen Einzelmaßnah- 
men zum städtebaulichen Gesamtkonzept — 
In: Verkehrsberuhigung, ein Beitrag zur 
Stadterneuerung. = Städtebauliche For- 
schung. 03.971. Hrsg.: BMBau. Bonn. 
1979. 5. 44 
8) Vgl. W. Schwerdtfeger: A.A.O. S. 64 
9) Val. W. Schwerdtfeger: A.A.O. S. 64 
7, 
Rezensionen, Berichte 
Ermutigung zur sozialen Phantasie 
Monika Hartmann, Wolfram Koblin, 
Roswitha Näbauer: selber & gemein- 
sam planen, bauen, wohnen. München 
1978, 136 Seiten DIN A4, DM 20,—. 
Zu beziehen über Roswitha Näbauer, 
Seitzstr. 10, 8000 München 2. 
Initiativen der Bewohner bis zur fast 
legalen Hausbesetzung und bis zum selbst- 
kritisch dargestellten advocacy planning. 
Ihren Reiz bekommt die Zusammen- 
stellung von der undogmatischen, sehr 
persönlichen und menschlichen Form 
der Präsentation: keine theoretische Ein- 
leitung, kein Beweiszwang, statt dessen 
sehr klug eingestreute persönliche Bemer- 
kungen und Erfahrungen, Transkripte 
von tatsächlich so verlaufenen Dialogen 
mit beamteten Planern, die von Brecht 
oder Karl Valentin sein könnten, und 
reserviert den Mutterwitz für die Kom- 
mentarspalten. 
Eine Einzelkritik der vorgestellten 
Projekte hätte sicher viel für sich, wür- 
de jedoch an den Absichten des Buches 
vorbeigehen. Denn den drei Münchner 
Architekten geht es darum, mit Beispie- 
len zu belegen, daß es auch „‚anders” 
geht. Anschaulichkeit überwindet die 
klappernden Thesen, die ohnehin meist 
Anti-Thesen bleiben, und überwindet 
auch die Unverbindlichkeit des bloß 
puren Geredes oder des Fluchttraums, 
der so oft für Gesellschaftskritik ausge- 
geben wird. Daß man bei diesem Buch 
spürt, daß da etwas lebt, macht es zu 
mehr als einer bloßen Dokumentation. 
„Selber & gemeinsam planen, bauen, 
wohnen” ist ein Vorsatz, der den Archi- 
tekten aus dem Entstehungsprozeß ent- 
weder ganz ausschließt oder ihn ebenso 
radikal einbezieht, bis hin zu der Konse- 
quenz, daß er als Architekt gar nicht 
mehr wahrnehmbar ist. Wobei letzteres 
von so manchem für ein Zeichen von 
Qualität gehalten wird. 
Aber im Ernst: Die von Monika Hart- 
mann, Wolfram Koblin und Roswitha 
Näbauer verfaßte Übersicht über die 
Versuche, anders zu bauen und zu woh- 
nen, ist in der kurzen Zeit seit ihrem 
Erscheinen schon so etwas wie ein Ge- 
heimtip geworden. Nur teilweise erklärt 
sich das aus der Sehnsucht nach Archi- 
tektur ohne Architekten, nach verblas- 
senden Hippie-Mekkas wie Drop City, 
nach Fachwerk, Trödelladen und Öko 
trip. Den Autoren — zwei von ihnen 
haben mit diesem Material eine Di- 
plomarbeit geschrieben — geht es im 
Gegenteil darum, Beispiele für den 
Versuch, anders zu leben (und was an 
Voraussetzungen so dazugehört: siehe 
oben), aus unserem stinknormalen Bau: 
geschehen herauszufiltern. Nicht Ore- 
gon oder der Orient, sondern der Gel- 
tungsbereich unserer Baugesetze und 
die dazugehörige Mentalität bilden den 
Schauplatz. Freilich, aufgelockert wird 
das Bild vor allem durch die Blicke 
über unsere Bundesgrenzen, nach Hol- 
land, Dänemark, Schweden, Österreich 
— Im ganzen doppelt so viel Beispiele 
aus unseren Nachbarländern als einhei- 
mische. Und das sollte zu denken geben. 
Einige der Projekte sind auf nur zwei 
Seiten behandelt, andere haben sechs 
bis acht. Das besagt freilich auch schon 
etwas über die Grenzen; nicht über die 
der Qualität, jedoch über die der auf so 
engem Raum noch mitteilbaren Inhalte. 
Planen’ und ‘bauen’ wird mit Foto, 
Grundriß, Textbeitrag meist besser do- 
kumentizrt als das Eingemachte und 
Vertrackte, nämlich auf Dauer mitein- 
ander zu ‘wohnen’. Wie etwa verläuft 
heute das Leben in Steilshoop, 10 Jahre 
nach dem legendären Aufbruch? Man 
hat darüber so Widersprüchliches gele- 
sen, daß man nicht recht glauben mag, 
dies alles hier ausgespart zu sehen. Ge- 
wiß, in vielen Fällen helfen die Quel- 
lenhinweise weiter. Aber so bleibt vieles 
trotz der Realisierung noch Utopie, 
weil nicht beschrieben in der alltägli- 
chen Praxis. 
Sachlich reicht die Auswahl in locke- 
rer Folge von konstruktiven Fragen 
(Wohnen um die Stockwerkhalle) bis 
zur Video-Stadtteilarbeit, von Planunas- 
Oskar Holl 
Die Stadtökonomie ist eine in der Bun- 
desrepublik sehr junge Disziplin und 
führt darüber hinaus ein Schattendasein 
Alle grundlegenden Lehrbücher waren 
angelsächsischer Herkunft. Unter die- 
sen Umständen ist es sehr verdienstvoll, 
wenn Michael Carlberg versucht, diese 
Lücke zu füllen und einen Überblick 
über die bürgerlich ökonomische Theo- 
rie der Stadt als Einführung für Ökono- 
men, Stadtplaner und Architekten zu 
liefern: 
Michael Carlberg 
STADTÖKONOMIE 
Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 
1978 
Eine Arbeit, die den Stand der bürger- 
lichen Ökonomie kompetent darstellte, 
wäre ein guter Ausgangspunkt für die 
Aussagekraft und Reichweite dieser 
Theoriebildung. Doch, Carlbergs Dar- 
stellung erweist sich schon auf den er- 
sten Seiten statt einfach und allgemein- 
verständlich als furchtbar vereinfachand. 
In der Definition seines Untersu- 
chungsgegenstandes erreicht er höch- 
stens tautologisches Niveau: „Die ‘Stadt’ 
ist Gegenstand der Stadtforschung, und 
Stadtforschung ist, was Stadtforscher 
tun. Der wissenschaftliche Name der 
Stadtforschung lautet Urbanistik, die 
Stadtforscher bezeichnen sich auch als 
Urbanologen. Wichtiger als diese Be- 
zeichnung ist, daß Stadtforschung inter- 
disziplinär angeleat ist.” (S. 13) 
RE
	        

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