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Wer baut um für
wen?
Ein politisches Verwirrspiel um
die Erhaltung einer alten Fabrik in
Xassel.
Die Kulisse - wenn auch noch im
Umbau - verspricht Imposantes:
Die Kasseler Nordstadt, ein altes
Arbeiterquartier und ehemals
Produktionsstandort großer Firmen,
wie z.B. Henschel,
Schlachthof etc. Nach der Auslagerung
und Abwanderung eben
dieser Firmen seit 1974 als Hochschulstandort
für den Ausbau der
Gesamthochschule Kassel auser-Koren.
Das angestrebte Ziel aller Verantwortlichen
bei dieser Entscheidung
war damals wie heute
die Verflechtung von Hochschule
und Stadtquartier, die Schaffung
von Nutzungs- und Aktionsmöglichkeiten
auch für die Stadtteilbe
völkerung.
Die Realität 1982:
Der Abrißbagger hat kahlschlagsaniert:
Der alte Schlachthof
weicht einem Berufsschulzentrum,
die Henschelhallen den
GHK-Neubauten. Erhalten war -
wieder mal - nicht drin. Verflechtung
auch nicht. Im Gegenteil:
aus angeblichem Raummangel
kaufte und entmietete die Gesamthochschule
benachbarte
Wohnhäuser und zog dort ein.
Auch die Rahmenbedingungen
ändern sich merklich: Hochschulfolgeeinrichtungen
verdrängen
Stadtteilläden, Studenten
die ansässigen Mieter, Speku-‚anten
kaufen sich fleißig in der
Nordstadt ein. Bis 1985 sollen
5500 Studenten am Standort
Holländischer Platz studieren.
Die Stadt Kassel zeigt sich ob
dieser Entwicklung beobachtend,
die Hochschule schlicht ianorant.
alten Industrien gehört selbstredend
auch die Atomwirtschaft).
Sie vertreten also dieselben Interessen
wie die CDU, der Unterschied
ist nur ein kultureller - und
nur insofern in politischer. Strukturkonservativ
sind sie alle.
Die Ökosozialisten wollen eine
mehrheitsfähige Volkspartei
„links von der Mitte“ (Eppler) - die
Verbindung von Arbeiterbewegung,
Ökologiebewegung, Friedensbewegung.
Zweierlei aber
wollen sie nicht wahrhaben:
1. daß die traditionelle Klientel
der SPD rechts von der Mitte. steht
(s.0.) und in allen „neuen Fragen“
auf dem anderen Ufer,
2. daß es eine Volkspartei „links
von der Mitte“ wohl nicht mehr
geben kann. Die Interessen, die
z.B. ein MBB- oder Krupp-Betriebsrat
vertritt und jene, für
welche sich z.B. ein ökologisch
orientierter Architekt oder Lehrer
einsetzt, lassen sich in der Regel
nicht mehr unter einen Hut
bringen. Daneben gibt es natürlich
auch noch „Restbestände“
sozialistischer Bildungsbürger.
Die können sich einen Debattierklub
gründen, in dessen Satzung
steht, daß jedes Mitglied immer
recht hat. Für eine Parteigründung
reicht das wohl nicht.
Marc Fester
Vom Abriß verschont blieb bisher
das Streitobjekt:
die am Rande des Hochschulerweiterungsgelände
gelegene
Kolben-Seeger-Fabrik, gebaut
um 1907 als Konservenfabrik,
Die vorläufige Erhaltung des
Gebäudes erreichte der Verein
„Zur Erhaltung historischer Gebäude
e.V.‘“, der sich für die
Fabrik einsetzte, sie selbst umnutzen
wollte und dafür ein
Modell erarbeitete. Die Hochschule
war schneller, kaufte - und
ließ leerstehen. Zwei Winter
gingen über das beschädigte
Gebäude hinweg. Dann beauftragte
der hessische Kultusminister
die Fachbereiche 12 (Architektur)
und 13 (Stadt- und Landschaftsplanung)
der GHK, ein
Umbaukonzept für das Gebäude
auszuarbeiten (24.8.1981). Die
Bedingung: es sollte wesentlich
billiger werden als die vom Hoch-Sschulbauamt
veranschlagten 4,6
Mio DM.
In den Fachbereichen, selbst
von Raumnot stark betroffen,
ging man frisch ans Werk:
Finanzierungskonzepte wurden
entworfen, Raumprogramme
diskutiert, die Beteiligung der
Stadtteilbewohner gesucht, eine
möglichst enge Verknüpfung der
Planung mit Lehre und Forschung
angestrebt. Eine Arbeitsgruppe
aus Vertretern beider
Fachbereiche und der Hoch-Schulverwaltung
wurde gebildet.
Vorstellen wollte diese Arbeitsgruppe
ihr Konzept der Öffentlichkeit
in einem ganztägigen
Kolloquium am 12.2.1982:
es stand unter einem schlechten
Stern. Ein am gleichen Tag
eingetroffener und vom Präsidenten
der GHK selbst verlesener
Erlaß des hessischen Kultusministers
ließ bei allen Kolloquiumsteilnehmern
tiefe Ratlosigkeit
und Unverständnis zurück:
.
Er halte die Vergabe der Planung
an die Fachbereiche nicht mehr
für zweckmäßig und werde eine
freie Architektengruppe beauftragen’.
Dem Erlaß eine Woche
vorausgegangen war die Ankündigung
einer Landtagsanfrage
über die skandalöse Nichtbeteiligung
einheimischer Architekten
beim Umbau der Fabrik.
Planungsmittel sollen nun vergeben
werden - keine Mittel
jedoch zur dringend notwendigen
Instandsetzung des Gebäudes.
Ergebnisse werden frühestens
1983 zu erwarten sein.
„Mitreden“ darf man von Fachbereichsseite
allerdings weiterhin.
Indes steht zu befürchten, daß
nicht nur die Betroffenenbeteiligung
auf der Strecke bleibt,
sondern auch das Gebäude
selbst. Noch steht der Abrißbagger
in Stellung.
Vom Verflechten braucht man
in diesem Zusammenhang dann
gar nicht erst zu reden - oder nur
eben das, aber bloß nicht mehr.
Klaus Hilsberg
Der BBU ruft für den
TAG DER UMWELT 1982
am 5. Juni
zu Machtvollen, dezentralen
Fahrraddemonstrationen auf.
Schwerpunktthema: ÖKOLOGIE
UND FRIEDEN
Zum gleichen Thema findet am
10. Juni in Bonn eine zentrale
Demonstration der Grünen und
der BBU aus Anlaß der NATO-Tagung
statt.
Ökologisches Bauen. Hrg.: Umweltbundesamt,
Verf.: P. u. M.
Krusche, D. Althaus, |. Gabriel,
Wiesbaden/Berlin 1982 (Bauverlag)
360 S., DM 32,-Das
Del umfassendste Buch zum Thema
mit viel Mut auch politisch-kulturell Undenkbares
zu denken. Manchmal fast schon
naiv. Ein Zukunftsbuch - auch wenn die
Zukunft wohl etwas anders aussehen wird.
Nämlich vielleicht so
K.E. Lotz: Willst du gesund
wohnen? Neueste baubiologische
Erkenntnisse. Neubau-Umbau-Sanierung,
Remscheid 1981
(Paffrath-Druck-KG, Verl., 8.
Aufl.), 223 S., DM 19,80
Öko-Institut: _Landschaftsplanung.
Belastete Landschaftverdrängte
Natur (= öko-magazin
Bd.3) Fellbach 1980 (a. Bonz),
106 S.. DM 10.-Joseph
Huber: Die verlorene Unschuld
der Ökologie. Neue Technologien
und superindustrielle
Entwicklung. Ffm. 1982 (S. Fischer),
232 S.,
Hans A. Pestalozzi: Nach uns die
Zukunft. Von der positiven Subversion.
München 1979 (Kösel),
219 S., (10. Aufl. 1981)
Pestalozzi, ein radikaler Demokrat, hat als
ehem. Leiter des Gottlieb-Duttweiler-Instituts
dessen (einst) guten Ruf begründet.
Dezentrale Wärme-Kraft-Kopplung.
Was sie schon immer
darüber wissen wollten, aber
niemand fragen konnten! OE-KAS-Planungs-
u. Entwicklungs-GmbH
(hrg.), Berlin 1981, 63 S.
DM 5.-Wilfried
Heidt (Hrg.): Abschied
vom Wachstumswahn. Ökologischer
Humanismus als Alternative
zur Plünderung des Planeten,
Achberger Verlag 1980, 283 S..
DM 21,-Claudio
Hofmann: Smog im Hirn.
Von der notwendigen Aufhebung
der herrschenden Wissenschaft.
Bensheim 1981 (päd. extra Buchverlag)
Jeremy Rifkin: Entropie. (Ein Naturgesetz
zerstört die Vorstellung,
daß Wissenschaft und
Technologie eine geordnete Welt
schaffen Entropie erklärt, warum
in allen Bereichen Krisen, Verfall,
Zerstörung und Chaos zunehmen.)
Hamburg 1982, (Hoffmann
u. Campe), 349 S.
Es geht auch anders. Ein Katalog
über Energie-Alternativen. 3257
Springe-Eldagsen, T.05044/380,
Sanfte Energie, Technologie
Verl.GmbH (Wanderausstellung)
ca. 120 S., DM 12,80
Holger G. Schwenzer/Kamilla
Will: Alternative Wohnungsversorgung.
Für eine ökologische,
selbstbestimmte und kostenbewußte
Wohnungsplanung.
Darmstadt 1982 (Verlag f. wiss.
Publikationen, Müllerstr. 12). 212
S., DM 14,80
Helen u. Scott Nearing: Ein gutes
Leben. (pala-Verlag, Schloßgraben
21, 6007 Schafheim, 173 S.,
DM 17,80)
Scott N., heute 98 Jahre alt, erhielt 1932 als
Ökonomieprofessor, Pazifist Vegetarier Berufsverbot
in USA. 19 Jahre lang betrieb das
Paar Ökobau und -anbau in Vermont, dann
holte sie 1952 die Zivilisation in Gestalt des
Skitourismus ein. Im Alter von 50 bzw. 69
Jahren fingen die in Maine noch einmal von
vorne an
M. Andritzky/K. Spitzer (Hrg.)
Grün in der Stadt. von oben. von
selbst. für alle. von allen. Reinbek
1981, 477 S., DM 16.80
Fred Kurt: Naturschutz - Illusion
und Wirklichkeit. Hamburg 1982
(Verl. P. Parey), 216 S., DM 32,-F.
Kurt vertritt einen systemökologischen
Ansatz (vgl. Zeit, Spiegel Nr. 13/82).
Dieter Hennebo: Geschichte des
Stadtgrüns, Bd 1 Berlin 1981, 2.
Aufl. (Patzer Verl.)
Klaus Lesemann: Sanieren und
Herrschen. Zur Gewaltstruktur
gebauter Räume. Gießen 1982
(focus)
Wohnungsnot durch Spekulation.
Bestandsaufnahme und Alternativen
zur Berliner Wohnungspolitik.
Hrg.: Berliner Mieterverein
e.V. (1981) in Zus. mit
Ev. Bildungswerk, Klaus Duntze.
Mit Beiträgen von K. Duntze, H.
Ries-Heide Becker, Urs Kohlbrenner,
Wulf Eichstätt u.a.), 96
S., DM 5.-Sichtbar
machen. documenta
urbana kassel Hrg.: Lucius
Burckhardt, Vladimir Nikolic
Broschüre. GhK, FB 13 Stadtund
Landschaftsplanung, Henschelstr.
2, 3500 Kassel
Freiheit macht Stadt! Der Anspruch
auf Selbstorganisation
des Alltags. Tagungsbericht der
Europäischen Kampagne zur
Stadterneuerung 1981.
Geschäftsstelle des Deutschen
Ausschusses beim Bundesminister
für Raumordnung, Bauwesen
und Städtebau, Deichmanns Aue.
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