Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1983, Jg. 15, H. 67, 68, [69/70], 71, 72)

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Bevor ich von Hannover nach Köln fahre 
(mich zieht es ins Ahrtal), rufe ich bei Herrn 
Winters im Innenministerium an. „Herr Win- 
ters ist gerade im Lagezentrum”, sagt die Se- 
kretärin, „soll ich Sie verbinden?” 
Herr Winters sagt mir ein Interview mit Mi- 
nister Baum Anfang Juli zu und verspricht 
mir außerdem, alles dafür zu tun, daß ich 
einige Tage in der Schule des Bundes für Ka- 
tastrophenschutz in Bad Neuenahr/Ahrwei- 
ler verbringen kann. „Es geht”, sagt Herr 
Winters, „um ein humanitäres Anliegen, um 
eine Darstellung der Leistungen und Gefühle 
der Menschen, die im Katastrophenschutz tä- 
tig sind.” — „Im Dienste der Humanität.” 
Der Kölner Dom wirkt in seinem Jubiläums- 
jahr von außen düster und verworren, von in- 
nen restlos rational. Bei einem erneuten Te- 
lefonat erklärt mir Herr Winters, ich könne 
die Katastrophenschutzschule leider nur ei- 
nen Tag besichtigen. Der Termin stünde 
noch nicht fest. 
Um die Wartezeit zu überbrücken, rufe ich 
bei der Pressestelle der Stadt Köln an. Ob es 
in Köln eine Mehrzweckanlage gebe, die ich 
besichtigen könnte? „Dazu können wir doch 
nichts sagen”, belehrt mich eine quengelige 
Stimme, „das ist doch alles geheim!” Ich rufe 
beim U-Bahn- und Brückenbauamt an, wer- 
de mit einem Architekten verbunden und er- 
fahre, daß in Köln-Kalk eben eine neue An- 
lage fertiggestellt wurde. Gerne würde er sie 
mir zeigen, habe erst einmal der Abgeordne- 
te Keil grünes Licht gegeben. Bei Herrn Keil 
beziehe ich mich auf meine Verhandlungen 
mit Herrn Winters und höre: „Einige Sachen 
können wir Ihnen natürlich nicht zeigen. 
Aber wenn Sie einmal positiv über die schöne 
Anlage berichten wollen ... bitte!” 
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Der U-Bahnhof Kalker Post ist noch nicht 
eröffnet, die Eingänge sind noch mit Bauzäu- 
nen versperrt. In der Fahrbahnmitte stehen 
verschalt die Lüftungsschächte, die dem Ken- 
ner sagen: Hier ist ein Mehrzweckgebäude 
nicht weit. 
Leider habe ich vergessen, Herrn Duggen- 
bender zu fragen, wie er sich schreibt. Er hat- 
te sich unter großen Mühen nun doch einen 
Dienstwagen besorgt. Nein, abholen sollte 
ich ihn nicht, in meinen Wagen wäre er nicht 
versichert. Herr D. öffnet das Schloß des 
Bauzauns und sagt, während wir die U-Bahn- 
Treppe hinabgehen: „Ein Rheinländer sind 
Sie aber nicht.” „Nein”, sage ich, „ich kom- 
me aus München.” „Franz-Josef-Stadt.” 
„Eingeschworen.” „Ja”, sagt er, „München 
ist schön”, und lobt die Fußgängerzone. 
„So”, meint er dann, „Mehrzweckbauten 
sind Ihnen ja bekannt.” 
Gleich nach der Treppe erkennt man links 
an einigen Schlössern in der Wandverklei- 
dung den künftigen Schleuseneingang. Ein 
paar Schritte weiter auf dem Fußboden her- 
aushebbare Platten; Hier wird dann die gas- 
dichte Betonwand eingefahren. Dahinter, 
wieder links, schließt Herr D. eine Tür auf, 
und wir betreten den Raum des Schleusen- 
wärters. „Von hier aus beobachtet und steu- 
ert der Schleusenwart die Schleuse”, sagt 
Herr D. gedehnt. „Es ist ein Zählwerk da. 
Der Schutzraum faßt 2225 Personen.” Ach, 
hätte ich mich doch von ihm einmal durch- 
schleusen lassen — immer ist man zu höflich! 
Wir treten wieder hinaus in die U-Bahn- 
Schalterhalle. „Das hier ist dann alles Schutz- 
raum.” In zwei Tagen sind die drei- oder vier- 
geschossigen Bettgestelle alle aufgebaut. 
Vor einer Tür neben dem zukünftigen Kiosk 
bei der Fahrscheinsperre liegt ein Scheißhau- 
fen. Herr D. schließt die Tür auf und kommt 
mit einem Wegwerfhandtuch wieder. „Das 
sind die Hunde, die kommen nachts durch 
die Baustelle.” „Hier”, sagt er, nachdem er 
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