Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1983, Jg. 15, H. 67, 68, [69/70], 71, 72)

Flach. Lager-, Fabrik- und Landwirtschafts- 
räume, eingefaßtes Portal, manchmal ein Vor- 
bau, Blind-Fenster, Satteldach (Ziegeldek- 
kung), Dachgauben, Schornstein. 
Viele Bunker aus der Zeit des zweiten Welt- 
krieges sind mittlerweile bemalt. Große 
Städte, so z.B. Bochum 1974, haben einen 
Bunker eingerüstet, Farben und je ein paar 
Quadratmeter Fläche Interessierten zur Ver- 
fügung gestellt und diese Bunker verschönern 
lassen. Stadtbildpflege nannte man das wohl. 
Poppig sahen diese Bunker anschließend aus. 
Bernd, damals Alberts Examens-Mitstrei- 
ter, hat da in Bochum mitgemacht an einem 
Wochenende. Montags kam er mit einge- 
gipstem Arm in die Fachhochschule, weil er 
vom Gerüst gefallen war, Bruch. Es hätte ja 
auch sein können: „Oberschenkelhalskno- 
chen. Die Schwachstelle. Einer weiß, daß es 
kommen wird, kann aber gegen den Fall 
nichts tun. »Gewalt des Zusammenhangs«“. 
(Negt/Kluge, Geschichte und Eigensinn. F/M 
1981, S. 11) 
Welche Opfer brachte sie mit sich, eine Zeit, 
in der Gebäude gebaut wurden, derer wir uns 
jetzt als Architekturhistoriker annehmen, um 
sie in einen Zusammenhang zu stellen? Und 
wo bleiben diese Opfer in unserer Betrach- 
tung? Baugeschichte ist doch auch eine Ge- 
schichte mit Brüchen. Bzw. diese spiegeln sich 
in ihr, weil wir sie in diesen Zusammenhang 
stellen. Die Geschichte kennt diese ihre 
Brüche aber nur aus der Zeit, wenn der Zu- 
sammenhang danach hergestellt worden ist. 
Natürlich gibt es Zufälle. Lassen wir uns 
aber darauf ein daß es keine gibt, lassen sich 
auch oft die Brüche besser erklären. Die Suche 
nach den Erklärungen dieser Brüche z.B. wird 
auch zum „Kkriegenspielen“ mit den Ge- 
danken, die von vermeintlich außerhalb des zu 
behandelnden Gegenstands sich heranschlei- 
chen, als neue Disziplin sich dazwischen- 
schiebt und stört. Es will sich da etwas unserer 
bemächtigen, was dann nichts mehr mit der 
Baugeschichte zu tun hat, belanglose Ge- 
schichten. Also immer schön sachlich blei- 
ben! 
... Ist die »Gewalt des Zusammenhangs« 
nicht auch die Geschichte, die gewaltsam man 
zu konstruieren versucht? Die „Sinngebung 
des Sinnlosen“? Wer lernt eigentlich wirklich 
noch aus der Geschichte, und vor allem wie? 
Oder wie hat diese Geschichte dann auszu- 
sehen, wenn das Lernen aus ihr noch mög- 
lich sein soll: so wie sie war, oder wie sie re- 
kontruierbar ist? 
Können wir lernen, die wir im Ruhrgebiet 
vor den Bunkern stehen, nach Lektüre einiger 
Artikel in Fachzeitschriften uns ihren Zu- 
sammenhang im Geschehen des III. Reichs, 
im Weltgefüge (oder Baugeschehen) zu einer 
bestimmten Zeit polit-ökonomisch meinet- 
wegen vorzustellen versuchen? Wir Deutschen 
sollen ausgerechnet von Bunkern lernen oder 
von der Aufarbeitung ihrer Geschichte? ... 
Also bitte! Erst mal sehn’ was das Thema 
hergibt und nicht gleich moralisieren, wie’s 
alle derzeit angesichts einer nicht vorstell- 
baren Katastrophe machen. Sachlich bleiben 
bitte. 
Erfahrungen mit Baugeschichte in der 
Bibliothek 
Katalog. Schlagwörter. Bunker: siehe Wehr- 
bauten. Natürlich, wehren, sich verteidigen. 
Gegen wen eigentlich haben (oder hatten) wir 
uns zu verteidigen, zu wehren, warum? Also 
unter „Wehrbauten“ ziemlich viele kleine 
weiße Kärtchen. 
Unter anderem: 
Bimler, Kurt 
Die schlesischen massiven Wehrbauten 
Bd. 5 Fürstenbg. Münsterberg 
Breslau 1944 
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