Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1983, Jg. 15, H. 67, 68, [69/70], 71, 72)

Die den Richtlinien vorangestellte Aufzäh- 
lung der „stark luftgefährdeten” Einrichtungen 
nennt ausschießlich Wehrmachtanlagen und 
herausragende strategische Ziele; hier ange- 
deutete städtebauliche Maßnahmen können al- 
so erst nach dem Kriege verwirklicht werden. 
Da inzwischen jedoch auch die Wohngebiete 
bombardiert werden, sind die „Luftschutzab- 
stände” zwischen Wohnhäusern und Fabriken 
wertlos geworden. 
von Wohnstätten getrennt werden, alle Bauge- 
biete weiträumig und aufgelockert bebaut und 
die Wohn- und Verkehrsdichten herabgesetzt 
werden. (...) 
Bei der Planung und Erschließung neuer Bau- 
gebiete sind sie (Anm.: die Forderungen des 
städtebaulichen Luftschutzes) uneingeschränkt 
anzuwenden. Ebenso wichtig ist es, den Wie- 
deraufbau zerstörter Stadtteile danach durch- 
zuführen. Auch sollte jede Möglichkeit ge- 
nutzt werden, bestehende Baugebiete nach 
ihnen umzugestalten. (...) 
Auch sollten Bauten nur dann mit öffentli- 
chen Mitteln gefördert werden, wenn sie den 
Erfordernissen des städtebaulichen Luftschut- 
zes im Sinne dieses Merkblattes Rechnung tra- 
gen. (...) N . ; 
Alle Baugebiete sind mit zusammenhängen- 
den Freiflächen zu durchziehen, die mit der 
freien Landschaft in Verbindung stehen. Sie 
sollen so weit verästelt sein, daß sie von allen 
Wohn- und Arbeitsstätten auf kurzem Wege zu 
erreichen sind. 
(...) um die abschirmende Wirkung dieser 
Freiflächen gegen strahlende Hitze zu erhö- 
hen, sind nach Möglichkeit Laubbäume anzu- 
pflanzen. 
Im Dezember 1952 gibt der Bundesminister 
für Wohnungsbau „im Einvernehmen mit dem 
Bundesminister des Innern” das „vorläufige 
Merkblatt Luftschutz im Städtebau” heraus.” 
Es enthält neben den erwähnten Forderungen 
der NS-Zeit an den luftschutzgerechten Städte- 
bau sämtliche Modelle, die die Planer nach 
1945 dazu entwickelt haben. 
„Selbständige, so weit wie möglich voneinan- 
der unabhängige Einheiten bei allen wichtigen 
Elementen des Stadtaufbaus” sind vorgesehen, 
ohne diese jedoch‘ genau zu quantifizieren. 
„Sie sollen nur so groß bemessen werden, wie 
es aus wirtschaftlichen Gründen erforderlich ist 
und müssen sich gegenseitig ergänzen oder er- 
setzen können: luftgefährdete Anlagen (sollen) 
x 
} 
Im Auftrage des Reichsluftfahrtministeriums und mit Zustimmung des Generalbevollmächtigten 
für die Regelung der Bauwirtschaft ruft die Fachgruppe Bauwesen e. V. im NSBDT. alle reichs- 
Jeutschen Architekten und Bauingenieure zur Schaffung von landschaftsgebundenen, preiswürdi- 
gem: und bombensicheren Luftschugßtypen auf. Preisgekrönt werden nicht nur die besten Ent- 
würfe für die Gestaltung der Schugraumbauten, sondern auch beste Vorschläge für eine wirt- 
schaftliche und kurzfristige Bauausführung. Ausgesegt sind 30 Preise im Betrage von insgesamt 
30000 RM. 
Der Standplatz von Industriebetrieben und 
anderen luftgefährdeten Anlagen soll nicht nur 
nach wirtschaftlichen und sozialpolitischen Ge- 
sichtspunkten, sondern auch nach den Not- 
wendigkeiten des Luftschutzes bestimmt wer- 
den. Dabei ist die Bodengestaltung zu berück- 
sichtigen. Markante Punkte sollen nicht als 
Standplätze gewählt und jede auffallende Ver- 
Anderung der Umgebung vermieden wer- 
en. 
Vier Jahre zuvor hat Schoszberger sich das et- 
wa so vorgestellt: 
Nur noch die Männer und die Kirche bleiben in 
der Stadt. „Baublöcke sollen nie allseitig ge- 
schlossen umbaut werden. Vielmehr ist an min- 
destens zwei Stellen des Baublocks die Bebau- 
ung zu unterbrechen. Der Abstand der Gebäu- 
de an. diesen Stellen ist so bemessen, daß au- 
ßerhalb ihres Trümmerbereichs eine Fläche in 
befahrbarer Breite verbleibt. Dabei ist der 
Trümmerbereich mit der Hälfte der Bauhöhe 
anzunehmen. (...) 
Hausreihen sollen in vier- und mehrgeschos- 
siger Bauweise nicht länger als 60 m, in ein- 
bis dreigeschossiger Bauweise nicht länger als 
75 m sein. Die Innenflächen von Baublöcken 
sind zweckmäßig von jeder Bebauung freizu- 
halten. ”!? 
„Die Frage ist nun, welche Siedlungsdichte 
unserer Städte würde es uns ermöglichen, die 
A- und die H-Bombe zu dem Punkt ihres ’ge- 
ringsten Ertrages’ und ihrer höchsten Energie- 
vergeudung zu bringen?”'® 
„Um die Wirkung von Bombentreffern und 
die Ausdehnung von Bränden einzuschränken, 
ist die Bebauung so aufgelockert und weiträu- 
mig wie nur vertretbar zu gestalten. Deshalb 
sollen Bebauungspläne so aufgestellt und 
Bauordnungsbestimmungen so gefaßt werden, 
daß die Wohndichte der Wohngebiete in kei- 
nem Falle die nachstehend aufgeführten Werte 
überschreiten kann. (...} EW/ha Netto: 
baufläche 
150 
250 
400 
500 14) 
Wie aber sollen die neuen Häuser nun ausse- 
hen? Ein Architekt sagt, welche Fehler bei der 
Gestaltung auf jeden Fall vermieden werden 
müssen: „Die Fenster werden immer größer, 
die Licht- und Sonnen-These führte zur Glas- 
wand, die dann notgedrungen Sonnenbrecher
	        

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