Volltext: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1983, Jg. 15, H. 67, 68, [69/70], 71, 72)

NORDEIFEL 
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LEGENDE 
‚TRUPPEN- BZW STANDORT UBUNGS 
PLATZ 
» BUNDESWEHRDEPOT 
DEPOT / BUNKER MIT ATOMWAFFEN 
BZW ATOMAREN SPRENGKOPFEN 
NIKE HERKULES-RAKETEN- 
STELLLNGEN , ATOMAR 
‚ATOM BOMBENFLUGPLAT Z 
»RICHTFUNK 
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+ TELESKOP-ANLAGE 
+BUNDESWEHR KASERNE 
—— EISENBAHNUNE 
LEZZ=2 AUTOBAHN VORH /GEPLANT/M Asa 
+REGIONAL / ÜBERREGIONAL BEDEUT- 
FF SAME STRASSE 
er ESS GEPLANTE STRASSE / ORTSUMGEHUNG 
222200, STRASSE VON MILITARISCHEM 
vs . 
TTS ATERESE 
SA] -WASSERSCHUTZGEBIET 
Gy NATURSCHUTZGEBIET 
Die B 56 vor Zülpich 
1. Der Atombomberflugplatz Nörvenich ist aufgrund 
seiner hohen Lärmemission in den Landesentwicklungsplan 
IV aufgenommen worden, der ’Planungsbeschränkungen 
zum Schutz der Bevölkerung vor Fluglärm’ festlegt. Aus 
ihm ergeben sich die in der Karte sichtbaren Lärmschutzzo- 
nen A - C, die für Orte innerhalb dieser Zonen nur die Kon- 
sequenz haben, daß aufgrund der Planungsbeschränkungen 
die Entwicklung dieser Orte völlig in Frage gestellt wird. 
Z.B. dürfen in Lärmschutzzone B Wohnsiedlungsbereiche, 
Schulen, Freizeiteinrichtungen etc. nur noch erstelllt wer- 
den, wenn sie schon vor Festlegung der Schutzzone geneh- 
migt waren. Betroffen sind hier insgesamt 31 Ortschaften, 
davon drei in Zone A (75 dB(A)) und fünf in Zone B (67 dB 
(A)) 
4. Zwischen den Truppenübungsplätzen Vogelsang und 
Elsenborn (Belgien) besteht eine besondere Beziehung: 
von Elsenborn aus finden regelmäßig Artillerieschießübun- 
gen nach Vogelsang statt. Diese Ubungen erfordern die 
Sperrung der B 258 zwischen Höfen (östlich von Monschau} 
und Schöneseiffen (westlich von Schleiden) und des umlie- 
genden Gebietes ’jeweils an 2 Tagen der Woche für jeweils 
5 Stunden’'”. Durch diese Sperrung wird die Eifelregion er- 
heblich beeinträchtigt, denn die B 258 ist für die Wirtschaft 
in der Nordeifel die wichtigste Anbindung an den Aachener 
Ballungsraum, und auch die Fremdenverkehrsfunktion die- 
ses Teils des Naturparks wird durch die Truppenübungs- 
plätze in Frage gestellt. Zwar unterbleiben die Schießübun- 
gen mittlerweile an Wochenenden und Feiertagen, dennoch 
zeigt sich hier, daß im Zweifelsfall die militärischen Interes- 
sen vor allen anderen Vorrang haben. 
3. Übungsplätze und Umweltschutz. In der Nordeifel 
überschneiden sich oft Naturschutz- bzw. Wasserschutzge- 
biete mit militärischen Übungsgebieten — wie auf dem Ge- 
lände des Truppenübungsplatzes Vogelsang, den Standor- 
tübungsplätzen bei Mechernich und bei Düren. sogar auf 
dem Militärflugplatz Nörvenich liegt ein Naturschutzgebiet. 
Einschränkungen des Naturschutzes und des Wasserhaus- 
haltes durch das Militär sind schon an anderer Stelle erläu- 
ıert worden, hier soll nur kurz erwähnt werden, daß dem 
Militäür in den entsprechenden Schutzgesetzen Rechte ein- 
geräumt werden, die dem eigentlichen Gesetz widerspre- 
chen. Hier zeigt sich, daß der Umweltschutz an Grenzen 
stößt. wo er auf die Interessen des Militärs trifft 
Straßenplanung aus militärischem Interesse — Beispiele: 
1. Die geplante A 56 (Waldfeucht - Düren) verläuft nur 
wenige Kilometer parallel zur in den letzten Jahren gut aus- 
gebauten B 56, die teilweise schon Autobahncharakter hat. 
Diese ’Schiene’ aus A 56, B 56, parallel verlaufender, eben- 
falls noch geplanter Landstraße (L12n/K40n/K41) und der 
Eisenbahnlinie Jülich - Euskirchen verbindet wichtige mili- 
tärische Anlagen miteinander: den Militärflugplatz ”Tever- 
ner Heide’ (AWACS), Geilenkirchen (Pershing Ia), Düren 
(A-Waffenbunker, Kasernen, Übungsplatz) und Euskir- 
chen (Nike Herkules, Kaserne...). Daß an dem Bau der A 
56 trotz Etatkürzungen auch im Straßenbau festgehalten 
wird — im Bundeshaushalt ’82 waren die ersten 10 Mio. DM 
für die A 56 bereits eingeplant — spricht für die Bedeutung 
dieser Achse für die Versorgung, aber auch für die Kriegs- 
taktik ... denn: das Pershing Ia-Flugkörpergeschwader 2 
(Standort: Geilenkirchen) rückt im Ernstfall in die Eifel 
aus. „Zweimal im Jahr sind Übungen, dann fahren die ton- 
nenschweren Sattelschlepper mit ihren Mittelstreckenrake- 
ten in ’provisorische Feldstellungen’ in die Wälder um Blan- 
kenheim, Prüm, Mayen und entlang der belgischen Gren- 
ze.” Zu diesem Zwecke wird wohl auch die Ortsumgehung 
Geilenkirchen geplant (36 Mio. DM). Eine ’provisorische 
Feldstellung’ liegt an der B 399 südwestlich von Düren im 
Hürtgenwald; interessant ist in diesem Zusammenhang der 
Neubau der B 399n als Anschluß an die B 56 bei Düren, 
aber auch der Neubau der L 263, der die Anbindung des 
Militärflugplatzes Nörvenich an die ’Schiene’ aus A 56 und 
B 56 gewährleistet 
2. Nike Herkules, Belgier und die B 51. Der Ausbau der 
B 51 (Weilerswist - Euskirchen - Blankenheim - Prüm - Bit- 
burg - Trier) ist in den letzten Jahren großzügig erfolgt; 
jetzt fehlen nur noch ’kleinere’ Ortsumgehungen wie um 
Blankenheim und um Tondorf. Die militärstrategische Be- 
deutung ergibt sich aus den Stellungen der Nike Herkules 
bei Blankenheim und Euskirchen-Billig, die von belgischen 
Einheiten bedient werden. Zwei Zeitungsmeldungen aus 
dem Euskircher Stadtanzeiger bestätigen die Funktion der 
B 51, zeigen aber auch den Versuch, militärische Interessen 
zu tarnen. Während am 28.10.82 die Forderung der Belgier 
nach dem Ausbau der B 51 und der Ortsumgehung Blan- 
kenheim gemeldet wird, da „die Belgier als Eingreiftruppe 
schneller an ihre Raketenstellungen gelangen müssen”, 
wurde die Notwendigkeit der gleichen Ortsumgehung am 
nächsten Tag in der gleichen Zeitung mit der Verdopplung 
des Verkehrsaufkommens auf der B 51 in den nächsten Jah- 
ren begründet. War damit etwa gemeint, daß die Belgier in 
den nächsten Jahren doppelt so häufig zu ihren Nikes fah- 
ren müssen? In diesem Zusammenhang steht auch der ex- 
trem gute Ausbau der L 165 (Mechernich - Eicherscheid) 
Nike-Herkules-Stellung in Blankenheim-Mülheim an der B 51 
die den Nachschub mit Raketentreibsätzen für die Nike 
Herkules aus dem Munitionsdepot bei Mechernich (über 
die gerade fertiggestellte A 1 Köln - Euskirchen - Tondorf) 
gewährleistet 
3. Die B 477 führt von Nörvenich über das Munitionsde- 
pot Mechernich zur Nike Herkules-Stellung bei Blanken- 
heim. Sie ist auch eine wichtige Nord-Süd-Verbindung der 
Bundesstraßen 56 und 51, deren militärische Bedeutung be- 
reits beschrieben worden ist. Für die B 477 sind ebenfalls 
zahlreiche Ortsumgehungen geplant — wie die Ortstangen- 
te um Mechernich, die Umgehung Floren/Sinzenich — und 
auch schon fertiggestellt worden wie die Ortsumgehung um 
Zülpich. wo die B 477 auf die B 56 trifft. 
4. Die B 266 verläuft von Lammersdorf (Richtfunk, NA: 
TO-Kommunikationsknotenpunkt) durch den Truppenü- 
bungsplatz Vogelsang — hier ist sie übrigens gleich als Pan- 
zerstraße mit Betonplatten ausgebildet, um Straßenschäden 
durch die ständige Benutzung durch Panzer etwas abzumil- 
dern — am Munitionsdepot Mechernich und am UÜbungs- 
platz bei Firmenich vorbei nach Euskirchen. Auch die B 
266 ist an zahlreichen Stellen gerade ausgebaut worden, 
teilweise sogar vierspurig. Eine weitere Umgehung dreier 
kleinerer Dörfer südwestlich von Mechernich wird weiter 
verfolgt, obwohl sogar die Stadt Mechernich in ihrer Stel- 
lungnahme zum Gebietsentwicklungsplanentwurf darauf 
hingewiesen hat, daß höchstens eine zusätzliche Kriech- 
spur, nicht aber eine völlig neue Ortsumgehung notwendig 
sei. Aber bei diesen Planungen sind die Interessen der Ge- 
meinde belanglos, wenn sie dem höheren Ziel entgegen ste- 
hen (Gewöhnlich haben aber Gemeinden gegen Ortsumge- 
hungen dieser Art nichts einzuwenden. } 
Diese Beispiele zeigen, daß sich Straßenplanungen häufig 
nur mit militärischen Interessen erklären lassen; sie sollen 
aber auch die Möglichkeit eröffnen, die Karte interpretie- 
ren zu lernen, denn dieses ’Spiel’ kann man/frau mit fast je- 
der der geplanten Straßen in der Eifel (und anderswo) 
durchführen, wenn man/frau sich vergegenwärtigt, welche 
militärischen Anlagen durch die geplante Straße verbunden 
werden und welche Vorteile das Militär daraus zieht 
Über die Thematik Aufrüstung und Straßen- 
bau ist im August 1983 die Broschüre „Stra- 
ßen des Sieges” von der Arbeitsgruppe ’Ge- 
genverkehr’ im Selbstverlag erschienen mit 
dem Ziel, Friedensgruppen und Verkehrsin- 
itiativen auf die militärische Bedeutung von 
Verkehrsinfrastruktur hinzuweisen und zu 
neuen Aktionsformen und Strategien anzure- 
gen. 
Die Broschüre ist im DIN A 4-Format ge- 
druckt und kostet 3,50 DM + Porto (ab 10 
Ex. 3,00 DM/Heft). Bestellungen an: Elke 
Metzner. Gartenstr. 3, 51 Aachen. 
Anmerkungen: 
1) Weißbuch 1979, S. 124 
ı Autonomie, Heft 4/5, 1980 
. ebd. 
4) General a.D. de Maiziete: Verteidigung in Europa- 
Mitte, München 1975, S. 15 
5) Weißbuch 1979 
6) A. Janssen: Moloch Straßenverkehr, in: Zivilverteidi- 
gung, Heft 4/1972 
7) Hartwig Flor: Die Verkehrspolitik der Bundesregie- 
rung aus der Sicht der Landesverteidigung, DVWG 
Köln 1970, S. 7 
8) ebd.,S. 8 
9) Brigadegeneral A. Schnez: Verkehr und Verteidigung, 
in: Soldat und Technik, Heft 9/1959, S. 425 
10) Frankfurter Rundschau vom 2.7.1983: SPD-Politiker in 
einer Pressekonferenz 
11) Hartwig Flor, a.a.O., S. 12 
12) ebd., S. 12 
13) ebd.,S. 12 
14) A. Janssen, a.a.O., S. 21 
15) Hartwig Flor, a.a.O., S. 14 
16) Eine grundsätzliche Regelung für den militärischen 
Verkehr auf Autobahnen und Bundesstraßen war be- 
reits 1953 im $ 8 des FStrG über ’Sondernutzungen’ ge- 
troffen worden. Auch dieser Paragraph erfährt im Zu- 
ge der Absicherung nach unten einige Differenzierun- 
gen über die Art der Sondernutzungen. 
Weißbuch der zivilen Verteidigung der Bundesrepublik 
Deutschland 1972, S. 102 
18) Kurt Kodal: Straßenrecht, S. 434, München 1978 
19) Deutsch-Belgischer Vertrag vom 24.6.1956 
20) Waffeneifel, S. ?
	        

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