Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1983, Jg. 15, H. 67, 68, [69/70], 71, 72)

ser verbleibende Anteil wird Konsumquote 
genannt. Diese ist für mittenwald mit etwa 49 
% errechnet worden. Ein Großteil der Kauf- 
kraft fließt in nahe größere Städte mit attrak- 
tiverem Angebot ab. Dies scheint eine Unter- 
suchung der Stadt Osnabrück“ mit einer Ein- 
wohnerzahl von 160.000 Auch zu bestätigen, 
wo für die stationierten deutschen Bundes- 
wehrverbände eine Konsumquote von 90 % 
ausgerechnet wurde, für die dortigen briti- 
schen Truppen von nur 62 %. 
Bei aller Vorsicht, die bei der Verallgemei- 
nerung dieser Aussagen getroffen werden 
muß, dürfte sich aber doch folgendes feststel- 
lien lassen: weder die zentralen noch die de- 
zentralen Beschaffungsgelder tragen zur Be- 
hebung regionaler Disparitäten bei, sie dürf- 
ten im Gegenteil sogar zur Unterentwicklung 
von Randgebieten führen. Der wichtigste 
Teil der Gelder für eine Garnisonsgemeinde 
ist das verfügbare Jahreseinkommen der 
Bundeswehrangehörigen, also Soldaten und 
Helga Jäger 
zivile Arbeitskräfte. Je kleiner der Ort, umso 
kleiner der Anteil vom Jahreseinkommen, 
der auch tatsächlich dort bleibt. 
Demgegenüber hat aber auch eine Militär- 
ansiedlung für kleine Gemeinde gewisse 
Nachteile: 
® Besonders Gemeinden in strukturschwa- 
chen Gebieten sind auf den Fremdenver- 
kehr angewiesen, aber auch das Militär 
siedelt sich dort gerne an, weil in diesen 
Regionen der Flächenbedarf noch gedeckt 
werden kann. Wehrmacht und Fremden- 
verkehr sind aber Entwicklungen, die sich 
schwerlich vereinbaren lassen. 
War die Garnison nach der Gründung in 
den 50er Jahren ein Magnet für alle ver- 
fügbaren zivilen Arbeitskräfte, wurde so 
eine gewerbliche Entwicklung verhindert. 
® Durch den z.T. immensen Bedarf an Flä- 
chen für beispielsweise einen Truppenü- 
bungsplatz wird eine Industrieansiedlung 
verhindert. 
ACH SE wo AUT LE 
ruppenübungsplatz Schwarzenbofr 
+ 
a TU 
Quellenangabe 
1) a.- Zimmermann, Horst: Öffentliche Aufgaben und re- 
gionale Wirtschaftsentwicklung, Tübingen Basel 
1970 
b- Maneval, Helmut, Neubauer, Günter: Untersu: 
chungen über die Wirkungen von Verteidigungsaus- 
gaben auf die regionale Wirtschaftsstruktur. 
Forschungsbericht Nr. 1 der wissenschaftlichen Ein- 
richtung Volkswirtschaftslehre der Hochschule der 
Bundeswehr München, München 1978 
2) Maneval, Helmut, Neubauer, Günter: Die Rolle der 
Garnisonen der Bundeswehr für die Räumliche Ent- 
wicklung — unter besonderer Berücksichtigung des Frei- 
staates Bayern. 
Forschungsbericht Nr. 2 der wissenschaftlichen Einrich- 
tung Volkswirtschaftllehre der Hochschule der Bundes- 
wehr München, München 1979 
entfällt 
Stadt Osnabrück, Amt für Stadtentwicklung und Stati- 
stik (Hrsg.): Die wirtschaftliche Bedeutung der Bundes- 
wehr und der britischen Streitkräfte in der Garnison Os- 
nabrück, Osnabrück 1980 
Eine ausführliche Bibliographie zum Thema ’Militär und 
Landschaft’ ist für DM 5,- zu erwerben bei Andreas 
Schmitz, Sommerweg 15a, 3500 Kassel. 
EN 11 
Maßstab 1: 25 000 Kr 
Zeichenerklärung x 
siehe Kartenblatt de fa 
Serie M B84* 77 id 
be 
% 
Die Soldaten 
sind da 
Das Beispiel Schwarzenborn 
A dministrierte Strukturschwäche... 
N eben bestimmten Ansprüchen an Relief, 
Boden- und Bewuchsstruktur, die das 
Militär stellt, sind als ständige Ubungsflächen 
solche ländlichen Gebiete prädestiniert, de- 
nen staatliche Raumordnungspolitik das Prä- 
dikat ’strukturschwach’ verliehen hat und 
Sorge für seine Beibehaltung trägt. Als Indiz 
sei hier nur die nicht zufällige Nachbarschaft 
der bundesdeutschen Naturparke, einer an- 
deren planerischen Besetzung ländlicher 
Räume, mit Armeeübungsplätzen und militä- 
rischen Einrichtungen jeder Art erwähnt. 
Häufig überlagern sich diese beiden Nutzun- 
gen direkt, wie die Beispiele niedersächsi- 
scher Heidepark, hessischer Habichtswald, 
Meißner-Kaufunger Wald, Hoher Vogels- 
berg usw. zeigen. 
„Die Nutzung dünn besiedelter und zur Abwanderung ten- 
dierender Gebiete für militärische Zwecke ( ) liegt nahe: 
der Flugplatz für Düsenjäger ist so gut ein Schicksal solcher 
Regionen wie der Naturpark. ( ) Beiden Nutzungen ist ge- 
mein, daß sie andere ausschließen”, kennzeichnete H 
Schwedt dieses Phänomen.‘ 
Die Präferierung der genannten Räume 
begründet sich in ihrer Struktur und den mit 
ihr verbundenen, für vielerlei Großprojekte 
vorteilhaft erscheinenden Qualitäten: die Bo- 
denpreise liegen eher niedrig und die Grund- 
eigentümer sind einem Landverkauf zumeist 
geneigt. Wenngleich es bundesdeutschem 
oder alliiertem Militär in vielen Fällen ge- 
lingt, seine Flächenansprüche auf staatseige- 
nem Gelände wie Forsten oder Domänen zu 
befriedigen. 
Den von militärischen Vorhaben betroffe- 
nen Gemeinden und auch den Bewohnern ist 
die Streitmacht in Spekulation auf lokalöko- 
nomische Effekte eher willkommen als unge- 
legen. 
Militär kann regionaler Wirtschaftsfaktor 
in zweifacher Hinsicht sein: zum einen als In- 
stitution, die Aufträge an Handel und Ge- 
werbe vergibt, deren Beschäftigte ihren indi- 
viduellen Konsum in der Standortgemeinde 
decken und sich möglicherweise hier fest nie- 
derlassen, zum anderen als Arbeitgeber, der 
zivile Arbeitsplätze zur Verfügung stellt. 
Kommunale Erwartung bezieht sich jedoch 
auch auf die gesetzlich zugesicherten Beihil- 
fen zum Infrastrukturausbau in Standortge- 
meinden 
...und militärische Tradition als Vorausset- 
zung 
Viele Standortübungsplätze” sowie 12 der 13 
auf bundesdeutschem Gebiet liegenden 
Truppenübungsplätze existieren schon seit 
dem Dritten Reich oder gar schon seit Kai- 
sers Zeiten. 
In diesen Orten gehört die Präsenz von Mi- 
litär zum Gewohnten, zum Alltag. Im dörfli- 
chen oder kleinstädtischen Einerlei vieler 
Garnisonsgemeinden laufen vermittelt Vor- 
gänge ab, die Ottomeyer” als ’subjektive Mi- 
litarisierung’ beschreibt, „eine Schein-Ver- 
söhnung von unmittelbarer Alltagswelt und 
’großer Geschichte”. (...) Der Soldat hat teil 
an einer globalen Umgestaltung. Er ist le- 
bensgeschichtlich ’dabei gewesen’, als Dinge 
passierten, die in den Geschichtsbüchern ste- 
hen, kann sich auf diese Weise als das spüren 
und darstellen, was die Individuen unter aller 
Entfremdung tatsächlich sind: als Subjekt der 
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TrÜbPIK Schwarzenborn 
genehinkgt: 
Geschichte.” Die Präsenz von Soldaten, mili- 
tärischem Apparat und Gerät projiziert in 
diesem Sinne einen Abglanz auf die Standort- 
gemeinde. Eine weitere Vermutung über die 
Ursachen der Akzeptanz von Militär, über 
noch zu beschreibende materielle Vorteile 
hinausgehend, nimmt ihren Ausgang in häu- 
fig zu hörenden individuellen Außerungen 
über das Sicherheitsgefühl, das die Anwesen- 
heit von ’eigenem oder befreundetem’ Militär 
verschafft: ’Schutzmacht’. Selbstverständlich 
finden die vorgestellten und teilweise reali- 
sierten ökonomischen Effekte auch in der in- 
dividuellen Erfahrung ihren Widerhall. 
Die Kleinstadt Schwarzenborn ist abseits der 
großen Verkehrsachsen mitten im hohen 
Knüll gelegen und ursprünglich eine land- 
wirtschaftliche Gemeinde mit typischen Mit- 
telgebirgsproblemen. Im südlichen ‚Bereich 
der Stadt erstreckt sich indessen auf 1200 ha 
früherem Weide- und Wiesenland die Bun- 
deswehranlage Schwarzenborn mit Lager 
und Truppenübungsplatz. Weitere 500-600 
ha des insgesamt fast 1800 ha großen Gelän- 
des liegen in den Gemarkungen der angren- 
zenden Gemeinden. Schwarzenborn soll ein- 
schlägiger Meinung zufolge beispielhaft für 
die Einvernehmlichkeit zwischen Militär und 
Gemeinde sein und in hervorragender Weise 
die positiven Effekte von Truppenstationie- 
rung demonstrieren.
	        

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