Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1983, Jg. 15, H. 67, 68, [69/70], 71, 72)

Stimmen zum Bau: 
dieser leichte Rundbau des Schul- 
hauses zeigt, daß sich mit Holz eine 
beschwingte Hausform verwirkli- 
chen läßt, die schon von den Dimen- 
sionen her einladend erscheint. 
Zudem bietet der zentrale Grundriß 
alle Möglichkeiten der Begegnung. 
Aus dem sonst üblichen Klassenflur 
wird hier die Halle, das Foyer, die 
Aula, der Spielplatz — kurzum der 
attraktive Mittelpunkt der Schule. 
Die rundum verlaufende über- 
dachte Veranda mit Fluchttreppen 
dort, wo das Gebäude aus einem 
Hang heraustritt, gibt dem Raum 
einen privaten Charakter. . 
Der Rundbau hat ohne Einschrän- 
kung alle Eigenschaften, die man 
von einer sympathischen Schule 
erwartet. Sie scheint eher ein fröhli- 
ches Wohn- und Spielhaus als eine 
seriöse pädagogische Anstalt zu 
sem. | 
| Peter M. Bode 
Architektur in Bayern”, Bayer. 
Fernsehen, 1. Programm, 24.3.83 
Wohnbund — 
Die Arbeit 
beginnt 
Die Vorbereitungen für das erste 
Bundesarbeitsgespräch des WOHN- 
BUNDES e.V. in Hannover am 12./ 
13. November hatten noch unter den 
Vorzeichen einer breiten Diskussion 
gestanden, in deren Mittelpunkt die 
Fragen immer wieder auftauchten: 
„Wer wird sich beteiligen?” und 
„Was hat der WohnBund zu bie- 
ten?” — dies besonders im Hinblick 
auf die Zusammenarbeit mit Initiati- 
ven. 
Das erste Positionspapier des 
WohnBundes (vgl. ARCHE 68, 5. 
42ff.) — verteilt anläßlich der Grün- 
dungstagung in Darmstadt im Juni 
dieses Jahres — bot die Möglichkeit 
des Erfahrungsaustauschs von wohn- 
politischen Initiativen und fachli- 
chen Beratern an, darüberhinaus die 
Unterstützung wohnpolitischer 
Interessengruppen „vor Ort” und 
setzte das Ziel, auf die Grundzüge 
der Wohnungspolitik Einfluß zu 
nehmen. 
In der Folge der Gründungsta- 
gung waren Arbeitsgruppen zu ein- 
zelnen Themenbereichen entstan- 
den, deren Ergebnisse in Hannover 
als Zwischenberichte diskutiert und 
durch das Gespräch im Plenum 
erweitert, zum Teil aber auch in 
Frage gestellt wurden. Die zentrale 
Frage blieb: für wen arbeiten wir? . 
Eine Ergänzung oder Korrektur 
der herrsenenden Wohnungspolitik 
kann nur da eingreifen, wo Benach- 
teiligungen von Menschen in ihrem 
Wohnbereich von anderen oder von 
ihnen selbst wahrgenommen und 
A ESzCiet worden sind, wo Notwen- 
digkeiten zu einer Krundlegenden 
Verbesserung der Wohnsituation 
(auch im einzelnen) erkannt und 
Möglichkeiten ihrer Durchsetzung 
gesehen worden sind. ) 
Einen abschließenden Konsens 
über die WVorrangigkeit einzelner 
Angriffspunkte dieser insgesamt als 
dringend erforderlich betrachteten 
Arbeit gab auch die Arbeitstagung in 
Hannover nicht — dies sei hier nicht 
in erster Linie selbstkritisch darge- 
Stellt, sondern vielmehr als Perspek- 
live einer mehrgleisigen Arbeitsrich- 
tung positiv vermerkt 
Literatur- Wiese 
— grau, grün, rot, bunt, alternativ 
Wir wollen unseren Service für 
nicht so leicht zugängliche Fachlite- 
ratur (Produkte von Selbstverla- 
gen, kleinen Verlagen, Universi- 
tätspublikationen usw.) verbes- 
sern. Bitte schickt uns jeweils ein 
(kostenloses) Probeexemplar ent- 
sprechender Veröffentlichungen 
zu! Wichtig ist auch die Angabe der 
Bestelladresse und des Preises! Wir 
garantieren, daß jedes uns zuge- 
stellte Probeexemplar kostenlos in 
unserer LITERATUR - WIESE 
aufgeführt wird, behalten uns aller- 
dings das Recht vor, auch einmal 
einen Kurzkommentar anzuhän- 
gen. Sendungen unter dem Kenn- 
wort LITERATUR - WIESE bitte 
an Harald Bodenschatz, Pariser 
Str. 52, 1000 Berlin 15. 
Adalbert Evers, Hans-Georg Lange, 
Hellmut Wollmann (Hrsg.). Kom- 
munale Wohnungspolitik. Basel 
1983. Birkhäuser Vverlag. 432 Sei- 
ten. 38 DM. 
er 
Vorstand 
immt 
die Arbeit auf 
Der Prozeß der Diskussion bezog 
alle Möglichkeiten eines FORUMS 
mit ein; Ergebnis dieser Offenheit 
war eine sehr handlungsorientierte, 
jedoch keinesfalls pragmatisch- 
oportunistischen Zielsetzung mit fol 
genden Aspekten 
® dort eingreifen, wo Not erkannt 
wird und Abhilfe dringend erfor- 
dert: Es handelt sich hierbei in erster 
Linie um eine Aufforderung zur Bil- 
dung örtlicher Arbeitsgruppen, die 
mit Hilfe der anerkannten Öffent- 
lichkeit des WohnBundes in ihrem 
jeweiligen Stadt- und Lebensraum 
Wohnprobleme aufgreifen und 
publik machen. In einigen Städten 
der BRD (z.B. München, Duisburg) 
sind solche Gruppen bereits tätig, 
arbeiten jedoch bisher ehrenamtlich 
bzw. finanzieren sich über AB-Maß- 
nahmen und Berufstätigkeit in ande- 
ren Bereichen. Eine WohnBund 
Gruppe in Karlsruhe beschäftigt sich 
mit der Frage der Finanzierung und 
Hartwig Dieser. Die „behutsame” 
Stadterneuerung zwischen Kapital- 
verwertung und Mieterinteressen — 
Eine Untersuchung unter der beson- 
deren Berücksichtigung des Interes- 
senstandpunktes der Mieter, durch- 
geführt in Berlin-West. Frankfurt 
1983. R.G. Fischer Verlag. 265 Sei- 
ten. 26 DM. 
„... daß der Schwerpunkt dieser 
Arbeit in der Herausarbeitung der 
Realisierung von Interessen und 
Bedürfnissen der betroffenen Mieter 
liegt, die als relativ unorganisierte 
Gruppe mit weitgehend unartiku- 
lierten Interessen und geringem bar- 
gaining-power einer Gruppe von pri- 
vaten Haus- und Grundbesitzern. 
Kapitalgesellschaften und Woh- 
nungsbaugesellschaften gegenüber- 
stehen.” (aus dem einleitenden 
Text) 
Gemeente Amsterdam, Afdeling 
Coördinatie Stadsvernieuwing. 
Stadsvernieuwing in Amsterdam. 
Programma 1983/86. Amsterdam 
1983. | 
Dokumentation der Planung für die 
3 Stadterneuerungsgebiete 
Institutionalisierung weiterer örtli- 
cher Gruppen; 
® reformerische Ansätze der Pla- 
nung und Organisation von 
Wohnformen (z.B. Genossen- 
schaftswesen) weiterzuentwickeln 
und langfristig modellhaft in die 
jeweiligen, örtlichen Wohnungs- 
märkte einzubinden; ) 
® die Bestandserhaltung von Alt- 
bauten durch Überlegungen zu 
einer Aufkaufs- und Sozialbindungs- 
strategie für die Bevölkerungsgrup- 
pen mit niedrigem Einkommen 
zugänglich zu halten, 
@® Selbsthilfemaßnahmen im Rah- 
men von Bestandserhaltung und 
Neubauvorhaben zu fördern durch 
Beratung in Rechts-, Finanzierungs- 
und Organisationsfragen und durch 
Hilfe beim Entwurf architektoni- 
scher Grundüberlegungen. Dieses 
Ziel ließ die Wogen um die Frage 
der Beteiligung („Für wen arbeiter 
wir?”) besonders hoch schlagen 
Marcello Fabbri. L’urbanistica Ita- 
liana dal dopoguerra a oggi — Storia 
Ideologie Immagine. Bari 1983. De 
Donato, 444 Seiten, 48.000 Lire. 
Das Buch analysiert die großen städ- 
tischen und territorialen Verände- 
rungen sowie die städtebaulichen 
Konzeptionen seit dem Zweiten 
Weltkrieg bis heute in Italien. 
Frans van Velden. The Patriarchal 
Zoological Garden — An Attempt at 
a Feminist Approach to the Zoo, 
Using the Example of the Rotterdam 
„Blijdorp” Zoo. Eindhoven, 1983, 
16 Seiten. Erhältlich bei F. van Vel- 
den, Snelliushof 10, Eindhoven, 
Niederlande. 
„--. as an architect I take the feminist 
political stand. At the Eindhoven 
Technical University I designed for 
the Rotterdam „Blijdorp” Zoo. I 
became fascinated by the idea of a 
feminist approach to the zoo. In this 
article I try to give a start to the idea 
of the patriarchality of the modern 
z00. Although this may sound non- 
sensical at first sight, at second 
thought there certainly is something 
in it.” (aus der Einleitung) 
Ergebnis der Diskussion war hier - 
abweichend von dem erstgenannten 
und übergeordneten Ziel — ein 
Bekenntnis zur Unterstützung von 
Gruppen, die Möglichkeiten neuer 
Wohn- und Lebensformen auspro- 
bieren wollen und die nicht unmittel- 
bar von materieller Wohnungsnot 
betroffen sind. Die Selbsthilfe als 
„letzte Rettung” für den ohnehin 
schon überstrapazierten Arbeiter 
und Angestellten wurde nicht ausge- 
schlossen, jedoch als vordringliches 
Ziel des WohnBundes abgelehnt; 
® cine übergreifende Diskussion 
—_ um konzeptionelle Ziele für 
Wohn- und Lebensformen (überwie- 
gend von Frauen erarbeitet!) orien- 
tierte sich an vorhandenen Beispie- 
len und Arbeitsansätzen und war 
damit auch Zeichen einer praxiso- 
rientierten Arbeit des WohnBundes, 
„Hehre Ziele” wurden nicht aufge- 
stellt. Es gab jedoch das Bekenntnis 
zur „Risikobereitschaft”, d.h. zum 
möglichen Bruch mit bestehenden 
Wertvorstellungen — Wertvorstel- 
lungen, die von der Norm abwei- 
chende Wohnnutzungen auch in 
ihrer Entstehung immer noch arg 
einschränken 
Soweit sei auszugsweise der Prozeß 
der Diskussion aufgezeigt. 
Eine unmittelbare und erfolgso- 
rientierte Umsetzung der genannten 
Ziele in kurzfristig „vorzeigbare” 
Ergebnisse wird nicht erwartet und 
ist auch nicht beabsichtigt. Denn: die 
Absicht, in die Grundzüge der Woh- 
nungspolitik einzugreifen, führt u.a. 
zu der Grundhaltung, die Pragmatik 
der herrschenden Wohnungspolitik 
weder nachahmen noch überbieten 
zu wollen. Eine Veränderung beste- 
hender Verhältnisse braucht Zeit, 
braucht noch mehr arbeitsfähige 
Mitglieder, Geld und eine entspre- 
chende Portion Zähigkeit und 
Geduld, 
Ein Vorstand und ein Geschäftsfüh- 
rer wurden gewählt. Die Zentrale 
des WohnBundes befindet sich in 
Darmstadt: Ploennisstr. 18, 61 
Darmstadt, ®& 06151/79 945. 
Das Forum bietet Raum und Gele- 
genheit für die Beteiligung aller 
fachlich und persönlich Interessier- 
ten; gefragt sind nach wie vor 
Gedanken und Einsatzbereitschaft 
besonders auch für eine Beratungs- 
tätigkeit für Initiativen. 
Andrea Haase, Arbeitsgruppe für 
Öffentlichkeitsarbeit im WohnBund 
e.V.. Aachen.
	        

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