Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1983, Jg. 15, H. 67, 68, [69/70], 71, 72)

Sozialplanverfahren der IBA im Ja- 
nuar 1983 (!) sogar durch Hausver- 
bot gegen den Blockplaner „und al- 
'e anderen Mitarbeiter der Bauaus- 
stellung Berlin GmbH”. 
All den Widrigkeiten zum Trotz 
existieren in den vermieteten Häu- 
sern inzwischen eine Reihe von 
Hausgemeinschaften, die sich mit 
Unterstützung von Mieterberatern 
selbst vertreten. 
Das Problem liegt bei der bisher 
fehlenden Umsetzung der erarbei- 
teten sozialen Bedürfnisse und bau- 
lichen Mängel in faktische Verbes- 
serung der Bausubstanz. Dies ist 
keine bautechnische Frage, son- 
dern eine Frage inwieweit die Sa- 
nierungsträger politisch dazu ver- 
anlaßt Verden können, einen ver- 
änderten Sanierungsprozeß, bei 
dem die sozialen Bedürfnisse der 
betroffenen Bewohner die Orien- 
tierung bilden, mit zu tragen und 
auf die Füße zu stellen. 
Einiges auf die Beine gestellt haben 
in den 3 Jahren, in denen Sanie- 
rungsträger, Senat und IBA zäh um 
die Modellhaftigkeit rangeln, die 
Instandbesetzer in „Block 103”. 
Das erste Haus, die Mariannenstr. 
48, wurde just im März 1980 be- 
setzt, nachdem es bis auf ein tapfe- 
res Schneiderlein entmietet worden 
war und nach 6 Monaten Leerstand 
nur der Verfall Fortschritte mach- 
te. 
Von den 176 Wohnungen, die als 
„entmietet” bis Mitte 1981 gezählt 
wurden, sind bis heute der Großteil 
„instandbesetzt”. Hunderte meist 
jugendlicher deutscher Bewohner 
rundeten die „Neue Kreuzberger 
Mischung” im Block ab. Sie besteht 
aus traditionellem Restgewerbe, 
der kleinen Gruppe älterer deut- 
scher Bewohner, den zahlreichen 
türkischen Familien und ihrem neu 
angesiedelten Gewerbe, zumeist 
bestehend aus Handel und Dienst- 
leistungen. 
Alles in allem ist der „Block 103” 
heute wieder voll und hat über 1000 
Bewohner. 
Unter dem Schlagwort Instand- 
besetzen ist besser als Kaputtbesit- 
zen” wurden bis heute etwa 50 % 
der Wohnungen mit meist einfa- 
chen Mitteln instandgesetzt, nach 
Schätzugen der IBA ca. 200.00C 
DM an Sachwerten und über 
100.000 Arbeitsstunden in die Er- 
neuerung investiert. 
Dies ohne langen Planungsvor- 
lauf und ohne einen Pfennig öffent- 
lichen Geldes. 7 
Es entstanden dabei nicht nur ei- 
ne Reihe von Wohn- und Hausge- 
meinschaften und kleinerer Ge- 
meinschaftseinrichtungen (z.B. Ki- 
tas) für die Selbstversorgung, nebst 
instandbegrünten Höfen und Frei- 
flächen, sondern auch ein neuer 
nachbarschaftlicher Verbund, der 
auf dem Boden gegenseitiger Aner- 
kennung und gegenseitigen Nut- 
zens gewachsen ist. 
; Abriß v. Stfl., Qugeb., Re- 
inschaft zur Durchsetzung 
ngsforderungen. Alte und 
Mischung’. if] 
„A 
it 79: Abriss Stfl. + Remise, 
Im August 82 als Umsetzhaus 
tzer vom Bezirk zur Verfü- 
EG dt.-türk. Restaurant, seit 
tvertrag und seit August 81 
— quasi besetzt. Im Hhs. 
lische Kita mit 60 Pl. einge- 
mit Grünflächen. il 
- 
briss) Mieter-SelbsthilfeGe- 
strebt. Wird der Kampf ge- 
hwein Erfolg haben? Jegen. 
hier alter ‚Kiez-Adel’ dabei. 
— 
jeifende Modernisierung, ver- 
Mietergemeinschaft, mit z.T. 
sthilfeerfahrung. 
a 
von Eigentümergemeinschaft un- 
ing von Mieterladen Veteranen. 
Zur Winterfeldtstraße ca. 90 Min. 
ww” 
Oranien 197 
m Frühsommer 81 besetzt, bald aber wieder 
aufgegeben, da zu kaputt. Bemerkenswerte 
rsprungsfassade von 1865 im streng klassi- 
zistischen Stil, einzigartig in Kreuzberg. Hof- 
’entlich berücksichtigt die GSW das be: der, 
jurchgreifenden Modernisierung! 
ranien 198 ‚BesetzA-Eck’ 
GSW: Abriß Stfl./LuxMod Vhs.) im Ok-| 
ober 80 besetzt — ein letzter Mieter war 
och drin. Die Kneipe unten fügte dem Ruf| 
des Heinrichplatzes noch ein weiteres hinzu. 
leute Bewohnergemeinschaft, Im 
Seitenflügel wollen Studenten von der TU (IWOS, 
zupacken.Unterm Dach das Stübchen des 
Block-Astrologen, im Eckladen die Leoderwerkst 
Die legendäre PunkKneipe wird es nicht !@ N 
jeder geben, da sich die Einstellung 
des Hauses zum Alkohol geändert hat. « — —_ 
Den, Namen wird die neue Teestube 7 er beibehalten: ‚BesetzA-Eck 
Harambee, Oranien 199. Afrikanisches Kunstgewerbe, Platten, 
Kleider. Treffpunkt der Rastafari-Szene in der Luisenstadt. 
a 
ie Schöneberger Dependanc: 
interfeldtstr. 31, 35 und 37. Ehem. Eigentümer ist die ‚Grundag', die 
ie die ‚Samog’ zum Hauert + Noack-Konzert gehört. Neben dieser for-| 
len Verbindung ist eine inhaltliche gegeben durch die Tatsache, 
ie drei Häuser besetzt und zum größten Teil von Frauen bewohnt sind, 
Besetzt am 9.5.81, u. 6.3.81, weil entmietet, weil Luxusmodernisieru: 
en la, 
ze 
r Block 104 
ine wahrhaftige Ruine verfehlter Sani 
ngspolitik; könnte als Mahnmal gegen Pla: 
nerwillkür und Spekulantenunwesen so erhal 
ten bleiben. Ist aber vom Kiez als Grünflä; 
che, evtl. mit einer Kita, vorgesehen, wäh: 
rend die aufwendige Senatsplanung eines Bı 
tons-Systembaus (Integra) hier allgemein al 
gelehnt wird. Erste InstandbemistungsAkti 
en mit Unterstützung des Dresdener Mieter: 
AA Indens im Herbst 8 
5 Skalitzer 114 En 
af Privater Eigentümer, der sich standhaft ge- U-Bahn Linie 
AT gen Aufkauf durch die GSW (Abriss) wehr- Die Begrenzung 
es te. Eine Bastion selteneı,ZUm Nachbardo 
{ IT A tr = Art! 'SO 36, auch so 
Fa RE — AN! ein Kleines Galli: 
FL { 7 = 2 AR eur ed im sches. 
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KL SE az a 
> % Grasdach proj fe Me z nn I— —L 
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A BLOCK 104 N CZ 
1 Bl | An & % IS A gef) 
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A671 es In one A KA 8 SUN 
; OS OIC CA Ah en AL „w0SZ Oranien 192 
Na Sn AD ls A la A m (Gesa: Jahrelang leer, 
a „5 en ZUR S ‘TA CA Abriss Hs./LuxMod.Vhs 
0 TC AL N A I N An Pe I besetzt am 9. Mai 81, am Tag vor der Wah 
TS LO ZZ & ‚Das älteste Haus am Heinrichplatz. Auch 
al x B BA HI RAS hier wühlt das Teüffelschwein: Versucht, die 
z Z m ff Br — 7 Nachbarschaft auszuspielen 
Ze V/ Ü ®. nstr8% GC Ft 
V TA > MO Ga C 
[X Bf << Block 83 A 
na > sogen. Heinrichplatz BD 
> AS MM 
7 Oranien 15 d 
(GSW). MietergemeinN 
schaft mit IBA-Planung der! 
|x Mieterleistungen.| 
Jranien 13 Hs, ;House of Rising SUN” 
Samog: 1 J. leer, |Abriß Stfl. u. Hs.) besetzt 
am 12.2.81. Der Name verrät es schon: Es 
st das Gründungshaus des SUN-Vereins, des- 
n 7 Gründungsmitglieder Mieter des Vor- 
derhauses sind. Dort Mieter-Selbsthilfe-Ge- 
einschaft, im Hhs.list alles besetzt. 
Unten die Rote Harfe, das Scheu- 
hentor des Blockes für unsere Touristen aus 
er Welt. Die Stimmungssauna mit dem 
breiten Bratkartoffel-Angebot: Mit Ei, Sül- 
|: ze, Matjes oder Leberkäs — zu 5,90 DM 
Oranien 14 8 x 
Samog: Abriß Stfl. + Hs.) im Frühjahr 81 &1j}] 
Besetzung des Stfl. und von 3 Whgn. im VH. 
Hier treibt im Verborgenen eine Band ihr 
Unwesen. Ihr Name: ‚Arbeitsscheues Gesinde! 
Oranien 14a 
amog) Selbsthilfe-Instandsetzung durck 
Hausgemeinschaft mit Hilfe des ‚Ausbil- 
dungswerk Kreuzberg’. Auch türkische Be- 
wohner sehr aktiv dabei. Anfang 83 fast fer- 
tig. IBA-Projekt. Unten der Kinderladen, im 
Winter 81 besetzt, jetzt vertraglich genutzt. 
Daneben die Kneipe ‚Der Goldene Hahn’, 
wo_sich, die Sanierer vom Bezirksamt treffen 
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üse, Le- 
ıt — ein 
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trochene 
tglieder. 
Das Leben zwischen Baum und 
Borke, zwischen „legal” und „ille- 
gal” ist für die Menschen im Kiez 
der Alltag. Man/frau lebt miteinan- 
der. Hier noch große Unterschei- 
dungen treffen zu wollen ist zwar 
keine Haarspalterei, aber ange- 
sichts der Praxis doch weitgehend 
Philosophie. — 
Und deshalb ist es auch den Be- 
setzern nicht leichtgefallen, der 
auch von der Bauausstellung getra- 
genen „nachträglichen” Legalisie- 
rung ihrer Häuser durch den neuen 
Sanierungsträger Stattbau (Netz- 
bau) zuzustimmen. 
_ Und deshalb wird ebenfalls ver- 
ständlich, warum Anfang März 42 
Gewerbetreibende der engeren 
Nachbarschaft sich für Stattbau und 
gegen eine Diffamierung des 
Blocks als „Schutzzone der Ge- 
walt” (CDU-Elsner) einsetzte und 
dies dem Regierenden Bürgermei- 
ster Richard von Weizsäcker in ei- 
ner offenen Erlärung mitteilten. 
Damit bestätigt sich hier im 
„Block 103” am Heinrichplatz ein 
Grundsatz, den die Bauausstellung 
im Angesicht des Scherbenhaufens 
der Sanierung am Kottbusser Tor 
Anfang des Jahres 1981 aufstellte, 
daß nämlich die Instandbesetzer 
ein Teil des sozialen Prozesses und 
des baulichen Erneuerungsverfah- 
rens werden können. 
Zur Perspektive 
Neben den Hausplanungen für den 
Block wurden seit Anfang 1981 von 
der Bauausstellung Modellüberle- 
gungen angestellt, um hier an Ort 
und Stelle für den ausscheidenden 
Sanierungsträger einen Nachfolger 
zu finden, der die oben skizzierten 
neu gewachsenen Verhältnisse, 
Ansprüche und das Selbstverständ- 
nis v.a. auch der jugendlichen Be- 
wohner berücksichtigen kann. Es 
entstand das „Modell eines koope- 
rativen und blockbezogenen Trä: 
gers”. 
Die vorgeschlagene Rechtskon- 
struktion für den neuen Träger im 
„Block 103” ist bisher in wesentli- 
chen Bestandteilen umgesetzt und 
betriebsbereit: 
1) Mitte 1982 wurde die Nerzbau 
GmbH gegründet, Die zunächst 
= von den Mitgliedern des Selbs- 
thilfefonds Netzwerk e.V. als allei- 
nigem Gesellschafter gehaltene 
und für die „Gesamtlösung der 
Instandsetzungsfrage” vorgeschene 
GmbH, ist nach wechselvollem 
politischen Schicksal am 26.02.83 
auf den neu gegründeten Förder- 
Verein „Leben im Stadtteil” 
{LIST)übergegangen. _MNetzbau 
heißt nun Stattbau. Mit der Aner- 
kennung von Nefzbau im Dez. 82 
ist auch ein neuartiger vom 
Geschäftsführer Gerf Behrens ent- 
wickelter Mitbestimmungsmodus 
für sanierungsbetroffene Bewohner 
der GmbH in Kraft getreten. Den 
Bewohnern werden 50 % der Stim- 
men im Aufsichtsrat von Stattbau 
zugesichert, die übrigen 50 % set- 
zen sich anteilig aus Arbeitneh- 
mern der GmbH, der evg. Kirche 
Berlins, der örtlichen Kirchenge- 
meinde und wohnungspolitisch 
engagierten Interessenvertretun 
gen zusammen. 
_ Außerdem sind die Bewohner 
mit 20 % an der GmbH selbst betei- 
ligt und haben ebenso wie der För- 
der-Verein LIST unabhängig von 
der Höhe des Nominalbetrags eine 
Stimme in der Gesellschafterver- 
sammlung. 
2) Im Dezember 1982 wurde der 
 Bewohner-Verein „SUN -— 
Selbsthilfe und Nachbarschaft” ge- 
gründet, um den gemeinsamen AÄAn- 
A
	        

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