Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1983, Jg. 15, H. 67, 68, [69/70], 71, 72)

Jürgen Leitner 
Hermann Neuerburg 
Sandro Einsiedel 
Schlechte 
Karten 
Erfahrungen mit 
IBA-Wettbewerben 
Wir haben 1980/81 als kleine Grup- 
pen und Büros an 2 international 
offenen IBA-Wettbewerben erfolg- 
reich teilgenommen. Die Auslo- 
sung und die Empfehlungen des 
Preisgerichts stellen eine Beteili- 
gung von Preisträgern an der Reali- 
sierungsplanung in Aussicht. In der 
Hoffnung, am weiteren Planungs- 
prozeß mitwirken zu können, be- 
gannen unsere Bemühungen, die 
wir heute als eine 2-jährige Odysee 
empfinden. 
Wir, Teilnehmer am Wettbe- 
werb „Südliche Friedrichstadt”, 
wandten uns zuerst im November 
1980 an den IBA-Planungsdirektor 
für Neubaugebiete, Josef Paul Klei- 
hues, um am weiteren Planungsver- 
fahren teilnehmen zu können. Feh- 
lende Entscheidungen hinsichtlich 
des Bebauungsplanverfahrens und 
der Bauherrmfrage, waren die 
Gründe der IBA für stets unklare 
und hinhaltende Antworten auf 
diese und alle weiteren Anfragen. 
Informell erfuhren wir, daß eine 
Mitarbeit wohl nicht realisierbar sei 
— zumal das Auswahlverfahren für 
die zu beteiligenden Architekten- 
gruppen undurchsichtig und von 
persönlichen Festsetzungen des 
Planungsdirektors bestimmt blieb. 
Im Zwischenbericht und Pro- 
gramm „Die Neubaugebiete” vom 
Februar 1982 schließlich, das die 
IBA dem Senat vorlegte, waren 
erstmals offiziell Architekten vor- 
geschlagen — wir und auch andere 
Preisträger nicht, aber internatio- 
nal bekannte Büros, die an eingela- 
denen, aber dann nicht realisierba- 
ren Wettbewerben (z.B. Tegel und 
Koch-/Friedrichstr.) teilgenommen 
hatten. Bei den „Stars” der Scene 
genügte der IBA also Qualifikation 
in einem Wettbewerb, um sie an- 
dernorts an Bauaufgaben heranzu- 
bringen. Dies trifft übrigens auch 
für die Verfahren Rauchstraße und 
Lützowplatz zu. 
Im Juli 1981 reisten wir, die 2 am 
Wettbewerb Lützowplatz beteilig- 
ten Gruppen, unabhängig vonein- 
ander nach Berlin zur Ausstellung 
der Arbeiten. Unsere Erwartungen 
wurden enttäuscht, anläßlich der 
Aussfellungseröffnung Vertreter 
der IBA und der Stadt Berlin sowie 
Kollegen kennenzulernen und auf 
ein gewisses Maß an öffentlicher 
Aufmerksamkeit zu stoßen: keiner 
der hohen Herren war anwesend, 
eine Vorstellung der Arbeiten und 
der Teilnehmer fand nicht statt. 
Andernorts ist dies bei Wettbewer- 
ben üblich und gerade für junge 
Berufsanfänger wichtig. 
Mit Glück, wie man uns zu ver- 
stehen gab, kam am nächsten Tag 
ein mehrminütiges Kurzgespräch 
mit Herrn Kleihues zustande, — die 
vom Preisgericht empfohlene Be- 
teiligung solle von uns nicht als An- 
spruch mißverstanden werden und 
man solle sich freuen, zu den Prei- 
strägern zu Te 
Anschließend eingereichte Ar- 
beitsmappen unserer einzelnen 
Gruppen sollten geprüft und wir 
bei weiteren Entscheidungen infor- 
miert werden. Gerüchte über eine 
Vorschlagsliste, die uns nicht be- 
rücksichtigte. kamen uns im Januar 
2.Preis Lützowplatz Hellriegel / Neuerburg, Köln 
1982 zu Ohren. Wir forderten 
Herrn Kleihues auf, uns die inhalt- 
lichen und organisatorischen Kon- 
zepte der Planung mitzuteilen und 
den Prozeß der Entscheidungsfin- 
dung tranparent zu gestalten. Un- 
ser Interesse ging hierbei über un- 
sere Rolle als Preisträger hinaus 
und richtete sich auch auf die vom 
Wettbewerb erhofften architekto- 
nischen und sozialen Qualitäten. 
Andere Preisträger reagierten 
meist nicht auf unsere Initiative; es 
entstand allerdings die Interessen- 
gemeinschaft der 0.a. Frankfurter 
und Kölner Teilnehmer. 
Ein Brief der IBA im März 1982 
brachte schließlich Gewißheit über 
unsere Nichtteilnahme. Aus dem 
Kreis der Preisträger waren mehre- 
re Gruppen berücksichtigt worden; 
Teilbereiche mit hohen Realisie- 
rungsaussichten wurden an in ande- 
ren Wettbewerben qualifizierte, 
bekannte Büros vergeben. Unsere 
Kritik an dieser Praxis sowie der 
Vorschlag, zumindest unsere aus 3 
Preiträgern DES CREN Arbeits- 
mit einer Planungsaufgabe 
En Detrauen. blieben  Unbeantwor- 
tet. 
Wir haben daher den BDA Ber- 
lin um Unterstützung gebeten. 
Dessen engagierter Brief vom 
April an die Planungsdirektoren 
mit der Auforderung zu einem ge- 
meinsamen Gespräch ist auch noch 
nicht beantwortet. („Es stünde der 
IBA gut an, wenn sie die Pflege der 
Wettbewerbsverfahren mit der 
Stützung der Autorität des Preisge- 
richts und der Förderung des Nach- 
wuchses verbände.”) 
Um unsere Position zu verdeutli- 
chen und um vermuteten Vorbe- 
halten hinsichtlich unserer fachli- 
chen Qualifikation zuvorzukom- 
men, erarbeiteten wir bis Juni eine 
Broschüre mit Argumenten, Bio- 
grafien und neuen Arbeitsproben. 
In Kleinauflage an IBA-Direktoren 
und -Koordinatioren verteilt, gab 
es auch hier keine Antwort. 
Weitere Rückfragen handelten 
uns schließlich den Vorwurf ein, 
mit dem indiskreten Wirbel unserer 
Broschürenaktion mögliche Zu- 
sammenarbeit bereits im Vorfeld 
vereitelt zu haben. Wie kann man, 
so fragen wir uns, zu denen, die 
man schon lange ausgeschlossen 
hat, von Vorfeld und Zusammenar- 
beit sprechen? 
Die Mißachtung unserer Interes- 
sen und Ansprüche sind eine bisher 
durchgängige Erfahrung in der auf- 
wendigen und ergebnislosen Aus- 
einandersetzung mit der Neubau- 
IBA und ihrem Planungsdirektor. 
Daher stellen sich für uns nun etli- 
che Fragen, wie es zu dieser Odys- 
see kommen konnte. Einige wer- 
den wohl für immer unbeantwortet 
bleiben müssen, doch manche sind 
heute für uns erklärbar. 
Wie sich in unseren zweijährigen 
Bemühungen zeigte, sind wir mit 
den Organisatoren der IBA nie zu- 
recht gekommen. Letztendlich lag 
das Hauptproblem bei dieser Orga- 
nisation, die sämtliche Wettbewer- 
be ausschrieb und auch an der 
Preisverteilung mitwirkte. Für alle 
weiteren Bearbeitungs- und Ent- 
wurfsstufen ist die IBA der maß- 
gebliche Ansprechpartner für die 
Architekten. Sie ist auch in diesem 
Stadium der Vermittler zwischen 
möglichen Bauherren und der Ver- 
waltung. 
Es ist also für Architekten, im 
Rahmen von IBA-Wettbewerben 
nicht möglich, sich direkt an den 
Bauherrn und die Behörden zu 
wenden. Die IBA ist nur eine emp- 
fehlende Institution. Sie hat daher 
immer wieder eine Möglichkeit, 
sich gegenüber unseren Anliegen 
nicht festlegen zu müssen. 
Architekten müssen ihre Projek- 
te den IBA-Verantwortlichen zur 
Begutachtung vorlegen, gegenüber 
Bauherrn, Bauträgern, Senat, 
WBK und Bezirksämtern diese je- 
doch selber durchfechten. Wenn es 
also um die konkrete Durchsetzung 
von Bauaufgaben geht, sind die 
IBA-Organisatoren nicht mehr zu- 
ständig. 
Nach außen stellt sie sich aber als 
alleinige Entscheidungs- und Ver- 
gabeinstitution dar. 
Man muß sich fragen, ob eine 
Nichtberücksichtigung damit zu- 
sammenhängt, daß wir junge Ar- 
chitekten, Berufsanfänger und 
„Nobody’s” in der Architektensce- 
ne sind. Aber gerade die IBA sollte 
es als ein Forum jungen Architek- 
ten ermöglichen, ihre Vorstellun- 
gen zu verwirklichen. 
Die für den Neubauteil zuständi- 
gen Kontaktpersonen, Planungsdi- 
rektoren und Koordinatoren haben 
nie Interesse gezeigt, sich mit uns 
auf einer fachlichen Ebene ausein- 
anderzusetzen. Ihre Rollen bestan- 
den darin, uns immer wieder zu 
vertrösten, um uns dann irgend- 
wann beiläufig mitzuteilen. daß die 
Entscheidung schon längst gefallen 
wäre. Trotz der Empfehlungen des 
Preisgerichts waren wir für diese 
Herren lästige Bittsteller. Wozu 
werden Wettbewerbe ausgeschrie- 
ben und die Vorschläge junger Ar- 
chitekten prämiert, wenn man sie 
anschließend beiseite schiebt? 
Selbst eine Aufforderung des BDA 
Berlin an die IBA-Direktoren ver- 
lief bisher im Sand, 
Abschließend bleibt zu fragen, 
welche konkrete Funktion die IBA 
eigentlich hat. Unserer Ansicht 
nach sollte die IBA ein klar geführ- 
ter Organisations- und Verwal- 
tungsapparat sein, um neue Vor- 
stellungen realisieren zu können. 
Statt dessen hat die IBA sich im 
Kompetenzstreit und Profilierungs- 
denken einzelner aufgerieben. 
Letztendlich werden die IBA- 
Bauten von Finanzierungs- und 
Bauträger gesellschafltlich reali- 
siert. Veränderungen geplanter 
Vorhaben durch diese Investoren 
können von der IBA mangels 
Durchführungskompetenzen Oft 
nicht wirkungsvoll verhindert wer- 
den — ebenso wenig von Architek- 
ten, die in den Augen der Bauherrn 
nur zusätzliche Probleme und Ko- 
sten verursachen. 
Soll man sich gar darüber freuen, 
unter solchen Bedingungen nicht 
am Planen und Bauen in Berlin be- 
teiligt zu sein? 
Berlin im IH. Reich 
Anläßlich des 50. Jahrestages der 
Machtübergabe ist in der Reihe 
„Diskussionbeiträge” des Instituts 
für Stadt- und Regionalplanung der 
TU Berlin die Publikation „Der 
Fehrbelliner Platz — Fragmente ei- 
ner durch das III. Reich gezeichne- 
ten Geschichte” (Verfasser: Harald 
Bodenschatz und Hans Stimmann) 
erschienen. Mit dieser Publikation 
wird nicht nur versucht, die ver- 
drängte Geschichte des wichtigsten 
„Berliner Platzes des einfachen 
deutschen Angestellten der NS-Pe- 
riode” anhand von Dokumenten 
städtebaulich und nutzungsmäßig 
zu rekonstruieren, sondern gleich- 
zeitig demonstriert, wie in der 
Nachkriegszeit dieser „Platz ohne 
offizielle Erinnerung” angeeignet 
wird. Preis: 10 DM. Erhältlich: 
ISR der TU Berlin, Dovestr. 1-5 
Zimmer 701. 1000 Berlin 10. 
Kontaktanzeige: 
Im Rahmen meiner Dissertation 
zum Thema „Soziokulturelle Ein- 
richtungen. Geschichtliche, politi- 
sche, soziale und räumliche Hedin- 
gungen” suche ich insbesondere 
Material über Volks-, Arbeiterver- 
eins- und Gewerkschaftshäuser 
(auch Pläne, Fotos) von 1848 bis 
heute. Außerdem interessieren 
mich alle Initiativen einer „Kultur 
von Unten”, die es zu eigenen Häu- 
sern gebracht haben. Unkosten 
werden erstattet. Wolfgang Niess, 
Goebenstr. 45, 3000 Hannover 1 
Tel 0511/66 74 01. 
Veranstaltungshinweis 
2]. — 23. Juni 1983, Rennes, 
Frankreich: Intern. Symposium on 
New Materials for Building and Ci- 
vil Engineering. 
Auskunft: M. Laquerbe, INSA, 20 
ave des buttes de coesmes, F-35043 
Rennes Cedex
	        

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