Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1984, Jg. 17, H. 73-78)

I. Avenue of the Americas, gezont 
2. Queensboro Bridge 
New ? Times Square, first floor 
New York Hochfliegende Pläne für den Straßen- 
verkehr im Westen von Manhattan: 
Y k Nachdem vor einigen Jahren ein LKW 
or durch den Beton des Westside-High- 
ways, bei dem angeblich New Yorks 
Mafia mitgemischt hat, hindurchge- 
fallen war, plante man gründlichen 
Ersatz. Der Streit um eine achtspurige 
Highway entlang der Westside, die weit 
Bewegung üb dr  Dmelontn der Planungen 
; . ; von Robert Moses, der bis in die Sieb- 
Een A MetapoRT von“ 1026 ziger Jahre hinein für über vierzig Jahre 
tauchen auf, setzt man sich dem Alltags- Ne EEE SEN Eee hm kein 
verkehr in New York und insbesondere Er em ANAUSSCNL, Nr mn nn An 
Manhattan aus. Die Visionen der nicht b nen der Wel nn 16 CrSieN Che 
endenden Bewegung - zu Wasser, zu ahnen der welt, HEreN TE EENUICHS 
Lande in der Luft - sind zum trivialen (Grundidee diese Stadt aus Licht und zur 
Faktum dieser Stadt geworden und im 
Grunde unbeschreiblich. Doch was in Zwei Straßenzüge von der Lower East 
den Cinemascope-Ansichten jener Fik- Side entfernt schlummert unter der 2. 
tionen oder in heutigen Panoramablik- Avenue ein angefangenes U-Bahn- Pro- 
ken aus gebührender Distanz noch faszi- jet, das nur vorläufig dem Stadt- 
na An ae Bankrott von 1975 zum Opfer gefallen 
wenn sıch Autoströme, Bahnen, Schiffe, ist. Man beginnt gerade - unter Verweis 
schwirrende Flieger unendlich durch das auf San N FEANCIECOS BART oder Atlantas 
Relief einer Stadtlandschaft hindurch- MARTA, den einzigen neuen U-Bahnen 
ziehen, ist, aus der Nähe erlebt, ein super- in den Staaten der letzten 10 Jahre, mit 
Fan pe er EN N ON diesem eingefrorenen Vorhaben über ein 
taumelnd man höllische Lust und höllı- ambitioniertes High-Tech-Modell im 
u pe Ha bt Still- New Yorker  Subwar-Netz laut nachzu- 
stand für Auge, r, Nase, Haut ... denken. 
Die Wahrnehmungsebenen schieben Die Lower East Side mit den Resten 
sich gleich einer 4-D-Collage ineinander seiner europäisch-jüdischen Vergangen- 
und fortan fahren Autos, Busse, Hub- heit, den ausgebrannten Häusern an den 
SENDE SEE N DE an A,B.C,D-Avenues. dem raschen Zerfall 
schend, dröhnend, hupend, brummen . 
und stinkend durch den Kopf; hechten, n . in 
schieben, drücken sich  Schwätze, braune, Ausführung brachte: Oben in der Nord- 
rote, gelbe, weiße Menschen und noch- Bronx entstand Anfang der Zwanziger 
mals Menschen dazwischen, Reklame Jahre der Pelham ’Parkway’, eine kreu- 
schreit und Eßbares duftet und Zei- ZUngsfreie vierspurige Straße, heraus- 
tungen berichten darüber ... Man möchte führend aus den dichten Wohnquartie- 
auf der Stelle Wurzeln schlagen und in Ten des nördlichen New Yorks, um den 
den Himmel wachsen. motorisierten Einwohnern ein leichtes 
Es sind 3 Millionen Menschen, die an und genüßliches Erreichen des ’Pelham 
jedem gewöhnlichen Werktag von ir- Bay Parks’ und New Yorks Art Deco 
gendwoher kommend Manhattan auf- Strand ’Orchard Beach’ zu ermöglichen. 
suchen, die Hälfte wohl, um hier zu Etwas tieferliegende Pläne im Sub- 
arbeiten. 1,8 Millionen per Schiene, der way-ground: Mit allen Mitteln und aus 
Rest auf Kraftfahrzeugen und Fähren. gutem Grund versucht man dieses immer 
Das Schauspiel der Rush-Hour an noch unübertreffliche Massengefährt zu 
Brücken, deren Beläge nur noch aus erhalten, das man außerhalb der Rush- 
singenden, dröhnenden Stahlmatten be- Hour sogar lieben lernen kann ob seiner 
stehen, in Tunnels und U-Bahn-Röhren, Überr aschungen, Ausblicke, wilden 
in denen der erstickende Mief der Stadt CGraffitis, seines typischen Sounds und 
noch ein bißchen schwüler ist als an der Zeitlich unbegrenzten Angebotes, falls 
Oberfläche, ist in Wirklichkeit kein Sich nicht gerade ein paar Gleise ver- 
Theater. Vielmehr der gewalttätige bogen haben. Etwa 80 Schienenmeilen 
Kampf um ein Zipfelchen öffentlichen Reparatur und 15 Entgleisungen pro 
Grund und Bodens beim Zugang in das Jahr, 500 Problemstellen im gesamten 
Zentrum des Deals um eine Handvoll Netz; die Kriminalität geht zurück, 
Dollars, die täglich in Manhattan verteilt Benutzerzahlen - auch nachts - steigen. 
werden. Daß der Eintritt in dieses Ghetto Man sagt, man sieht wieder den Tunnel- 
des Geldes Maut kostet, versteht sich UNO Dr EEE ao al 
; und preiswerte Wagen aus Japan, beste 
jetzt:schon von selbst. in Canada 825 weitere, deren Edelmetall 
keine Graffitifarben mehr annimmt, 
sichert die Train-Yards in Manhattans 
schwarzen Vororten und Freiflächen: 
Harlem, Bronx und Brooklyn mit 
Doppelzäunen und Scheinwerfern a la 
mode allemande und ordert hierzu 
passend ’German shepherd attack dogs’. 
Genaue Zahl und nähere Bezeichnung 
des Herkunftslandes sind nicht bekannt. 
24“
	        

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