Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1984, Jg. 17, H. 73-78)

zugeschrieben worden. Seither gilt auch 
Brooklyn als weitgehend ’umgekippter’ 
Stadtteil - nur noch Queens hält still. 
Mühsam erholt es sich von diesem 
Schock: Gerade erlebte Brooklyn 
Heights - gegenüber von Downtown 
Manhattan mit dem wohl spektakulär- 
sten Blick, den es zu ebener Erde in New 
York gibt - ein ’Brownstone Revival’, die 
Fulton Street wird zur Haupteinkaufs- 
Mall erklärt, und doch ist es ein bißchen 
wie von Westberlin nach Ostberlin zum 
Einkaufsbummel zu gehen. 
Eine halbe Meile weiter nach Osten 
liegt Atlantic Avenue Station der Sub- 
way und Long Island Railroad, in dem 
sich fast alle New Yorker Bahnlinien 
kreuzen. Darüber steht ein altes zerfal- 
lenes Bahnhofsgebäude, rundherum ka- 
putte Häuser und Hütten, freies Ödland 
und eine Bank, die sich Stufe für Stufe 
selbst hochstapelt und mit einer Kuppel 
krönt - im Angesicht dieser Brache wohl 
die monumentalste Bank von ganz NYC. 
Eine Kathedralen-Halle ganz in Mosaik, 
gotisch, mit schmiedeeisernen Seitenal- 
tären, vor denen - vor allem Schwarze - 
Menschen für ein paar Dollars Schlange 
stehen. ) 
Hinter der Bank die ’Brooklyn Aca- setzen Barockauditorium, plauscht in 
demy of Music’ aus hellem Klinkerstein, der Pause im Foyer und knapp davor 
dann das Granada-Hotel, randvoll mit und verschwindet nach kurzem, kräfti- 
obdachlosen Farbigen, und wieder ka- gem Applaus so schnell wie man kam, 
putte Häuser. Ein gruseliger Ort der um ins ’sichere’ Manhattan zurück- 
Großspekulation, die hier ein Zentrum zukehren, durch die Gassen im Village 
der Kultur und Wissenschaften, insbe- Oder in Soho zu schlendern und sich vor 
sondere für Neue Technologien plant. Es dem Einschlafen in seiner gußeisernen 
ist nicht weit zum Navy Yard der Marine. Fabriketage - genannt Loft - noch einmal 
Einstweilen kommt im BAM injedem die schaurig-schönen Augen vorzustel- 
Herbst die Avantgarde-Theater-Musik- len, die um Brooklyns schwarze Ecken 
Tanz-Szene von NYC und aus den lugten. 
Staaten zum ’Next Wave Festival’ zu- Auch hier gelingt das Geschäft: direkt 
sammen, gesponsert vom großen Nach- gegenüber der Academy of Music gibt es 
barn, der ’Manufacturers Hanover schon Cappucino in einem sonst leeren 
Trust’-Bank und zahlreichen nationalen Haus, das Eckhaus wird gerade verma- 
Foundations von Banken und Wirt- kelt, an der anderen Ecke entsteht ein 
schaft, die damit „ihre Anstrengungen kleiner Park mit hohem Zaun; zwei 
fortsetzen, um die Lebensqualität in kleine Theater in der Nähe sollen wieder 
Brooklyn zu verbessern“ - heißt es im eröffnet werden. Die zweifelsohne her- 
Programmheft. vorragende Avantgarde-Kultur von New 
In der Tat ist das BAM wieder zum Ort York und Amerika dient an dieser Stelle 
für Avantgarde-Publikum aus Manhat- der Aufwertung von Brooklyn: ein 
tan geworden. Gehört auch das Gebote- Projekt mit zwei Gesichtern. 
ne wirklich zum Besten dessen, was diese 
Kulturmetropole zu bieten hat. Man 
kommt, sucht sich den kürzesten Wegins Zukunft 
Haus, sitzt im düsteren. aber vollbe- 
Mitten in Manhattan breitet sich ’urba- 
nes’ Leben aus. Chelsea, Greenwich 
Village, East Village, Soho und mittler- 
weile Tribeca sind zu begehrten. Wohn- 
adressen, Flaniervierteln und Künstler- 
gegenden geworden. 
Die Kunstszene im weitesten Sinne 
zwischen Cafe und Kneipe, Atelier und 
Galerie. Boutiaue und Studio hat sich in
	        

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