Volltext : ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1984, Jg. 17, H. 73-78)

S zn a A ie =
ARGHE- ZELLEN
La Pla ‘m Rau. Palre
„Das Schöne ist der Glanz des Wah- Wohnungsbau, insbesondere der
ren.” Zu diesen heeren Worten einer soziale, fand weit draußen an der
ästhetischen Programmatik würde Peripherie Montpelliers statt. Die
sich hierzulande kaum ein Architekt linke Ratsmehrheit wollte Neues.
hinreißen lassen. In Frankreich Die Chance dazu ergab sich schon
indes schmücken sie den Werbe- ein Jahr später, als das Militär ein
prospekt eines derzeit vieldiskutier- größeres Terrain, unmittelbar hinter
ten Projektes: Ricardo Bofills Anti- dem „Polygone” gelegen, freigab.
gone in Montpellier, Südfrankreich. Die Gemeinde erwarb es und ver-Wer
 so vollmundig daher kommt, größerte es durch weitere Ankäufe.
muß Großes im Sinn haben. Daß Sozialer Wohnungsbau im zentralen
Bofill eine immense architekto- Bereich hieß nun die Devise und
nische Imagination und Ausdrucks- Gestaltung war angesagt. „Du
fähigkeit besitzt und ihr zudem Bofill” wollte man, sein Name war
soziale Utopien einzuschreiben ver- inzwischen synonym mit einem Stil.
sucht, hatte er schon mit Walden 7 Die benachbarte Hochhaussiedlung
bewiesen, einem noch sehr von „le nouveau monde” und die abtechnizistischen
 Gesellschaftsbil- schreckenden modernistischen
dern durchdrungenen Wohnungs- Phantasmen von La Grande Motte
bauprojekt in Barcelona. Walden 7 ganz in der Nähe dürften bei diesem
steht in unmittelbarer Nachbar- Umdenkungsprozeß eine Rolle geschaft
 einer umgebauten Kalk- spielt haben.
werksruine, in der der „Taller de Nach Abschluß der vorbereiten-Arquitectura”,
 Bofills Architektur- den Studien Anfang 1980 wurden
und Denkfabrik, sein Domizil hat. Tr u durch Ausstellungen, Diashows
Seit nun gut 12 Jahren arbeitet der PER und Veranstaltungen Fachwelt und
Katalane auch in Frankreich. Dabei US . interessierte Einwohner der Stadt in
hat er sich sowohl die Protektion Mi onumental ; Crün, Kenntnis gesetzt. Bürgermeister
rechter wie derzeit vornehmlich lin- Dar ) » George Freche und Ricardo Bofill
ker Politiker zu sichern gewußt. Vie- Sozial LST isch und Mi ed Iteran stellten das Programm zur Diskusle
 AZ Projekte Ude Sion’
allerdings auf dem Papier. Erst Ende T ;
der 70er Jahre kam er dann zum ’  Daie tn davon die
Zuge, unter anderem mit dem terhaftigkeit seiner Architektur ein- stellt sich die Frage, was das denn @ cin N Gewerks aha ft N SC)
„Palacio d’ Abraxas” in Marne-la- gebracht. Schließlich handelte es nun sei: Kulisse oder Erlebnisraum, gg cin Haus dor a Keifanıs hen Kul-Vallee
 im Osten von Paris und den sich ja um Wohnungsbau. Auf den rigide Geometrisierung der Umwelt fur. OEZHANISCHED SU
„Arcades du Lac” in St-Quentin-en- Punkt gebracht wurde die Kritik, als oder neue städtische Qualität. g 6 ha Grünfläche
Yvelines im Westen der Hauptstadt. die Polizei wochenlang nach einem monumentale Geste oder bloß des
Beide Projekte sind einer Art Neo- unbekannten Schützen fahndete, Meisters megalomaner Narzißmus? auf einer Gesamtfläche von 25 Hec-Klassizismus
 verpflichtet, wobei der, vom Kinderlärm in den toten Die Vorgeschichte beginnt tar. Das Programm wurde im Prinhistorische
 Details mit Vorliebe Fußgängerachsen wohl gestört, von eigentlich 1977 mit dem Sieg der zip bestätigt, der Bofill’sche Entwurf
überdimensional aufgeblasen und seiner Wohnung aus auf einen klei- Sozialisten bei den Kommunal. ebenso, aber es dauerte noch einmal
streng geometrisch geordnet einen nen Jungen gefeuert hatte. wahlen. Noch unter dem alten, kon- zwei Jahre bis die erste Baugenehgeradezu
 bombastischen Eindruck Mit Antigone befindet sich nun servativen Bürgermeister wurde an Mmigung vorlag.
erzeugen. ein weiteres Großprojekt im Bau, die mittelalterliche Stadt an- Der Gesamtplan von Antigone ist
Dieser rigide Formalismus hat von den Ausmaßen her fast eine schließend das „Polygone” errichtet. ganz in klassischer Manier gehalten,
ihm neben ungläubigem Staunen eigene Stadt. Auch hier imponiert eine modernistische Einkaufsachse, in der Perspektive wie eine barocke
seinerseits schwere Vorwürfe ob der wieder eine aufgepeppte klassizisti- die stumpf auf den Galeries Lafa- Anlage in die Landschaft einge-Gebrauchsfeindlichkeit
 und Thea- sche .Staats-Architektur” Und es vette. einem Kaufhaus. endet prägt. Entlang einer einundeinhalb
            
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