Volltext : ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1984, Jg. 17, H. 73-78)

Kilometer langen Achse ziehen sich und gesteht auch diesen Bauten
die zentralen Gebäudegruppen, einen Alterungsprozeß in Würde zu.
immer wieder zu neuen Platzsi- Sicherlich gibt es auch Dinge zu
tuationen konfiguriert. Die Achse beanstanden. Da laufen riesige
endet schließlich, nachdem sie Unterzüge durch Wohnräume, da
einen alten Fabrikschornstein, den werden Treppenhausfenster an den
Bezugspunkt, und ein riesiges Halb- unmöglichsten Stellen durch Poderund
 durchlaufen hat, in der Wasser- ste geteilt, weil die Fassade durchgefläche
 des Flußes Lez. Den entge- halten werden mußte, und über die
gengesetzten Bezugspunkt seiner Grundrisse läßt sich sagen, daß man
Achse stellte Bofill quasi metaphy- wohl darin leben kann, ansonsten
sisch her. Er ist weder stadträumlich sind es Zufallsprodukte der äußeren
erfaßbar, noch überhaupt sichtbar, Form. Trotzdem, mit dem miesen
sondern läßt sich nur geographisch Standart, der für gewöhnlich Frankrekonstruieren.
 Jenseits der Poly- reichs Sozialwohnungen ausmacht,
gons und weiter über den mittel- hat Antigone nichts mehr gemein.
alterlichen Stadtkern hinweg Antigone ist nicht nur äußerlich
existiert ein historisches Aquädukt, ‚postmodern”, sondern innen auch
der Peyrou. Dessen Verlaufsrich- „postindustriell”, durch konsequentung
 greift er auf und verbindet ihn te Verkabelung bereit für die neuen
mit seinem Fabrikschornstein zur Technologien, für die es in Frankneuen
 imaginären Entwicklungs- reich offensichtlich nur euphorische
achse Montpelliers. . == | Töne gibt. Der Katzenjammer
Beidseits der achsenbezogenen Luftbita Montpelliers, links oben, Aquädukt !e ”eyron; weiß umrandet: lerrain von Antigo. kommt noch.
Bebauung sind sowohl einzelne schriebene Grundriß der Santa- leicht mitgroben Mitteln arbeitet, es Die Frage nun, ob die Siedlung
Gebäude wie auch kleinere quadra- Maria-della-Consolazione in Todi muß man ihm zumindest zugeste- einmal soziales Fleisch ansetzen
tische Wohnblöcke mit Höfen auf- stand ihm Pate, Die umschließende hen, daß er sie vollkommen souve- wird oder nur Kulisse abgibt für die
geführt. Dichte Baumreihen aufden Bebauung weist sieben Stockwerke rän handhabt, Arbeitslosenheere der Zukunft, läßt
Plänen lassen hoffen, daß in fünfzig auf, ergibt innen und außen aber Gebaut wird mit Betonfertigteilen, Sich noch nicht beantworten.
Jahren die Straßen angenehm schat- eine gänzlich andere Höhen- und Was man zwar wegen der sichtbaren Auf die wachsende freie Zeit der
tig sein werden. Die Grünflächen _Raumwirkung. Fünf gleiche, gesta- Fugen sofort bemerkt, den Fassaden Bewohner antwortet Bofill mit gedagegen
 scheinen eher zum Betre- pelte Geschoße und zwei davon jedoch nicht ansieht. Über den stalteten Freiflächen und inszenierten
 ungeeignet oder zum Vertrock- abgesetzte Dachgeschoße mit weil rohen Beton der Konstruktion wer- ten Räumen. Ob die Massen sich
nen verurteilt. ausladenden, frei schwebenden den die speziellen, etwa 10 cmstar- einmal darin ergehen und erfreuen
Bofill baut die ganze Anlagenicht Attikaaufbauten machen den Platz ken Fassadenelemente gehängt. wollen, ist noch offen. Erfreuen werselbst.
 Er zeichnet zwar verantwort- theatralisch und schwer, seine Verschiedene Ockertöne wurden den sich indes gewiß die Massen der
lich für den Gesamtplan und für Wände hoch. Außen dagegen hat ihnen beigemengt, die eine zusätz- Architekturtouristen aus dem Ineinige
 Teile, die meisten Gebäude man den Eindruck, vor höchstens liche, unaufdringliche Gestaltungs- und Ausland. Frankreich, so scheint
werden aber von anderen Architek- vierstöckigen Gebäuden zu stehen. Varianz in die Fassade bringen. es, zelebriert mit Bofill seinen pomten
 entworfen, unter seiner Aufsicht Der Trick, zwei Geschoße in einem Überraschend ist besonders die Dpösen Abschied von der Moderne.
und seinen Auflagen allerdings. klassizistisch ausgebildeten Oberfläche, die sich angenehm, fast
Der erste Bauabschnitt vom Place Fensterfeld zu vereinigen, macht Sandig anfühlt und das Material Hans-Jürgen Serwe
du Nombre d’Or bis zum Gewerk- das möglich. Schinkel hätten sich Beton nur mehr erahnen läßt. Die. merkung:
schaftshaus ist gegenwärtig etwazur bei dieser Fassadenteilung die hohe Maßgenauigkeit und Sorgfalt {m besonderen möchte ich dem Archi-Hälfte
 fertig, an die Hundert Haare gesträubt, doch der unvorein- der seriellen Fertigung läßt schmale oxkten Yves Gassot, Montpellier und
Wohnungen schon bezogen. Dieser genommene Betrachter geht Bofill Fugen und baukastenartigen (Genevieve Lagrelle, Sekretärin der
Platz mit seinem Palmenkarree ist auf den Leim. Wenn dieser „größte Umgang mit den Teilen zu, Man Soci&t& d’ Equipement de la Region
bereits im Grundriß historische Architekt seit Michelangelo und fühlt sich unwillkürlich an die Gips- Montpellieraine für Erklärung und sach-Reminiszens.
 Der Bramante zuge- Gaudi” (Selbsteinschätzung) viel- Fassaden der Gründerzeit erinnert kundige Hinweise danker
            
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