Volltext : ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1984, Jg. 17, H. 73-78)

1 A | 1
SA a
Energetische Berechnungen.
Heizungsingenieure wollen mit ihren
 Berechnungen des Wärmebedarfs,
 vgl. DIN 4701, Heizungsanlagen
 für die tiefste Außentemperatur
dimensionieren und den jährlichen
Brennstoffverbrauch schätzen. Für
die MEH brauchen wir zusätzlich
Berechnungen, die die Temperaturverläufe
 im Gebäude in Abhängigkeit
 von typischen Wetterverläufen
darstellen. Die genannten Aussagen winnung, Speicherung, Heizung
können derzeit am Institut mit dem usw. extrem verändert werden. Eine
Simulationsprogramm DEROB IV 4nı. „Bewachsnaus. 5 ADStDGa,.. u. Semesters Phase (z. B. eine Diplomarbeit) umzemacht
 werden. Allerdingssinddie auch freier gegliederte Gruppen ver- chende Gebäudegestalt erhalten. £ faßt jeweils den Aufbau, Meßphase
Eingaben für Wetterdaten und vor sucht. Wir sind froh, daß über die Diese Entwicklung braucht Zeit, sie, Auswertung, die Studenten könallem
 die Gebäudedaten so umfang- Zeit keine Optimierung in Richtung kann nicht durch modische Applika- nen in dieser Zeit im Hause leben.
reich, daß wegen des Aufwands ei- eines starren Entwurfsrezepts statt- tionen wie z. T. bei den „Anbauge- m Messung und eigene Empfinne
 Entwurfsbearbeitung mit Alter- fand. Unter den Entwürfen sind _wächshäusern” ersetzt werden. AM dung vergleichen zu lernen.
nativen im Dialog mit dem Rechner auch Varianten, die wenigstens rech- auffälligsten ist die deutliche Diffe- Einen kleinen und ermutigenden
nicht mehr realistisch ist. Der zu- nerisch keine zusätzliche Heizung renzierung der Ansichten nach den Schritt in Richtung Experimentalkünftige
 Weg wird deshalb darin be- erfordern, also sog. Nullenergiehäu- Himmelsrichtungen. Sie ergibt sich haus machten im Sommersemester
stehen, einfache Verfahren wie Solar ser. Sie schieden jedoch wegen man- durch die Öffnung der Gebäude 84 eine Projektgruppe des 2. Seme-Load
 Ratio-Verfahren (SLR), keg- gelnder Wirtschaftlichkeit aus. Die nach Süden, sei es durch Fenster, sters und ich, als wir ein Anbauge-Verfahren
 oder eigene einfache Be- bisher erzielten, rechnerischen KGlaspufferräume oder Luftkollekto- wächshaus von ca. 12 m* Grundflärechnungsverfahren
 mittels Simula- Heizenergieverbräuche liegen bei ren, und die relative Schließung der che im einfachen Selbstbau planten
tion zu testen und anzupassen. Sol- 30 bis 70 kWH/m?* Wohnfläche im Nordseiten. Die Südseiten sind rela- und bauten. Die Kosten betragen ca.
che einfachen Verfahren sind dann Jahr, entsprechend 300 bis 700 Liter tiv glattflächig um Verschattungen 600.- DM. sie wurden von der Grupin
 der Lage, Hand in Hand mit dem Heizöl für eine Wohneinheit von ca. zu vermeiden, die Nordseiten kön- pe selbst aufgebracht. Ab Herbst fol-Entwurfsvorgang
 die energetische 100 m* WE Diese Heizenergie wird nen beliebig gegliedert werden. Die- gen die Bepflanzung und der Be-Qualität
 zu überprüfen. vor allem im DE AT d se Differenzierung nach außen hat trieb über ein Jahr, um das Zusambei
 ungünstigen Wetterbedingun- auch ihre konstruktive Entspre- Nnspi i a . -
Entwurf, Konstruktion gen, z. B. trüb und kalt, zueinzelnen chung. Z, B. kann die Hülle völlig als eG apa ra
Stunden eingesetzt. Die dafür erfor- mehrschalige Leichtbaukonstruk- können. Nach diesem Anfang ist
Die MEH werden mit Entwurfs- derliche Heizanlage muß klein, bil- tion ausgeführt werden, die Innen- denkbar, 1985 mit einem Seminar im
grundsätzen und Konstruktionen ig, fast trägheitslos ansprechend wände und Decken sind dann als Selbstbau auch z. B. ein Gebäude
entworfen, die allesamt im energie- sein und auch im Teillastbereich ei- massive speichernde Elemente kon- mit selbstgebauten Luftkollektoren
sparenden Wohnungsbau bekannt nen guten Wirkungsgrad besitzen. struiert. Sonnenenergie wird, bevor auszurüsten und sie zu testen. Es ersind:
 Kompakte Gebäudegestalt, Infragekommenz. B. Gasheizungen sie als Wärme wirksam wird, als scheint uns ganz wesentlich, daß bei
Vernetzung der Abkühlungsflächen mit Luft, evtl. auch Wasser als Wär- Licht sinnlich wahrgenommen. An- den Studenten wie auch den Lehrbenachbarter
 Wohneinheiten, inne- meträger, bei sehr kleinen Verbräu- ders als bei üblichen Geschoßebe- personen durch solche Aktionen die
re Wärmezonung der Räume, Puf- chen auch Tag-Strom. nen mit ihren Guckastenfenstern Distanz zwischen Denken, Handeln
ferräume, gute Dämmung, gezielte MFH und Öko logie sollte in einem MEH die sphärische und Erfahren kleiner wird.
Größe und Anordnung von Spei- Sonnenlaufbahn durch die wech- n
chermassen, Lüftungswärmerück- ? ; selnde Licht- und Schattenerzeu- Horst Küsgen
gewinnung, Windschutz usw. Die Die MEH sind heute noch Prototy- gung und damit Raummodellierung Literaturhinweise
wesentliche Entwurfsleistung der Pen, ihre Prinzipien sind jedoch auf im Tagesablauf erlebt werden kön- (1) H. Küsgen: Minimalenergiehäuser.
MEH liegt darin, aus dem Repertoi- alle neuen Gebäude übertragbar, nen, Die Bedeutung der Sonne für In ARCUS 1983.3, S. 137-144
re möglicher Maßnahmen diejeni- die im Winter kontinuierlichgenutzt dqj;e Wärme soll in ihrer Wirkung als (2) H. Küsgen: Investitionsrechnung im
zen auszuwählen und zu dimensio- Werden. Die Anwendung auf den [Licht auch sichtbar sein. Bauwesen. BAUÖK-Papier 42,
nieren, daß energetische Wirkung Altbaubestand ist problematisch Ein Seminar im Wintersemester Stuttgart 1982, 61 S.
und Investitionshöhe optimal aufei- und noch zu untersuchen. Für Neu- 84/85 wird sich damit beschäftigen, (3) Solar-Load-Ratio Verfahren (SLR).
nander abgestimmt werden. Beiden Dauten ist damit ein Weg gezeigt, der jnwieweit bisher gebaute Energie- Kommentar und Anwendungsbeiangenommenen
 Energieverbräu- ine drastische Schonung fossiler sparhäuser und Solarhäuser das spiel. BAUOK-Papier 43, Stuttgart
chen bzw. -einsparungen sind zu op- Energieressourcen und geringe Energiekonzept, die konstruktive 4 De 505. N. Küsgen: Das klei
ämistische Annahmen auszuschlie- Schadstoffbelastung durch die Hei- Ausführung und die Gestaltung be- Us  Olarhausı B AUSGKP. ns 7a
ßen. So sind z. B. bei Außenwänden Zung verspricht. Das Gebäude wird reits zur Deckung bringen und da- Stuttgart ggymss
nicht nur die k-Werte des normalen damit von Energieversorgungssy- raus systematisch Gestaltungsansät- vs) P Goretzki: Grundlagen und An-Wandquerschnitts
 anzunehmen Stemen unabhängiger, selbst ein ze ableiten. — wendung Passiver Solar-Energie.
sondern auch Minderungen an An- Fernwärmeanschluß ist in vielen BAUÖK-Papier 45, Stuttgart 1983.
schlüssen, geometrische Wärme- Fällen wegen der geringen Wär- Projekte 6958.
brücken, eventuelle Durchfeuch- meabnahme unwirtschaftlich. Das —- . . N ‘5) C.Gruson; F Kerschberger: Berechtungen
 von Dämmstoffen konstruk- Haus gewinnt damit einen Teilsei- Die bisherigen Arbeiten drängen nung des Heizenergiebedarfs von
tiv auszuschließen bzw. einzurech- ner vorindustriellen Autonomie auf dazu, das MEH-Konzept auch zu Gebäuden - ein Verfahrensvernen.
 neuer Basis zurück. Die Bewohner bauen. Im Raum Stuttgart wird z, Zt. gleich. BAUÖK-Papier 46, Stuttgart
Beiden ca. 20 bisher durchgeführ- sind in geringem Maße von zentra- ein Ansatz verfolgt, eine MEH- „1984, ca, 125 S. Erscheint demnächst
ten Entwürfen von Studenten hat len Systemen abhängig, stattdessen Gruppe von ca. 4 Wohneinheiten (7 H, Neudeck: Energiebilanz von Versich
 entgegen früheren Annahmen a1ehmen sie durch die Steuerung des durch das Institut zu planen und zu re EDS 1983, 174
gezeigt, daß die energetischen An- Gebäudes aktiven und verstehen- bauen. Ausgehend von etwa glei- 9) Schweibusch, "Wollen: Ticht
forderungen noch eine erhebliche den Anteil an der Interaktion zwi- chem Tragwerksystem sollen vier ** vlicke, Zur Gleschichte der künstll-Entwurfsfreiheit
 zulassen. Überwo- schen Gebäude und Umwelt. Ihr energetische Varianten gebaut wer- chen Helligkeit im 19. Jahrhundert
gen am Anfang Reihenhaustypen Einfluß auf den tatsächlichen Heiz- den, die dann hinsichtlich- Wirt- Hauser, München Wien. 1983, 229
mit 2-3 Geschossen so werden jetzt nergieverbrauch ist sehr erheblich. Schaftlichkeit, energetischem Ver- Seiten. - .
Die Wirkung auf das Bewußtseinder halten, Benutzbarkeit, Instandhal-A
 | Pe Bewohner kann nur annähernd er- tung usw. über mehrere Jahre beob- m an
Z ] a messen werden, wenn man beiSchi- achtet werden sollen. Für Planung esreumergiamda 5
al | eb velbusch (Lit.) liest, wie erschrocken und spätere Messung soll die bereits = -
| a und entmündigt sich die Menschen bestehende Zusammenarbeit mit = ea Fin here Wärmee ="
hm | im 19. Jahrhundert fühlten, nach- anderen Instituten der Universität mm
en PA ES] dem sie an zentrale Versorgungsnet- Stuttgart (Baukonstruktion, Bau- =
EZ ze für Gas und Strom angeschlossen physik, Heizungstechnik, Thermo- ü
a. | A waren. Auch die Kompensation des dynamik) intensiviert werden. =
al | ! zunehmend beklagten Verlusts an Daneben planen wir derzeit ein 5
We Fa =] Fe ; Verantwortung in der Arbeit durch Energie-Experimentalhaus für Stu- |
| mama | bc ZZ Verantwortung, für den,Betrieb des denten. Im Selbstbau soll eine Holzah
 Hauses ist unübersehbar. konstruktion von ca. 5 x 8 m Grund-|
 fläche errichtet werden, die von
AS) Gestaltung wechselnden Studentengruppen vaak)
 riabel ausgebaut und getestet wer- 7
Un m Das MEH-Konzept wird in Zukunft den kann. Es können z. B. Belich- I
A | zwangsläufig auch eine ihm entspre- tung, Dämmung, Solarenergiege- + SE&
            
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.