tekturgeschichte gespielt. Ihre Aufgabe
war, eine Stadt neu zu bauen und zu erneuern,
eine Stadt die einzigartig in
ihrer Realität ist. In Berlin ist die Gesamtfläche
der Baulücken, des Brachlandes
und der Ruinen größer als die
bebaute Fläche. Das Maß der mögli- -
chen Eingriffe ist deshalb groß. Das
heißt, daß es materialisierbar ist urbane .
Projekte im Rahmen der realen Stadt m
vorzuschlagen und zu verwirklichen, Ch
um die historischen Werte wieder zu ge- 1
winnen und neue Lebensformen zu ermöglichen.
„Wohnen in der Innenstadt”
ist ein durchsetzbares Demonstrationsziel.
In Salzburg sieht die Realität anders
aus. Zu 96% ist die gebaute Stadt konfliktiv.
Der Wohnungsmangel ist hier -
genauso wie in Berlin - eine Tatsache.
Wenn man bedenkt, daß man auch hier
den bestehenden „Habit” mit konkreten
Beispielen einer möglichen Stadt x
konfrontieren wollte... Wenn man be- ®
denkt, daß man gegenüber denen, die
die Stadt eigentlich mehr zerstören als halb der Stadt auf einer Gemeindeflä- herrschenden historizistischen Akadeaufbauen,
eine didaktische Verantwor- che zu bauen, die ursprünglich als mismus versuchte man eine wirtschafttung
übernehmen will... Wenn man be- (Grünland vorgesehen und für die Er- liche technologische Lösung für die Verdenkt,
daß Salzburg eine geographisch richtung eines Sportzentrums gedacht wirklichung der neuen Wohnformen
festgelegte historische Innenstadt und war. Dieses Grundstück, mit einer Flä- vorzulegen (Typifizierung, Vervielfältieine
durch das Grüne begrenzte Erwei- che von 35.000 qm, an der nordwest- gung, Industriealisierung, Prefabrikaterungsmöglichkeit
hat... wenn man lichen Grenze der Stadt, ca. 5 km vom tion). Die heutigen Ziele können so
diesen Kontext und diese Umwelt be- Stadtzentrum und ein paar hundert synthetisiert werden: man will der, aus
trachtet, dann erkennt man, daß die Meter von der Saalach - und dadurch den modernen Richtlinien entstandemöglichen
Eingriffe in der gebauten auch von der Bundesrepublik Deutsch- nen Stadt eine lebendige Stadt entge-Stadt
eher eine kosmetische Vertu- land - entfernt, wird mit dem vorgese- gensetzen, in der der private und öffentschung
sein konnten. Um den definier- henen Bau von 300 bis 400 Wohnungen liche Raum ihren Platz haben. Eine
ten Demonstrationsziele eine Antwort eines der letzten Projekte für die Erwei- Stadt, die durch die Wiederaufnahme
zu bieten, entschloß man sich für einen terung der Stadt sein. Die durch den der geschichtlichen Werte - durch ihre
städtebaulichen Typus der sehr pole- Entschluß, eine Siedlung zu bauen auf- Struktur und ihre Atribute - eine Konmisch
ist: die „Siedlung”. Die Siedlung geworfenen Probleme kommen auchin tinuität mit der Tradition bildet, Es ist
als Wohnanlage außerhalb der Stadt. der Ausschreibung zu Tage: Der Planer aber zu bedenken, daß die Erkenntnis
Eine Siedlung 1984 nach der verbrei- sieht sich in der schwierigen Situation, der Autonomie der Architektur dazu
teten und akzeptierten Kritiken an der eine kleine räumige, isolierte Wohnbe- beigetragen hat, die ideologischen Ziele
Moderne? bauung zu realisieren, die an zwei Sei- oder die theoretische Grundlage der
7Unter Einbeziehung des bisher Aus- ten, nämlich im Südwesten und Süd- Praxis bescheidener einzuschätzen.
geschiedenen wird ein neues Konzept osten, von Gewerbegebiet umgeben ist. Will man die vorgenommenen Ziele
der Moderne formuliert. Der absolute Die Lösung der sich daraus ergebenden verwirklichen, sind Omnipotenz und
Bruch mit der Geschichte wird ebenso gestalterischen und infrastrukturellen Messianismus fehl am Platz.
zurückgenommen wie der Erneue- Probleme stellt hohe Anforderungen. Forellenweg als Wohnanlage kann -
rungs-Rigorismus gegenüber dem be- Man muß aber bedenken, um den ur- wie es Wilhelm Holzbauer deklariert -
stehenden. Mit dieser Umorientierung banen Typus „Siedlung” wieder aufzu- wie eine „Insel” verstanden werden,
sind Einbrüche in die Architektur- nehmen, braucht man die nötige histo- eine Insel die alle charakteristischen
praxis und die Architekturtheorie ver- rische Distanz, damit die erforderiche Elemente einer Stadt besitzt: Straßen,
bunden, die nicht länger erlauben, von Neuauffassung ermöglicht wird. Dieser Plätze, Blöcke, Reihenhäuser, Gärten,
einer kontinuierlichen Weiterentwick- Typus war Anfang des Jahrhunderts Tore, etc. Rob Krier’s Projekt geht in
lung der Moderne zu sprechen. Die gültig, da er den sozialen und politi- dieser Hinsicht sogar noch weiter, da er
„unvollendete Moderne” (Habermas) schen Idealen der Zwanziger und Drei- eine kleine, mittelalterliche Stadt schafkann
nur der Vollendung näherkom- Bßiger Jahre eine Antwort bot. Die Hilf- fen wollte mit ihren Monumenten: die
men, wenn sie gegen ihre bisherige losigkeit gegenüber der Anarchie der Kirche, das Rat-/Gemeinschaftshaus,
Definition Wertsetzungen einbezieht, gebauten Stadt existiert in beiden Fäl- deren Straßen und Platzfolge.
die als feindlich und antimodern ange- len: in den Zwanziger Jahren gegen- Aber Forellenweg hat nicht den Mabsehen
worden waren. Die Revision der über der Industriestadt, heutzutage ge- stab, um eine relativ autonome „Satel-Moderne
ist die Voraussetzung ihrer genüber der entstandenen Stadt, die litenstadt” zu bilden.
künftigen Geltung“) nach den modernen Theorien gebaut Das Ziel die urbanen Atribute in
Die Stadt muß sich erweitern, um wurde. Es muß aber gesagt werden, einer Wohnanlage wieder aufzunehmen
den Wohnungsmangel zu beseitigen. In daß die Ziele dieser dezentralisierten - weise Lehre der Geschichte - wird
Salzburg hat man sich für eine radikale ‚Wohninseln” andere waren: man woll- auch durch Oswald M. Ungers Konzepte
Alternative entschlossen. Die Hinter- te der Industriestadt des XIX. Jhs. ein Mmaterialisiert: seinen theoretischen Vorgründe
die zu dem Entschluß führten, hygienisches und menschenwürdiges Schlag, der realen Stadt ein Archipel
heutzutage eine Siedlung zu baüen, Stadtmodell gegenüberstellen; die gül- entgegenzusetzen, um die urbane
folgten eher pragmatischen als ideologi- tige Gesellschaft wollte man mit einer Makrostruktur zu spannen und zu relaschen
Erwägungen. Man entschied sich demokratischen und gleichberechtig- tivieren, konnte durch sein Projekt
die Wohnanlage Forellenweg ausser- ten Lebensart konfrontieren, und den embryonal materialisiert werden. Das
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